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Entfernter Vetter

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 23.08.2007 14:33

Es war eine der wissenschaftlichen Sensationen des Jahres 2003: Auf der indonesischen Insel Flores hatten australische und indonesische Paläontologen menschliche Überreste entdeckt, die sie für eine neue Menschenart hielten. Der so genannte Homo floresiensis, besser bekannt als Hobbit, trat damit neben den noch lebenden modernen Menschen und den vor rund 28.000 Jahren ausgestorbenen Neandertaler als dritte Spielart des Menschen aus den vergangenen 30.000 Jahren.

Es handelte sich um eine besonders kleine Menschenform, die bisher nur auf dieser Insel entdeckt wurde und möglicherweise bis vor kurzer Zeit dort noch vorkam. Die Fossilien waren jedenfalls erst 18.000 Jahre alt - damit hat es der Hobbit länger neben dem modernen Menschen ausgehalten als der Neandertaler. Möglicherweise wurde es durch die isolierte Insellage begünstigt, der die Forscher auch die geringe Größe des Fossils zuschreiben. Verringerte Größe als Folge eines Inseldaseins ist im Tierreich oft anzutreffen. Homo floresiensis wäre eben der dazu passende Mensch.

Doch diese Sicht der Dinge blieb nicht unwidersprochen und ist auch heute noch nicht allgemein akzeptiert. Die Kritiker behaupteten beim Fund des ersten Fossils, die angeblich dritte Spielart des Menschen sei nicht mehr als ein sehr schmächtiger moderner Mensch mit krankhaft verkleinertem Schädel. Solche Krankheitsbilder gibt es zwar, allerdings wurden inzwischen die Überreste von weiteren Individuen gefunden, die alle die gleiche kleine Hirnschale aufweisen. Es wäre dann zumindest eine erstaunliche Anhäufung einer heutzutage ziemlich seltenen erblichen Deformation.

Hobbit und moderner Mensch, hier Peter Brown, einer der Entdecker, Auge in Auge. Foto: Nature

Mit 417 Kubikzentimeter wäre das Hirn nur etwa ein Drittel so groß wie das eines modernen Menschen und sogar kleiner als das der berühmten "Lucy", eines drei Millionen Jahre alten Vormenschen aus Äthiopien. "Gehirnvolumen ist allerdings für hochentwickeltes Verhalten nicht unbedingt nötig", meint die US-Anthropologin Dean Falk von der Universität Florida, "es kommt auf seine interne Verdrahtung an." Und die ist nach allem was man noch erkennen kann, in mancher Hinsicht mit unserem vergleichbar. Insbesondere die Areale, die für vorausschauende Planung zuständig sind, sind ausgeprägt.

Nach Ansicht seiner Entdecker ist er ein Nachfahre des Homo erectus, einer Frühform des Menschen, die vor rund 1,8 Millionen Jahren in Afrika entstand und den Kontinent zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit verließ. Homo erectus kam nach Europa aber auch bis nach Südostasien, wo sich auf der Insel Flores sein zwergenhafter Nachfahre entwickelte. Mit den späteren Wanderungen, die fortgeschrittenere Menschenformen wie den Homo heidelbergensis oder den modernen Menschen über die Kontinente verbreiteten, hatte der Hobbit nichts mehr zu tun.