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Meteor-Logbuch 22. Juli 2008: Käptn's Dinner

erstellt von aahke zuletzt verändert: 17.11.2016 12:07 — abgelaufen

Frédérique Steens, belgische Studentin der Meeres- und Küstenforschung, ist nicht nur das erste Mal auf einem Forschungsschiff - sie durfte auch gleich den Kapitän interviewen. Heute im Meteor-Blog, der noch bis zum 24.08.08 auf den Webseiten von planeterde.de zu lesen sein wird.


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22. Juli 2008 (Autorin: Frédérique Steens)


FS Meteor: Shadow

Aktuelle Position

Heute im Meteor-Blog:

Frédérique Steen“Hallo! Mein Name ist Frédérique Steens, und ich bin im letzten Jahr meines Studiums der Meeres- und Küstenforschung an der Gent Universität in Belgien. Ich bin noch in letzter Minute auf die Ausfahrt mitgekommen und kann es deshalb kaum fassen, dass ich nun in der Mitte des Atlantiks bin! 22. Juli: shiptrackMeine Aufgabe wird sein, Meiofauna-Proben für das Marine Biologie Labor in Gent, das unter der Leitung von Frau Professor Ann Vanreusel steht, zu sammeln. Meiofauna-Organismen sind winzige Tierchen von weniger als einem Millimeter Größe. Außerdem werde ich allen an Bord bei ihrer Arbeit zur Hand gehen, die Hilfe brauchen - und ich hoffe, ich kann viel helfen.“


Käptn’s Dinner
Heute Morgen haben alle Wissenschaftler ein intensives Sicherheitstraining erhalten, um für den Fall gewappnet zu sein, dass dem Schiff etwas zustößt. Nach dem Ertönen des Generalalarms haben wir alle unsere Rettungswesten geholt und sind schnell an Deck gegangen; von dort ging es dann zu den jeweiligen Rettungsbooten. Eigentlich ist es ja ein bisschen lustig, alle in diesen orangefarbenen Westen zu sehen, die weder modisch sind noch bequem – aber man bedenkt dann natürlich auch, dass es Leben retten kann, wenn man bei drohender Gefahr über die Rettungswege und Handgriffe Bescheid weiß. Vor allem ist es wichtig, einen kühlen Kopf zu bewahren.

22. Juli: Bild 1










Bild 1: Frédérique Steens auf ihrer Tour durch den Maschinenraum.


22. Juli: Bild 2Bild 2:  Sicherheitsübung an Bord der METEOR: Wofür man keine Zeit hat, wenn man den Generalalarm hört, ist Lesen. Oluwatobi Oni vermisst wohl die Tageszeitung auf See.

Nach dem Wissenschaftler-Meeting für alle, bei dem es heute um die Planung der nächsten Tauchgänge ging sowie um die Funktion und den Zweck unserer 27 verschiedenen in situ Nutzlasten für den Unterwasserroboter, das ROV (remotely operated vehicle) QUEST, haben wir noch eine Führung durch den Maschinenraum erhalten. Der leitende Ingenieur und Chef der Maschine zeigte uns nicht nur das Herz des Schiffes, sondern auch die vielen anderen Aufgaben der Maschinisten wie zum Beispiel die Kühlung und Aircondition, das Reinigungs- und Abfallsystem (siehe Bild 3) und viele andere Funktionen an Bord.

 22. Juli: Bild 3

Bild 3:  Die Führung durch die Maschine übernahm der Leitende Ingenieur Volker Hartig (links im Bild)













Heute hatte ich die besondere Ehre, den Kapitän an Bord, Herrn Niels Jakobi zu interviewen. Das METEOR M76/3b BLOG soll nämlich nicht nur die Wissenschaftler und ihre Aufgaben vorstellen, sondern auch die Schiffsmannschaft, ohne die hier nichts funktionieren würde. Und natürlich fangen wir da bei dem Kapitän an. Ich hoffe, Sie haben Spaß beim Lesen, denn morgen gibt es noch mehr!

Viele Grüsse von der METEOR,

Frédérique Steens


Frédérique Steens im Interview mit dem Kapitän der METEOR: Niels Jakobi

22. Juli: Bild 4

Bild 4:  Niels Jakobi, der Kapitän der METEOR auf seiner Brücke


Wie lange sind Sie schon Kapitän?

Ich bin Kapitän seit 1994, zuerst auf dem Forschungsschiff ALKOR. Die ALKOR befährt vorwiegend die Ostsee. Seit dem Jahr 2000 bin ich als Kapitän der METEOR im Einsatz, aber meine erste Reise auf diesem Schiff war schon 1987 als Zweiter Offizier.

Sind Sie denn auch auf Handelsschiffen gefahren?

Ja, ich war auch auf Handelsschiffen, in der Cargo- und Containerfahrt als Dritter Offizier, bevor ich mit der Forschungsschifffahrt begann und war vorwiegend mit nautischen Aufgaben betreut.

Und wenn Sie noch mal wählen würden, was würde Ihnen mehr zusagen – die Forschungsschifffahrt oder die Containerschiffe?

Ich würde noch mal in die Forschungsschifffahrt gehen (sagt er ganz ohne zu zögern), weil die Forschungsreisen eine unglaubliche Abwechslung bieten. Es geht dabei eben nicht nur darum, eine Ladung von Punkt A nach Punkt B zu befördern, sondern jeder Tag bringt andere Aufgaben. Man arbeitet eng mit der Wissenschaft zusammen, und das tue ich gerne, weil mich die Forschung interessiert. Es macht auch Spaß, dann doch immer wieder zusammen zu kommen, weil oft die gleichen Wissenschaftler über Jahre auf unsere Schiffe zurückkehren. Antje zum Beispiel (die derzeitige Fahrtleiterin) kenne ich, seit sie das allererste Mal als Studentin auf METEOR war (das ist 19 Jahre her), und man weiß dann doch genau wie man zusammenarbeitet und was die Interessen sind.

Also als Kapitän hat man es doch sicher gut an Bord und viele Vorteile?

Naja.....nein, da gibt es gar keine Vorteile (lacht)! Es sieht ja vielleicht erstmal einfach aus, anderen zu sagen was sie zu tun haben, aber alles was man sagt, muss der Gesetzeslage und den vielen Verordnungen entsprechen, und es muss auch möglich sein, es umzusetzen. Zum Beispiel muss ich für alles was die Wissenschaft will, erst einmal herausbekommen, ob das auch wirklich machbar ist. Und das ist oft schwierig – andererseits sind schwierige Aufgaben ja auch spannender als einfache. Wenn es mal schwierig oder gar brenzlig wird, bin ich derjenige, der Entscheidungen treffen muss. Und es gibt immer irgendetwas - zum Beispiel hatten wir einen Unfall mit dem Seismik-Kompressor-Container auf der letzten Reise, und einmal gab es sogar Feuer in der Maschine, das aber glücklicherweise innerhalb von 20 Minuten gelöscht werden konnte.

Was sind die schlimmsten und schönsten Momente im Leben als Seefahrer?

Die schlimmsten Erfahrungen sind die Probleme und Gefahren, die plötzlich hereinbrechen können, wie zum Beispiel Feuer an Bord. Es ist auch wirklich sehr schwierig für das Familienleben, so lange weg zu sein. Aber dann ist es auch wundervoll nach vier bis fünf Monaten Seefahrt zwei Monate am Stück Urlaub zu haben. Das Schönste? Ich liebe die See seit meiner Kindheit. Jeder Tag auf See ist wie der erste Tag (freut sich).

Wollten Sie schon immer Kapitän werden?

Nein, da hatte ich einige verschiedene Ideen. Erst wollte ich Kunst studieren, dann Biologie, aber als ich zwischen 15 und 16 war, wollte ich Kapitän werden und habe mich für ein maritimes Studium entschieden. Aber eigentlich ist alles gut hingekommen – heutzutage kann ich alles Drei kombinieren. Ich arbeite mit Wissenschaftlern und fahre zur See, und in meiner wenigen Freizeit male ich Aquarelle.

Vielen Dank für das Interview, Kapitän!

22. Juli: Bild 5

Bild 5:  Eine Aquarell der METEOR gemalt von unserem Kapitän



Verweise
Bild(er)