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Europa bekommt Probleme

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 23.08.2007 14:29

Der UN-Expertenrat für den Klimawandel betrachtet bei seinen Berichten die Gesamtentwicklung auf der Erde. Doch da der IPCC-Bericht im Grunde das Werk der gesamten Zunft ist, wird er ergänzt durch regionale Modellrechnungen, die die globalen Entwicklungen auf kontinentalen oder sogar einzelstaatlichen Maßstab herunterbrechen. Europa wird, so zeigen diese regionalen Modelle, zu einem Brennpunkt des Geschehens

Die europäischen Alpen werden ihre Gletscherhauben zum allergrößten Teil verlieren. Soviel scheint schon festzustehen. Doch das Abschmelzen der Alpengletscher ist nicht das einzige, was sich in Europa ändert. Die Wüste wird vermutlich auf den Kontinent übergreifen. Schon jetzt sind rund 27 Prozent von Italien und 31 Prozent des spanischen Territoriums von der Wüstenbildung bedroht, Hauptfaktor ist dabei die Trockenheit. In fast einem Drittel der 48 spanischen Provinzen ist der Ackerbodens zu mehr als der Hälfte bedroht. Die Provinzen Alicante und Las Palmas werden sogar als zu 100 Prozent geschädigt angesehen. In Italien trifft wachsende Wasserknappheit vor allem den Süden, während man in der Toskana mit Bodenversalzung kämpft. Martin Claußen, Chef des Max-Planck-Instituts für Meteorologie in Hamburg prophezeit der Region in den kommenden Jahrzehnten eine wesentliche Verschärfung: "Alle Modelle sagen voraus, dass Südeuropa und der Mittelmeerraum bei einem verstärkten Treibhausklima trockener werden."

Auch für den Norden des Kontinents deuten sich dramatische Veränderungen an. Im Winter wird es mehr Niederschläge geben, dafür werden die Sommer trockener. Christoph Schär von der ETH Zürich: "Die ganze Situation ist eine Zunahme des Wasserkreislaufs mit einer Konzentration auf den Winter und einer Tendenz zu vermehrter Verdunstung im Sommer." In den Modellen sieht es so aus, als ob man künftig in weiten Teilen Europas ein mediterranes Niederschlagsregime bekommen wird - das heißt, trockene Sommer und regnerische, milde Winter. Diesen Klimatyp könnten wir dann vielleicht bis hinauf ins Baltikum sehen. Das wären große Veränderungen. Die Schwankungen bei Temperatur und Niederschlag werden zunehmen. Überdies werden die Unterschiede zwischen den Jahren immer größer. Schär: "Das Sommerklima wird generell wechselhafter, auf einen feuchten Sommer kann wieder ein sehr heißer Sommer folgen, das ist etwas, womit wir vor allem gegen Ende des Jahrhunderts rechnen müssen." Die Extreme der letzten Jahre könnten dann durchaus Alltag sein.

Das Problem: Solche Schwankungen machen die Anpassung der Ökosysteme an die neuen Bedingungen extrem schwierig. Und auch die landwirtschaftliche Produktivität Europas wird stark betroffen sein: Ein Landwirt kann sich dann nicht mehr auf das Klima verlassen, wenn er entscheidet, was er im kommenden Jahr anbauen will. Missernten dürften sich häufen. Bis hinein nach Russland dürfte das so gehen. Verschont bliebe nur Skandinavien, weil hier genügend Wasser im Boden gespeichert werden kann, um die Effekte zu mildern. Im Mittelmeerraum dagegen wird es ohnehin so trocken, dass sich die Landwirte völlig umstellen müssen.