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Geologische Weltkarte soll kommen

erstellt von Holger Kroker zuletzt verändert: 30.08.2007 16:17

1569 brachte der flämische Kartograph Gerhard Mercator den ersten Weltatlas heraus, der sich bemühte, die Kontinente in Maßstab und Lage zueinander richtig abzubilden. Seitdem ist das kartographische Abbild der Welt immer genauer geworden. Vor allem aber ist der Blick auf die Oberfläche unseres Planeten eine absolute Selbstverständlichkeit: Atlanten, Globen und als vorläufiger Gipfel die computer- und internetgestützten Angebote, bei denen man unseren Planeten beliebig umkreisen und wie ein Raubvogel auf sein Ziel herabstoßen kann. All das lässt vergessen, dass solche Überblickskarten keineswegs selbstverständlich sind. Sobald es unter die Erdoberfläche geht, hört es mit der Globalisierung nämlich auf. Eine geologische Weltkarte hat die Geologen-Zunft erst jetzt, über 400 Jahre nach Mercator in Angriff genommen.

"Geologie kennt keine Ländergrenzen, also brauchen wir auch eine geologische Weltkarte", fordert Kristine Asch, Geologin bei der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover. Im englischen Seebad Brighton ist der Startschuss für das Projekt "one geology", eine geologische Weltkarte im Maßstab eins zu einer Million, gegeben worden. "Wir wollen die geologischen Informationen, die in jedem Land der Welt existieren, erschließen und weltweit verfügbar machen", ergänzt Ian Jackson, Informationsdirektor beim Britischen Geologischen Dienst und Initiator des "one geology"-Projektes.

In Brighton versammelten sich 81 Geologen aus 43 Ländern, um eine geologische Weltkarte in Angriff zu nehmen. Im Bild die Kerngruppe mit Initiator Ian Jackson (3. v.r.) und Kristine Asch von der BGR (5. v.r.). Foto: BGS

Ein Vorhaben das eigentlich schon längst hätte angegangen werden sollen. Schließlich offenbart erst der Blick in den Untergrund, wie es sich beispielsweise mit den Grundwasservorkommen verhält, wie sich Verschmutzungen ausbreiten können oder wo sich Bodenschätze befinden. "Geologische Daten sind entscheidende Schlüsselinformationen, um etwa eine vernünftige Energieversorgung zu sichern, Naturkatastrophen wie Erdbeben oder Tsunamis zu begegnen, oder mit der Umweltverschmutzung oder dem Klimawandel klarzukommen", meint Asch, die bei der BGR für die geologischen Karten zuständig ist.

Die Informationen liegen natürlich bereits vor. "Jedes Land hat seine Geologischen Dienste und jeder hat seine geologischen Karten", erklärt Jackson. Doch was weder für Naturkatastrophen oder Verschmutzungen noch für Gesteinsformationen oder Grundwasserleiter gilt, das bindet die Geologen: Sie müssen an den Landesgrenzen Halt machen. Und so kommt es regelmäßig zu der paradoxen Situation, dass die geologischen Karten zwar topographisch von den Ländergrenzen aneinanderpassen, die darunter liegenden Formationen jedoch nicht übereinstimmen. In Bundesstaaten wie Deutschland gibt es dieses Problem sogar zwischen den Bundesländern. "Sie brauchen bei geologischen Karten die Staatsgrenzen nicht einzeichnen, die sieht man schon, wenn man die Karten aneinanderlegt", so Jackson.

Der Grund ist klar: Geologie kann nicht direkt die Gesteine im Untergrund sehen, sondern nimmt durch Bohrungen Stichproben und erschließt sich den Rest durch Interpretation. Und diese Interpretation ist von Land zu Land unterschiedlich. Um von diesen verschiedenen nationalen Interpretationen zu einer gemeinsamen zu kommen, ist ein langwieriges Unterfangen. Kristine Asch kann davon ein Lied singen. Für die BGR hat sie die Zusammenstellung einer geologischen Karte für Europa koordiniert. 48 Staaten waren daran beteiligt, zwölf Jahre hat es gedauert, aber jetzt steht die geologische Karte Europas vom mittelatlantischen Rücken bis zum Ural im Maßstab eins zu fünf Millionen, und es gibt keine Unstimmigkeiten an den nationalen Grenzen mehr.

Digitalisierung bedeutet Modernisierungsschub

So ehrgeizig ist "one geology" allerdings nicht. Angesichts der 192 Nationalstaaten auf der Welt peilen die Initiatoren eine harmonisierte geologische Weltkarte erst gar nicht an. Sie sind stattdessen schon mit einem Puzzle zufrieden, bei dem jeder Staat sein Puzzleteil beisteuert, ohne dass es mit den Teilen seiner Nachbarn abgestimmt wird. Schon dieses Vorhaben ist ehrgeizig genug, denn dafür müssen die Karten in ein einheitliches digitales Format gebracht werden, damit sie elektronisch präsentiert werden können. Doch gerade davon versprechen sich die Initiatoren des Projektes einen beträchtlichen Modernisierungsschub. Geplant ist, dass die in Sachen Digitalisierung und Computerunterstützung führenden Dienste der Industriestaaten ihre Kollegen intensiv dabei unterstützen, ihre Daten in die Computersprache GeoSciML zu konvertieren, damit diese dann in webgestützten Diensten gelesen werden können.

Ob allerdings alle Daten uneingeschränkt zur Verfügung stehen werden, ist fraglich. Denn selbst die Informationen im Maßstab eins zu einer Million ist in manchen Staaten buchstäblich Gold wert. "In Brasilien beispielsweise hat eine solche Karte wirtschaftliche Bedeutung, weil sie Bergbauunternehmen wichtige Informationen gibt", so Jackson. Frei verfügbar wäre sie damit quasi eine extrem preiswerte Eintrittskarte. Daher wird es verschiedene Zugangsbeschränkungen geben, doch "am Ende", so wünscht es sich Jackson "soll so etwas wie Google Earth dabei herauskommen". Zum Internationalen Jahr des Planeten Erde, das für 2008 angesetzt ist, soll bereits eine erste, wenn auch lückenhafte Version von dieser interaktiven geologischen Weltkarte verfügbar sein.

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