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Wegweisende Kooperation

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 31.08.2007 10:54

Drei Weltdatenzentren gibt es in der Bundesrepublik: das für Klima in Hamburg, das für Marine Umweltdaten Mare in Bremen und das für Atmosphäre in Oberpfaffenhofen. Ein viertes, das Datenzentrum für die Lithosphäre, die oberste Schicht im Erdaufbau, beim Geoforschungszentrum Potsdam soll demnächst dazustoßen. Diese vier Zentren wollen innerhalb des Systems der Weltdatenzentren enger kooperieren und dem Nutzer im Internet einen einheitlichen Katalog ihrer Datenbestände zur Verfügung stellen.

Dies ist ein erster Schritt, um eine Forderung zu erfüllen, die an das gesamte Netz der Weltdatenzentren gestellt wird und die auch das geplante GEOSS , das Geosystem der Systeme, anstrebt: die schnelle Erreichbarkeit der Daten unter einer Oberfläche, unabhängig vom tatsächlichen Speicherort. "Es geht nicht nur darum, Meta-Daten, also die beschreibenden Katalogdaten, zusammenzuführen und verteilbar zu machen", erklärt Mare-Geschäftsführer Dr. Michael Diepenbroek, "sondern auch die echten Daten, die dahinterliegen."

Die Zusammenarbeit der deutschen Datenzentren bietet sich dabei an, schließlich betrachten zumindest die drei bereits als Weltdatenzentren anerkannten Einrichtungen ein und dasselbe System, das Klima nämlich, aus unterschiedlichen Blickwinkeln. "Wir sind sehr stark an einer Kooperation interessiert", meint Dr. Michael Lautenschlager, Geschäftsführer des WDC Klima in Hamburg, "denn von unseren Klimamodelldaten her möchten wir natürlich auch auf die Beobachtungsdaten zugreifen." Denn so können die Voraussagen der Klimamodelle mit der gemessenen Realität verglichen werden - und diese Messdaten werden in den Datenzentren in Bremen und Oberpfaffenhofen verwaltet.

An eine wirkliche Zusammenführung der Datenbanken an einem Ort ist dabei nicht gedacht. Das Projekt beschränkt sich auf die rein auf das Internet gestützte Vernetzung der vier Bestände. "Es ist technisch einfach nicht mehr möglich, die Riesendatenmengen zusammenzuführen", so Lautenschlager, "außerdem kann ein Zentrum allein nicht alle Daten betreuen, eine Qualitätskontrolle und Beratung liefern. Das geht einfach nicht." Doch ist der gemeinsame Netzauftritt für den Wissenschaftler-Kunden von unschätzbarem Vorteil. Statt auf der Datensuche alle Stellen individuell abzuklappern, kann er sie von einer Eingabemaske aus parallel durchsuchen. "Das soll im Endeffekt wie bei Google werden", so Diepenbroek, "Sie geben einfach irgendetwas an, was sie denken, was sie haben möchten, und dann bekommen sie eine Trefferliste."

Doch natürlich ist es nicht so einfach, wie sich das zunächst anhört, das weiß auch Diepenbroek. Denn auch wenn die Datenbestände sich mit demselben Gegenstand beschäftigen, so heißt das noch lange nicht, dass sie vergleichbar sind. Die Vielfalt der Wissenschaft hat nämlich zu einer Vielfalt der Datenformate und -inhalte geführt. Der Meeresbiologe kann da eigene Erfahrungen mit einem multinationalen Projekt berichten, in dem unter anderem auch die Biomasse im Ozean bestimmt werden sollte. "Da waren einige, die alles, was sie aus dem Wasser zogen, nass wogen", so der Mare-Leiter, "andere maßen nur die Trockengewichte, dritte wieder verbrannten die Fänge und maßen nur den Kohlenstoffanteil und vierte sortierten die Fänge vor und erfassten nur einen bestimmten Teil." Die festgehaltenen Zahlen waren natürlich überhaupt nicht vergleichbar.

"Von der ganzen Biologie können Sie pauschal sagen, dass sie mindestens noch zehn bis 20 Jahre weit davon entfernt ist, standardisierte Datensätze zu produzieren, die man im globalen Sinne benutzen könnte", so der Experte. Ähnliches gilt auch für viele geowissenschaftliche Disziplinen. Nur bei den Wissenschaften, die schon traditionell große Datenmengen produzieren und diese auch weltweit austauschen, ist die Standardisierung vorangeschritten. "Wir haben uns innerhalb der Meteorologie und Klimaforschung auf einheitliche Formate geeinigt", so Lautenschlager, "aber bei den Satellitendaten gibt es natürlich etwas anderes, und das passt dann nicht zusammen." Eine Standardisierung über die Wissenschaften hinweg gibt es nicht, wird es wohl auch nie geben und ist vielleicht auch gar nicht wünschenswert.

Die Kooperation zwischen den deutschen Datenzentren könnte ein Modell sein für die zukünftige Gestalt des WDC-Verbundes, insbesondere, wenn man ihn als Teil des globalen Geosystems der Systeme sieht, das eine Gruppe aus 69 Nationalstaaten, der EU-Kommission und zahlreichen UN-Organisationen anschieben will. ""Dieses Projekt könnte eine Brücke zu diesem System der Systeme darstellen", erklärt Hartmut Grassl. Denn eine grenzüberschreitende Kooperation der Datenzentren aus verwandten Disziplinen könnte ebenso gestaltet sein, wie die Zusammenarbeit der deutschen Zentren. Denkbar wären dann auch viele verschiedene Portale, die auf einzelne Disziplinen zugeschnitten sind und nur auf entsprechende Teilbereiche der Datenzentren zugreifen. "Man blickt dann sozusagen von verschiedenen Blickwinkeln immer auf die gleiche Datenbasis, und das jeweilige Portal macht ausgewählte Datenbereiche sichtbar", so Lautenschlager. Schließlich will nicht jeder Anwender zum Beispiel den gesamten 290-Terabyte-Bestand des Weltdatenzentrums Klima durchsuchen.