Benutzerspezifische Werkzeuge
Sie sind hier: Startseite Members Holger Kroker Umfassende Datenbasis für planetenweites Management

Umfassende Datenbasis für planetenweites Management

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 23.08.2007 14:20

2005 wurde auf dem Dritten Erdbeobachtungsgipfel die Gruppe für Erdbeobachtung gegründet. Die Organisation soll im Auftrag von 69 Staaten, der EU-Kommission und etlichen UN-Organisationen alle Erdbeobachtungsdaten zusammenfassen und verfügbar machen. In zehn Jahren soll dieses Geo-System der Systeme etabliert werden. Auf der Tagung der Weltdatenzentren in Bremen sprach Holger Kroker mit GEO-Direktor José Achache. Achache war lange Zeit Professor am Institut du Physique du Globe in Paris, danach in leitender Position in der französischen Raumfahrtorganisation CNES und bei der europäischen Raumfahrtagentur Esa.

Frage: Herr Achache, was ist eigentlich GEOSS?

Achache: GEOSS ist das Globale System der Erdbeobachtungssysteme, ein weltweit koordiniertes und nachhaltiges System, das die Erdbeobachtungssysteme der Welt zusammenfasst. Seine Errichtung wird von GEO betrieben, einer Organisation, die die Regierungen von bislang 69 Staaten aus der Taufe gehoben haben. Die Idee dahinter ist, dass wir eine Menge Instrumente haben, um unseren Planeten zu beobachten, aber diese Instrumente werden nicht koordiniert eingesetzt, sie arbeiten nicht Hand in Hand. Aber wir brauchen die Kombination all dieser Beobachtungssysteme, damit wir gute Vorhersagen erstellen können. Denn ohne diese Vorhersagen können wir nicht den globalen Wandel verstehen, wir können nicht die Konsequenzen des Klimawandels erkennen und uns nicht effizient daran anpassen, etwa indem wir erneuerbare Energien ausbauen. GEO wurde eingerichtet, damit die Beobachtungsergebnisse der verschiedenen Systeme miteinander kombiniert werden können, das nennt man Interoperabilität, und das System, das das gewährleisten soll, wird GEOSS genannt, das System der Systeme.

Frage: Welche Rolle spielen da die Weltdatenzentren?

Achache: Beobachtungssysteme benötigen Daten und deshalb wird GEOSS auch ein System sein, das den Zugang zu Daten und die Abfrage von Datenbanken ermöglicht. Und diese Datenbanken gibt es bereits, sie wurden vor über 50 Jahren von den Weltdatenzentren eingerichtet. Und weil eben GEOSS eigentlich nur bestehende Komponenten so miteinander vernetzen will, dass sie zusammenwirken, deshalb werden die 52 Weltdatenzentren natürlich Komponenten von GEOSS sein.

Frage: Welche sind die die größten Herausforderungen?

Achache: Es gibt natürlich technische Herausforderungen. Die Interoperabilität muss gewährleistet sein, damit ein Benutzer von einer Webseite aus nicht nur eine sondern alle verfügbaren Datenbanken abfragen kann. Das sollte so funktionieren, wie Sie Google bedienen. In den Geowissenschaften gibt es ja die unterschiedlichsten Zugänge, wenn Sie etwa Magnetfelddaten benutzen, oder seismische Daten, oder Klimadaten. Das ist in Zukunft aber nicht mehr möglich. Wir müssen also technische Wege entwickeln, die Daten all dieser unterschiedlichen Speicher miteinander zu kombinieren. Und dann müssen wir die Datenbankbetreiber überzeugen, dass sie sich von den Traditionen des 20. Jahrhunderts lösen, als es genügte, eine fundierte Datenbank mit allen Informationen zu einem spezifischen Problem an einem Ort aufzubauen. Sie müssen sich ins 21. Jahrhundert begeben, wo wir vor allem den Datenaustausch zwischen allen Nutzergruppen brauchen, und das für alle möglichen Anwendungen von Gesundheit über Energie bis zu Biodiversität.

Frage: Müssen denn dafür die existierenden Daten in einheitliche Formate überführt werden?

Achache: Nein, ich glaube, dass das eine enorme Aufgabe wäre, die fast unmöglich ist. Wir können nur die Werkzeuge entwickeln, mit denen die Datensätze so wie sie sind kombiniert und in Beziehung gesetzt werden können, mit denen sie auf andere Systeme übertragen und ausgetauscht werden können. Uns geht es mehr um die Entwicklung dieser Werkzeuge, die dann auf die Datenbanken angewandt werden, als um die Umgestaltung all dieser Datenbanken. Denn die wären zu groß, die könnten gar nicht umgespeichert werden, das würde ja ewig dauern.

Frage: Was ist denn Ihr wesentliches Ziel?

Achache: Wir wollen es jedem Benutzer von Erdbeobachtungsdaten ermöglichen, die Daten, die er braucht, zu erhalten, damit er vernünftige Planungen für die Zukunft machen kann, damit er angemessene Anlagen bauen kann und damit er eine sinnvolle zukünftige Politik konzipieren oder eine existierende Politik angemessen beurteilen kann - das gilt nicht nur für Wissenschaftler, sondern auch für Planer, Manager, Nichtregierungsorganisationen und Ingenieure. Wir wollen alle Kunden der Erdbeobachtungssysteme mit einem guten Werkzeug ausstatten, damit sie den Planeten gut managen können. Sie sollen die Daten bekommen, wann immer sie sie benötigen und in der Form, in der sie sie am besten einsetzen können.

Frage: Wie wollen Sie das erreichen?

Achache: GEO ist eine von der politischen Seite vorangetriebene Organisation. Sie ist relativ schnell in den vergangenen drei Jahren von den Regierungen etabliert worden. Und weil es eine politische Organisation ist, haben wir direkten Zugang zu den Ministern, denen wir über Fortschritte berichten und über die Richtung, die eingeschlagen werden soll, damit die notwendigen Änderungen geschehen. Die Minister, die für Umwelt und Erdbeobachtung zuständig sind, hören auf uns, wenn es darum geht, die nationale Politik zu ändern und auch die Mittelverteilung. Das ganze läuft über die Steuerung der nationalen Investitionen, die jetzt international koordiniert wird. Die nächste Etappe wird der GEO-Gipfel am Jahresende sein. Am 30. November treffen sich die zuständigen Minister in Kapstadt.