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Von Spiegelwelten und japanischen Samurai

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 03.07.2008 17:12

Neben wissenschaftlichem Interesse hat das Ereignis an der Tunguska auch zunehmend Science-fiction-Liebhaber angezogen. Eine Vielzahl mehr oder weniger abenteuerlicher Erklärungen wurde seit dem Ende des zweiten Weltkriegs gegeben – sie haben vor allem dazu geführt, dass eine ernsthafte wissenschaftliche Diskussion über lange Jahre unterblieb.

TschekoseeIm Jahr 1947 studierte ein Offizier der Roten Armee die Luftbilder, die Leonid Kulik bei seiner letzten Expeditionen im Jahr 1938 gemacht hat. Alexander Kasanzew war schon vorher als Science-fiction-Autor hervorgetreten und 1947 gerade aus Hiroshima zurückgekehrt. Dort hatte er die Folgen der Atombombenexplosion studiert. Kuliks Aufnahmen faszinierten ihn. Die Bäume zeigten nicht nur ein Fallmuster, das ihm charakteristisch erschien, sondern sie waren auch noch verbrannt. Das alles erinnert ihn an Hiroshima. Allerdings konnte eine Atombombe 1908 nicht explodiert sein. Am 30. Juni 1908, so erklärte Kazanzew, ist ein reaktorgetriebenes Raumschiff von der Venus über Tunguska explodiert.

Kazanzews in Form einer Erzählung veröffentlichte Vermutung verhalf dem Tunguska-Ereignis zu einer Karriere im Science-fiction-Bereich. Bald hieß es, im hintersten Sibirien sei nicht ein Raumschiff explodiert, sondern ein gebündelter Lichtstrahl von einer fremden Welt auf die Erdoberfläche getroffen. Andere bemühten die Spiegelwelt, in der alles seitenverkehrt zu unserer Welt existiert. An der Tunguska sollen sich unsere und die Spiegelwelt berührt haben. Die Schockwelle bei der Explosion entwurzelte auch in der normalen Welt die Bäume. Das Problem bei einem Kontakt zwischen Spiegel- und Normalwelt allerdings ist, dass schon die geringste Kollision gewaltige Energie freisetzt. Warum es die Spiegelmaterie es da durch die gesamte Erdatmosphäre bis kurz über die sibirische Oberfläche geschafft hat, bleibt rätselhaft.

Eine andere Erklärung wäre ein winziges Schwarzes Loch, etwa von der Größe eines Elementarteilchens und dem Gewicht eines Gebirges. Schwarze Löcher sind unersättlich, ziehen alles in sich hinein, Sterne, Planeten, kosmischen Staub. Der Lehrmeinung nach sind Schwarze Löcher gewaltige Gebilde im Weltraum, die Millionen mal schwerer als unsere Sonne sind. Aber theoretisch können sie auch winzig klein sein. Was wäre, wenn am Morgen des 30. Juni 1908 ein solches winziges Schwarzes Loch Tunguska gestreift hätte? Allerdings wäre es nach dem Ereignis genauso spurlos wieder verschwunden, was in Fachkreisen als relativ unglaubwürdig erscheint.

Offensichtlich unrichtig war die Vermutung einer japanischen Gruppe, die sich am 29. Juni 1990 von ihren russischen Gastgebern erbaten, sie zum Epizentrum des Ereignisses von Tunguska zu führen. Sie wollten die Nacht zum 30. Juni dort allein verbringen und die Ankunft ihrer Samurai-Ahnen in einem gewaltigen Kugelblitz erwarten. Denn genau das sollte 1908 an der Tunguska geschehen sein. Am anderen Morgen kamen die Russen zum Ort des Geschehens und fanden eine enttäuschte Gruppe. Die Ahnen waren diesmal nicht gekommen.