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Ausschlachten bis auf die Hülle

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 23.08.2007 14:33

Die Antarktis ist der Forschung vorbehalten und die Eingriffe des Menschen sollen so gering wie möglich sein. Deshalb müssen die Forschungsstationen strengste Umweltauflagen beachten. Insbesondere gilt dies für den Abbau nicht mehr benötigter Installationen. Für die umweltgerechte Entsorgung der Neumayer II-Station wird Deutschland rund 2,6 Millionen Euro aufwenden.

Die strengen Umweltauflagen, die für die Antarktis gelten, verpflichten die Stationsbetreiber zu geringstmöglichen Eingriffen in die Umwelt. Abwasser und Müll werden daher weitestgehend aufgefangen und gereinigt oder abtransportiert. Bei der Energieversorgung kann man nicht auf Dieselgeneratoren verzichten, doch die Nutzung der Windenergie wird so weit wie möglich ausgebaut. Eine ökologische Aufgabe der Sonderklasse ist allerdings die Demontage einer alten Station, die nicht mehr gebraucht wird. Im Fall der beiden deutschen Neumayer-Stationen wird das durch ihre Lage tief unter der Eisoberfläche kompliziert. Sie können nämlich nicht ausgegraben und abtransportiert werden. Wenn man zwölf beziehungsweise mehr als 20 Meter Eis durchdringen muss, bedeutet das einen wesentlich größeren Eingriff in die Natur, als wenn man die Stahlhüllen einfach im Eis lässt.

Von der noch betriebenen Station Neumayer II wird so viel Material wie möglich für den Neubau wiederverwendet. Der Rest wird ausgebaut und abtransportiert, so dass nur die nackte Stahlhülle übrig bleibt. Sie wird wie die erste Station versiegelt und immer tiefer im Eis versinken. Da das Ekström-Schelfeis nur mit rund 200 Metern im Jahr fließt, driften alle Stationen langsam in Richtung Meer und werden irgendwann einmal mit dem abbrechenden Eis in den Ozean kippen. Die älteste Station hat seit ihrem Bau 1981 rund 4,5 Kilometer zurückgelegt und ist noch knappe zehn Kilometer von der Schelfeiskante entfernt. Wenn sie dort ankommt, ist sie nicht mehr als eine komplett zerquetschte Blechbüchse. Diese wird mit dem sie umgebenden Eis in den Südozean hinausdriften und irgendwann einmal auf den Ozeanboden sinken.