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Aufwändige Beobachtung

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 23.08.2007 14:33

Die Meeresforschung leidet darunter, dass sie in der Regel nur wenig mehr als Momentaufnahmen liefern kann. Wirkliche Langzeitbeobachtungen sind extrem teuer, weil das Beobachtungsgebiet in der Regel ziemlich entlegen und unter mehreren hundert Metern Wasser liegt. Langzeitbeobachtungen sind daher regelrechte Hightech-Materialschlachten, die gewaltige Mittel verschlingen.

Dennoch versuchen Forschungsinstitute aus den USA und Kanada ein solches Langzeitobservatorium an der nordamerikanischen Pazifikküste auf der Juan-de-Fuca-Platte zu installieren. Geplant ist ein Ring von untermeerischen Plattformen, die über Glasfaserkabel miteinander und den Zentralen in den USA und Kanada verbunden sind. Die Stationen sollen die gesamte rund 500 Kilometer lange und 200 Kilometer breite Platte umfassen und zahlreiche Sensoren besitzen, darunter Seismometer, Echolot und Sensoren zur Messung der physikalischen Eigenschaften des Meerwassers. Sogar U-Boote und andere Hightech-Geräte wollen die Forscher für das Observatorium einsetzen. Entsprechend teuer ist das Unterfangen. Man rechnet mit Kosten von mindestens 200 Millionen US-Dollar.

Meeresbiologen finden hier einerseits auf dem offenen Meer ein weites Betätigungsfeld, denn Wale, Robben und zahllose Fischschwärme ziehen die Pazifikküste entlang. Andererseits gibt es auch am Boden eine Vielzahl von Ökosystemen, die es sich zu beobachten lohnt. Sogar unter der Oberfläche des Meeresbodens existieren viele Lebensgemeinschaften, von denen die Wissenschaft noch nichts weiß. Für die Geologen ist die Gegend aber mindestens ebenso interessant. Von der Juan-de-Fuca-Platte, die hier unter die nordamerikanische Platte taucht, befürchten Seismologen Erdbeben, die denen entlang der San-Andreas-Verwerfung an Stärke kaum nachstehen. Und die Gegend um die Großstädte Vancouver und Seattle ist in etwa genauso verwundbar wie die Metropolen Los Angeles oder San Francisco weiter im Süden. Ein permanentes seismisches Netzwerk am Meeresgrund könnte das bereits existierende landgestützte seismische Meßnetz wirkungsvoll ergänzen.