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Gelegenheit Geld zu verdienen

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 04.03.2008 14:19

Dan Whaley, 36, ist Gründer und Chief Executive Officer von Climos in San Francisco. Die Firma will in, nach eigenen Worten, enger Kooperation mit der Wissenschaft die Eisendüngung des Ozeans als kommerzielles Geschäft entwickeln. Whaley kommt aus der Internetbranche, hat allerdings als Sohn der einflussreichen US-Ozeanographin Dr. Margaret Leinen seit frühester Jugend Verbindungen zur Meeresforschung. Für Planeterde führte Holger Kroker ein Interview mit Dan Whaley in San Francisco.

Planeterde: Herr Whaley, wie sehen Ihre Pläne aus?

Dan Whaley, kleinWhaley: Bisher haben wir selbst noch keine Forschungsfahrt durchgeführt. Wir suchen momentan nach Geldgebern und sind mit den Behörden in Kontakt, um die entsprechenden Genehmigungen für ein solches Vorhaben zu erlangen.

Planeterde: Was wird Ihre Forschungsfahrt von den früheren Experimenten unterscheiden?

Whaley: Wir wollen das Experimentierfeld auf ein Gebiet von 100 mal 100 Kilometer vergrößern, vielleicht sogar auf 200 mal 200. Das größte Experiment Eifex hatte nur eine Ausdehnung von 50 mal 50 Kilometer. Wir werden dann mit mehr Instrumenten versuchen, ein besseres Bild vom tatsächlichen Kohlenstofffluss zu bekommen. Und drittens werden wir das ganze in einem kommerziellen Rahmen durchführen. Neben unabhängigen Wissenschaftlern, die die wissenschaftlichen Ergebnisse überprüfen, wird es auch noch einen Gutachter geben, vermutlich Det Norske Veritas aus Norwegen. Dieser Gutachter soll prüfen, ob wir den durch die Algenblüte gebundenen Kohlenstoff im Emissionshandel verkaufen können, um so nachfolgende Fahrten finanzieren zu können. Das setzt natürlich voraus, dass die Wissenschaftler nachweisen können, dass die Algen dem Ozean Kohlendioxid entzogen haben, und dass dieser gebundene Kohlenstoff für lange Zeit gespeichert bleibt.

Planeterde: Sie wollen also mit diesen Experimenten Geld verdienen?

Whaley:  Wenn das Gutachten zeigt, dass Eisendüngung für den Emissionshandel taugt, dann werden wir entsprechende Mengen verkaufen. Meiner Meinung nach sollten die Kosten wieder eingespielt werden, wenn durch Eisendüngungsexperimente Kohlenstoff tatsächlich sequestriert wird. Das ist in meinen Augen ein Schlüsselelement, wenn wir zur nächsten Generation dieser Experimente übergehen. Denn die sind groß und teuer, und so lange sie nach strengen wissenschaftlichen Prinzipien ablaufen, sollten die Kosten für diese Experimente durch entsprechende Erlöse ausgeglichen werden.

Planeterde: Wie lange sollte denn der Kohlenstoff gespeichert bleiben?

Whaley: Momentan sagt der IPCC, dass 100 Jahre dauerhaft zu nennen sind. Wenn der Markt das auch so sieht, werden wir die Experimente auf eine solche Speicherdauer einstellen. Wenn der Markt 200 Jahre vorzieht, werden wir sie entsprechend verändern. Grundsätzlich gilt jedoch: Je länger diese Speicherzeit angesetzt wird, umso weniger Zertifikate werden wir auf dem Markt verkaufen können. Allerdings hat das Eifex-Experiment auch gezeigt, dass die Differenz zwischen 100, 200 oder auch 400 Jahren nicht so groß ist.

Planeterde: Warum ist die Eisendüngung für kommerzielle Unternehmen interessant?

Whaley: Die Frage ist doch, ist Eisendüngung eine sinnvolle Technologie, den Kohlendioxidgehalt der Atmosphäre zu senken. Wir haben das Problem des Klimawandels durch die Treibhausgase. Wie sollen wir das angehen? Wir müssen unsere Emissionen drastisch verringern, das ist klar. Aber wenn wir das Kohlendioxid, das schon in der Atmosphäre ist, direkt herausholen können, sollten wir auch diese Wege verfolgen. Das Anpflanzen von Wäldern ist so ein Weg, aber ich denke, auch der Ozean bietet so einen Weg. Climos verfolgt diesen Weg als kommerzielles Unternehmen, weil sich die Welt für Marktmechanismen entschieden hat, um die Ausgleichsmaßnahmen in großem Stil durchzuführen.

Planeterde: Sehen Sie großes Potential für die Eisendüngung?

Whaley: Die Auswirkungen der Klimaerwärmung werden, so denke ich, drastisch sein, und zurzeit haben wir kein Mittel dagegen. Eisendüngung könnte so ein Instrument sein. Wenn es funktioniert und sicher ist, dann gibt es keinen Grund damit zu warten, es großmaßstäblich einzusetzen. Die Hauptfrage ist aber offensichtlich, in welchem Maßstab können wir es einsetzen. Wann werden beispielsweise mögliche negative Folgen für die Tiefsee die positiven für die Atmosphäre aufwiegen. Das müssen wir mit der bestmöglichen Wissenschaft, die wir zur Verfügung haben, bewerten.

Planeterde: Warum gehen Sie persönlich in dieses Geschäft?

Whaley: Mich reizen große Herausforderungen, und das Kohlendioxid ist zurzeit ein großes Problem. Es ist ein wissenschaftliches, aber eines der gesellschaftlichen Wahrnehmung. Man muss zwischen der Wissenschaft und dem Publikum vermitteln, und das macht mir bislang viel Spaß, es ist eine Herausforderung, macht aber auch Spaß.

Planeterde: Fürchten Sie Konkurrenz?

Whaley: Ich erwarte, dass es Wettbewerb geben wird. Wenn es ein erfolgreiches Geschäftsmodell ist, dann wird es Konkurrenz geben. So läuft das Geschäftsleben eben. Man versucht sich einen Wettbewerbsvorteil aufzubauen, aber auf keinem Markt schläft die Konkurrenz. Das wichtigste für uns ist, erst einmal die Standards zu setzen. Es muss die Wissenschaft sein, die hier ökonomische Gelegenheiten bietet und die den Rahmen bestimmt. Wenn wir das gewährleisten können, dann, denke ich, haben wir unsere Aufgabe erfüllt.

Planeterde: Sie werden ihre Forschungen ohne öffentliches Geld durchführen?

Whaley: Auf der ersten Fahrt werden wir keine öffentlichen Mittel brauchen, wir werden die Kosten durch Firmenkapital decken und uns die Gelder dann durch den Verkauf von CO2-Zertifikaten zurückholen. Wir werden vielleicht auf den ersten ein, zwei oder drei Fahrten Geld zuschießen müssen, aber beim derzeitigen Preis für Zertifikate dürfte es im Grundsatz ein profitables Geschäft werden.

Planeterde: Sie werden am offiziellen Emissionshandel teilnehmen?

Whaley: Falls die Eisendüngung des Ozeans sich als effizient herausstellt, müssen wir die Zertifikate auf dem regulierten Markt verkaufen. Die Eisendüngung muss als sinnvolles Werkzeug für die Verringerung der Kohlendioxidbelastung zertifiziert werden, aber das ist ein langwieriger Prozess. Zurzeit gibt es im Rahmen des Kyoto-Protokolls keinen Mechanismus, diese Art von CO2-Krediten zu verkaufen. Sie gehören nicht in den Bereich der CDM-Mechanismen für umweltverträgliche Entwicklung, sie sind ja nicht mit Entwicklungsländern verknüpft, sondern mit der hohen See. Aber CDM stellt einen rigorosen Bewertungsmaßstab zur Verfügung, an den wir uns anlehnen werden. Aber auch diese Entwicklung dauert drei bis fünf Jahre. Bis dahin werden wir unsere Kredite auf dem freiwilligen Markt anbieten, wo Unternehmen wie Yahoo oder Google ihren CO2-Ausstoß ausgleichen.

Planeterde: Und wie groß, erwarten Sie, wird Ihr Marktanteil werden?

Whaley: Im vergangenen Jahr war dieser freiwillige Markt 100 Millionen Dollar groß. Wir nehmen mal an, dass die Eisendüngung etwa zehn Prozent dieses Marktes decken könnte, auch wenn dieser sich vergrößern wird.