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Teerfalle oder Schlachtgrube

erstellt von Holger Kroker zuletzt verändert: 25.10.2010 15:20

Die Asphaltgruben von La Brea sind nicht die einzigen derartigen Fundstätten auf dem amerikanischen Doppelkontinent. Neben bereits bekannten Fundstätten in Peru und Venezuela treten seit neuestem die Gruben von Santa Elena, einer Halbinsel im Süden Ecuadors.

Emily Lindsey gräbt ausEmily Lindsey, Doktorandin an der Universität von Kalifornien in Berkeley gräbt dort zusammen mit ecuadorianischen Archäologen eine Fundstätte aus. "Untersuchungen im Süden Ecuadors und im Norden Perus haben ergeben,  dass diese Gegend zum Ende des Pleistozäns sehr viel feuchter war als heute. Es gab viel mehr Wälder, und es gab vielleicht rund ums Jahr Wasser", erklärt die Biologin.

Knochenfunde in Ecuador Anders als in Rancho La Brea graben die Wissenschaftler in Ecuador nur Pflanzenfresser aus: vor allem Riesenfaultiere, aber auch Paläo-Lamas und Mastodons. Raubtiere fehlen. "Unsere Grabung scheint keine Falle gewesen zu sein. Entweder wurden hier tote Tiere von Fluss-Sedimente zugedeckt, die später von Asphalt durchtränkt wurden. Oder wir haben es mit einer Stelle zu tun, an der Menschen die Tiere auseinandergenommen und die Knochen dann in eine Asphaltquelle geworfen haben wie in einen Abfalleimer. Dafür spricht, dass 95 Prozent der Knochen zu Riesenfaultieren gehören." Auch Schnittmarken, die man auf den Knochen fand, sprechen für diese Interpretation. Menschliche Überreste hat man allerdings bislang nicht gefunden.

Ecuadorianische AsphaltfundstätteDennoch könnte die Halbinsel Santa Elena Hinweise auf die Beziehungen zwischen Menschen und der amerikanischen Megafauna liefern, ganz anders als La Brea, wo sich bislang nur eine 9000 Jahre alte Mumie fand, die wohl zufällig in die Sümpfe geriet. Denn noch haben die Wissenschaftler erst einen winzigen Teil der Fundstätte ausgegraben und dennoch große Mengen von Knochen gefunden, und denen sich wiederum viele mit Schnittmarken befinden. Emily Lindsey: "In Nord- und Südamerika lief das Aussterben gleichzeitig mit dem Eintreffen der Menschen ab - und mit einer großen Klimaumstellung. Warum verschwanden sie? War es der Klimawandel, Überjagung oder die Umweltzerstörung durch den Menschen damals." Gut möglich dass ein Teil des Rätsels, wie tief der Mensch in den Untergang der amerikanischen Großtiere verstrickt ist, auf der entlegenen ecuadorianischen Halbinsel beantwortet werden kann.