Meteor-Logbuch 20. Juli 2008: Dem Methangas auf der Spur
Im Forscher-Blog zur 76. Meteor-Expedition, der vom 17.07.08 bis zum 24.08.08 auf den Webseiten des Geoportals planeterde.de zu lesen ist, erfahren sie heute vom peruanischen Geophysiker Cesar John Capachin Villaverde weshalb Meeresforscher den Grund des Ozeans untersuchen und wie sie dabei auf Methanquellen im Meeresboden stoßen.
Planeterde Blog
Mehr Informationen über das aktuelle Meteor-Logbuch und Expedition M76/3B
20. Juli 2008 (Autor: César John Caparachin Villaverde)
Heute kommt der BLOG von:
"Hola! Mein
Name ist César John Caparachin Villaverde, ich habe vor kurzem mein
Bachelorstudium in Ingenieursgeophysik an der Nationalen Universität von San
Agustin in Arequipa-Peru abgeschlossen- ich liebe meinen Beruf wirklich sehr.
Ich bin von der Universität Bremen eingeladen worden, an dieser Forschungsfahrt
teilzunehmen und als Peruaner werde ich dabei mein Bestes geben!"
Dem Methangas auf der Spur
Arbeiten
mit indirekten MethodenViele
Leute können etwas nur beschreiben, wenn sie es betrachten. Geophysiker
hingegen müssen etwas beschreiben ohne es jemals zu sehen, indem sie
verschiedene physikalische Merkmale des Materials, wie z.B. seine akustischen
Eigenschaften messen. Ich als Geophysiker werde während dieses Abschnitts
M76-3b für die Betreuung einiger akustische Systeme wie zum Beispiel dem
Echosounder und Parasound-System zuständig sein, die ich bereits in der
vorausgegangenen Fahrt M76-3a unter der Fahrtleitung von Professor Volkhard
Spieß kennen gelernt habe (Information zu M76/3a).
Bild 1: Die Aufnahme des Multibeam Echosounder Systems zeigt die komplexe Geomorphologie des Diapirgebiets. Der Kreis zeigt den Fundort der ersten Gasfahnen (Meteor-Reise 76/3a, Fahrtleitung V. Spieß von der Universität Bremen)
Was für Informationen bekommen wir von diesen Meßsystemen? Der Multibeam-Echosounder dient dazu, eine Echtzeit-Visualisierung des Meeresbodens zu bekommen. Der Parasound hingegen liefert uns Informationen über die Sedimente unterhalb des Meeresbodens und erlaubt es uns Geophysikern, verschiedene komplexe Untergrundstrukturen zu erkennen. Aber nicht nur das, mit dem Parasound können wir außerdem Gasfahnen in der Wassersäule bis zu einer Tiefe von 4000 Metern oder tiefer erkennen, ist das nicht großartig? Das erste Mal, als ich eine solche Gasfahne sah, war ich wirklich sehr erstaunt. Es war schwer zu glauben, dass ein so großes und starkes akustisches Signal in der Wassersäule durch winzige Gasbläschen auf ihrem Weg an die Meeresoberfläche erzeugt wird! Das Phänomen dieser Gasaustritte aus dem Meeresboden ist sehr wichtig, da das klimarelevante Methangas, Hauptbestandteil der Gasbläschen, ein sehr aggressives Treibhausgas ist, sobald es die Atmosphäre erreicht.
Bild 2: Die Aufnahme mit dem Parasound-System zeigt die lokalisierten Gasfahnen im Diapirgebiet. Links ist die Struktur des Meeresbodens dargestellt, rechts die Gasfahne in der Wassersäule (Meteor-Reise 76/3a, Fahrtleitung V. Spieß von der Universität Bremen)
Unsere
Forschung
Während
des letzten Fahrtabschnitts wurden viele Standorte im Untersuchungsgebiet mit so
genannten Pockmarks, Senken im Meeresboden, und Gasfahnen durch akustische
Methoden identifiziert. Jetzt werden Spezialisten aus Deutschland, Frankreich
und vielen anderen Ländern versuchen, Proben und hochauflösende Aufnahmen von
Gashydraten und den verschiedenen Arten von biologischen Lebensgemeinschaften,
die an diesen Gasaustritten vorkommen, zu erhalten. Um das zu ermöglichen,
werden sie zuerst in den nächsten Tagen die Quellen der Gasfahnen am
Meeresboden finden müssen, so zum Beispiel in den Untersuchungsgebieten
„Diapir“ und „Regab Pockmark“. Danach werden mein Freund und Kollege Frederic
Tardeck und ich daran arbeiten, Karten von allen interessanten Phänomenen in
diesen Gebieten zu erstellen.
Bild 3: Der Meeresgrund kann mithilfe des Parasound-Systems genauestens charakterisiert werden. Oftmals bedecken jüngere Sedimentablagerungen weitaus ältere Schichten unterhalb des Meeresbodens, so genannte Paläokanäle. Die Komplexität der Deformation lässt sich durch die hohe Auflösung des Parasounds gut identifizieren (Meteor-Reise 76/3a, Fahrtleitung V. Spieß von der Universität Bremen)
Träume
werden wahr
Bis
vor ein paar Monaten konnte ich mir Dokumentationen über Meeresforschung nur in
den internationalen Fernsehprogrammen anschauen. Nun bin ich selbst Teil einer
richtigen wissenschaftlichen Gruppe auf hoher See. Ich muss gestehen, dass ich
sehr glücklich bin, ein Mitglied in dieser Gruppe zu sein und Dinge zu sehen,
von denen ich niemals geglaubt hätte, dass ich sie mit eigenen Augen sehen
würde. Ihr denkt, dass ihr niemals eine Chance haben werdet, eure Träume wahr
werden zu lassen? Überlegt es euch noch einmal und ich bin sicher, dass auch ihr
es schaffen werdet!!!
Les deseo a todos uds. buena suerte y muchos éxitos!
Su amigo, César!
Bild
4: Enthusiastisch bei der Arbeit: Der Autor des heutigen Blogs, Cesar, mit den verschiedenen
akustischen Systemen in der Lotzentrale








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