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Düstere Zukunft für das Eis

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 23.08.2007 14:29

Wir leben in einer Zeit, in der es vereiste Polkappen auf der Erde gibt. Das ist keine Selbstverständlichkeit: Die meiste Zeit der Erdgeschichte gab es kein Eis an den Polen. Heutzutage ist der Großteil des Süßwassers dort gespeichert. Doch der Speicher beginnt zu lecken.

Die Zustand der irdischen Eispanzer ist unterschiedlich. Grönlands Eiskappe schrumpft und die übergroße Mehrzahl der Gletscher in den Hochgebirgen befindet sich ebenfalls auf dem Rückzug. Auch das Packeis auf dem arktischen Ozean verliert an Ausdehnung. Am anderen Pol der Erde zeigt die antarktische Halbinsel ebenfalls Anzeichen von Schwindsucht. Zur Jahrtausendwende brach dort das Larsen-B-Eisschelf auseinander, ein Meereisblock größer als das Saarland. Dafür scheint das ostantarktische Eis sogar noch zu wachsen, in dem die Masse des irdischen Süßwassers gebunden ist.

Als erste werden die Gletscher in den Gebirgen verschwinden. Die letzten Schneefelder auf dem Kilimandscharo und dem Mount Kenya werden spätestens in zehn Jahren geschmolzen sein. In Europa werden nur die größten Gletscher einen mittleren Temperaturanstieg von drei Grad überleben, steigt das Thermometer noch höher, sind auch die nicht mehr zu retten. Das führt nicht nur dazu, dass die Alpen ihre blendend weißen Kappen verlieren und alle Sommerskigebiete wegfallen werden, das hat auch gravierende Folgen für den Wasserhaushalt der Alpenregion. Denn Gletscher sind immer auch Wasserspeicher, die im regenarmen Sommer Wasser in die Bäche und Flüsse einspeisen. Fällt das weg, könnten die Alpen unter sommerlicher Wasserknappheit leiden, wie es etwa in Teilen des Wallis bereits heute der Fall ist. Was für die Alpen gilt, trifft auch die anderen Hochgebirge der Welt. Überall werden sich die Gletscher zurückziehen.

Von wahrhaft globaler Bedeutung ist allerdings das Verhalten der Eiskappen an den Polen. 90 Prozent des irdischen Süßwassers sind in der Antarktis gespeichert, weitere sechs Prozent in Grönland. Schmölzen diese Speicher ab, stiege der Meeresspiegel rasant. Grönland würde ein Plus von etwa sieben Meter bedeuten, die Antarktis gar von 60 Metern. Glücklicherweise reagieren beide Eismassen sehr träge, so dass ein Abschmelzen sich über Jahrhunderte hinzöge, allerdings bedeutet die Reaktionsträgheit auch, dass der Schmelzprozess kaum noch gestoppt werden kann, wenn er einmal in Gang gesetzt wurde. Im Falle Grönlands ist diese kritische Schwelle möglicherweise gar nicht mehr weit entfernt. Der IPCC schätzt, dass das grönländische Eis abzuschmelzen beginnt, wenn die Temperatur über Mittelwerte hinausgeht, die zwischen 1,9 und 4,6 Grad über denen von 1750 liegen. Da davon bislang schon 0,74 Grad erreicht wurden, ist der untere Referenzwert nicht mehr weit entfernt.