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Meteor Logbuch 29./30. Juli:Die Spannung steigt!

erstellt von aahke zuletzt verändert: 17.11.2016 12:07 — abgelaufen

Veränderte Alkalinität, Sulfatkonzentration oder der Kohlenwasserstoffgehalt sind wichtige Indikatoren für Prozesse und Flüsse in Porenwasser und Sediment. Am besten mißt man diese Parameter dort, wo sie stattfinden: Am Meeresgrund. Andre Gassner, Doktorand am MARUM/Bremen hat ein Gerät entwickelt, das genau dieses kann - er berichtet heute über seinen ersten Einsatz zusammen mit QUEST 4000.

Planeterde Blog

Spielt die Artenvielfalt von Tiefseelebewesen eine Rolle für das Klima unseres Planeten? Fragen rund um das Thema Meeresforschung beantworten direkt von Bord der FS Meteor  Fahrtleiterin Prof. Dr. Antje Boetius und ihre Crew.  In Kooperation mit dem Geoportal planeterde.de  führen sie vom 17.07.08 bis zum 24.08.08 einen Science-Blog  zur METEOR Expedition M76/3 GUINECO - MARUM Forschung zu Fluid- und Gasaustritten vor Westafrika. Technischer Mittelpunkt der Expedition ist der ferngesteuerte Unterwasserroboter QUEST4000 des MARUM, mit dem ein umfangreiches Beprobungs- und Messprogramm geplant ist. Tauchen Sie mit ihm an Orte ab, die noch kein Mensch je zuvor gesehen hat: entdecken Sie eine faszinierende Meeresfauna und begleiten Sie die Tiefseeforscher bei ihrer Arbeit an den Gas- und Fluidquellen!

Die Fahrt M76/3b ist ein Gemeinschaftsvorhaben des MARUM - Zentrum für Marine Umweltwissenschaften an der Universität Bremen und seinen Partnerinstituten MPI  und AWI  sowie dem französischen Forschungsinstitut IFREMER und der Universität Paris.

Mehr Informationen über das aktuelle Meteor-Logbuch, zur Übersicht der Blogs und Expedition M76/3B:

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29. Juli 2008 (Autor: André Gassner)


FS Meteor: Shadow
Aktuelle Position


Heute im Meteor-Blog:


Andre GassnerHallo, mein Name ist André Gaßner und ich bin Doktorand am MARUM-Zentrum für Marine Umweltwissenschaften an der Universität Bremen (Bild 1). In meiner Doktorarbeit beschäftige ich mich mit der Geochemie im Porenwasser von „cold seep“ Sedimenten, die von untermeerischen Methanaustritten beeinflusst sind. Im speziellen interessiere ich mich für die Veränderungen von geochemischen Parametern, wie z.B. der Alkalität, des Sulfat- und Sulfidgehalts und natürlich auch des Anteils an Kohlenwasserstoffen (z.B. Methan). Diese Parameter sind ein Anzeiger dafür, welche Prozesse und Stoffflüsse in den Porenwässern beziehungsweise in den umgebenden Sedimenten stattfinden.

29. Juli: ShiptrackUm diese Prozesse möglichst naturgetreu, also unter den Bedingungen wie sie am Meeresboden vorherrschen, abbilden zu können, habe ich während meiner Doktorarbeit ein Gerät entwickelt und gebaut, welches in der Lage ist, die zu untersuchenden Porenwässer in situ, also am Meeresboden direkt, zu entnehmen. Aus diesem Grund heißt dieses Gerät auch „In Situ Pore Water Sampler“, oder kurz ISPS. Es wird mithilfe des Tauchroboters QUEST 4000 zum Meeresboden gebracht, eingesetzt und anschließend wieder abgeholt, um die Proben anschließend im Labor analysieren zu können. Ansonsten beprobt und analysiert unser Team, bestehend aus vier Geochemikern, Sedimentkerne verschiedener Art auf ihre Porenwasserzusammensetzung, ihre Mineralzusammensetzung und auf gasförmige Kohlenwasserstoffe, die hier vor der afrikanischen Westküste aus lokalen Quellen am Meeresboden aufsteigen (siehe hierzu auch den BLOG vom 19.07., 24.07. und 27.07.)

29. Juli: Bild 1












Bild 1: Das ISPS wird gleich auf die Frontschürze von QUEST montiert.

Die Spannung steigt!

Am heutigen Tag bin ich mit einem leichten Kribbeln im Magen aufgewacht. Endlich bekam ich die Gelegenheit, mein von mir entwickeltes und gebautes Gerät zur Gewinnung von Porenwässern unter in situ Bedingungen mit dem ROV QUEST 4000 in unserem Untersuchungsgebiet einzusetzen. Nachdem dieses Gerät unter der tropischen Sonne vor dem Kongo auf der Frontschürze des Tauchroboters angebracht war, konnte es losgehen. QUEST tauchte ab und kam bis auf eine Tauchtiefe von ca. 3000 Metern. Bei genauerem Beobachten der Umgebung machte sich dann die große Enttäuschung breit. Der Draht an dem das ROV hängt, hatte sich mehrfach um sich selbst gedreht und hing als Drahtseilknäuel neben dem Fahrzeug. Daraufhin mussten wir leider die Entscheidung treffen, den Tauchgang abzubrechen, um weitere Schäden an QUEST zu vermeiden.

Nun wird hier an Bord fieberhaft gearbeitet um dieses Problem zu beheben. Das Kabel wird gekappt und entwirrt (ausgedampft) und dann wieder angeschlossen. Das sind schwierige Arbeiten, da das Kabel ja die Glasfaserverbindung für die telemetrischen Daten enthält. Wir sind aber guter Dinge, dass es morgen wieder losgehen kann und das ISPS dann auch seine Arbeit am Meeresgrund aufnehmen kann. Ich bleibe gespannt und sende im Namen aller Fahrtteilnehmer herzliche Grüße.

André Gaßner


29. Juli: Bild 2













Bild 2: Das ROV bringt den ISPS Porenwassersampler zurück an Deck.



BLOG 30.07.08

Fortsetzung vom 29.07.08 Neuer Versuch!

Ich berichtete gestern bereits von dem fehlgeschlagenen Versuch, das ISPS mit dem ROV zum Meeresboden zu befördern. Heute klappt dann endlich scheinbar alles. Das Gerät wurde ordnungsgemäß platziert und angeschaltet. Dann kam eine lange Zeit des Wartens auf mich zu, da ich nicht direkt sehen konnte, ob alles ordnungsgemäß funktionierte. Erst nach der Rückkehr des Gerätes an Deck sollte sich herausstellen, dass der enorme Druck von 320 bar am Meeresgrund zu hoch für einige Teile am ISPS war. Die kleinen Probenentnehmer, Rhizone, des Gerätes kollabierten aufgrund des hohen Druckes und das führte dazu, dass  dieses Gerät unglücklicherweise diesmal keine Porenwasserproben mitbrachten.

So bleibt mir nur, alles zu reparieren, zu hoffen, dass es beim nächsten Versuch klappt und ganz herzliche Grüße von der Meteor zu senden

29. Juli (Fortsetzung 30. Juli)









Bild 3: Das ISPS ist im Meeresboden verankert und sollte seine Arbeit verrichten.


Verweise
Bild(er)