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Zwiebel in der Umlaufbahn

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 14.08.2008 08:49

Obwohl von seiner Rolle im Sonnensystem her nur ein Mond, kann Titan es mit ausgewachsenen Planeten durchaus aufnehmen. Sein Durchmesser ist nur wenig kleiner als der von Merkur, und seine Oberfläche zeigt Merkmale, die auffällig der Erde ähneln. Unter allen Himmelskörpern des Sonnensystems ist der Saturnmond daher einer der spannendsten.

Polarwirbel auf dem TitanDer Blick, den Cassini immer wieder durch die dicken Schleier der Titanatmosphäre wirft, enthüllen ein überraschend abwechslungsreiches Bild. Berge und Flusstäler, den einen oder anderen See in höheren Breiten, dafür ein ausgedehnter Dünengürtel um den Äquator herum. „Man findet in den ganzen mediterranen oder äquatorialen Gebieten riesige Mengen von Dünen. Es ist kein Sand wie bei uns aus Quarz, sondern das ist ein Sand wahrscheinlich aus Wassereis-Partikeln und aus organischen Partikeln, das heißt also zusammengeklebten Kohlenwasserstoffen, die da in riesigen Mengen sozusagen um den Äquator herumgeschaufelt werden“, so Ralf Jaumann vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. 

Titan-LandschaftRund 20 Prozent der Titanoberfläche sind von diesen riesigen Dünen bedeckt, die sich über Hunderte von Kilometern erstrecken und viele Meter hoch werden können. „Sie sagen uns“, so Dennis Matson vom Jet Propulsion Laboratory der Nasa, „dass es auf der Oberfläche starke Winde geben muss, die neben der Flüssigkeit der zweite Erosionsfaktor sind.“ Wie auf der Erde können diese Winde allerdings nicht entstehen, denn dafür fehlen in Titans Atmosphäre die zum Teil drastischen Temperaturunterschiede, die auf unserem Planeten Winde hervorrufen.  „Man hat vorgeschlagen, dass die Winde durch die Gravitationskraft von Saturn hervorgerufen werden, wie die Tidenhübe, die der Mond auf der Erde hervorruft“, so Ralph Lorenz von der Johns Hopkins Universität. Diese Art Wind würde immer aus der selben Richtung blasen und könnte im Laufe der Zeit tatsächlich die gewaltigen Dünen auftürmen.

Huygens Blick auf Titan, großDer genaue Blick auf die Kruste hat den Forschern allerdings noch eine Besonderheit des Titan enthüllt: Seine Kruste ist abgekoppelt vom Mondinneren. „Man hat nach einem sehr sorgfältigen Vergleich der Radaraufnahmen  gemerkt, dass sich die Rotationsachse der Oberfläche um ein Drittel Grad verschoben hatte“, so Matson. Einzige bisher plausible Erklärung ist eben, dass Titan wie eine Zwiebel aus verschiedenen Schichten aufgebaut ist und dass eine dieser Schichten flüssig ist, so dass sich die darüber liegenden Schalen in Grenzen unabhängig vom Rest des Mondes bewegen. Durch die Tidenwinde kann dann die Bewegung der Kruste verändert werden. „Das könnte prinzipiell auch bei einem kompakten Himmelskörper möglich sein“, so Ralph Lorenz, „aber dafür bräuchte man auf dem Titan fünfmal stärkere Winde als wir bisher gesehen haben.“ Auf der Erde gibt es das Phänomen übrigens auch, hier verändern die Winde die Rotationsgeschwindigkeit allerdings nur um eine Millisekunde im Jahr.

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