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Treibhauseffekt lässt Verwitterung ansteigen

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 19.09.2007 13:02

Theoretisch kurbelt eine steigende Umgebungstemperatur chemische Prozesse an. Das sollte auch für die Verwitterung, die Zerlegung von Gestein in seine Bestandteile gelten. Auf Island haben Forscher den Zusammenhang zwischen steigender Globalmitteltemperatur und Verwitterung anhand von langjährigen Messreihen überprüfen können.

Von Natur aus hat die Erde einen Thermostaten. Steigt der Kohlendioxidgehalt in der Luft, wird es durch den stärker werdenden Treibhauseffekt wärmer. „In einer wärmeren Umgebung wird aber die Verwitterung angekurbelt“, erklärt James Kirchner, Geologieprofessor an der kalifornischen Universität in Berkeley. Die Verwitterung verbraucht aber reichlich Kohlendioxid aus der Luft und kühlt dadurch das Klima. „Der menschengemachte Klimawandel während der vergangenen 40 Jahre brachte einen rasanten Anstieg von Kohlendioxidgehalt und Temperatur“, erklärt Professor Sigurdur Reynir Gislason vom Geologischen Institut der Universität Reykjavik, „deshalb konnten wir nun prüfen, ob die Verwitterung reagiert und angekurbelt worden ist.“ Denn an Gislasons Institut hat man seit den 60er Jahren ein Flusssystem in Nordost-Island überwacht.

„Anhand dieser Daten haben wir einen bemerkenswerten Anstieg der Verwitterungsrate von bis zu 500 Prozent gefunden“, so Gislason, „das beweist, dass der Temperaturanstieg die Verwitterung ankurbelt.“ Vor allem die physikalische Verwitterung schnellte in die Höhe, also die mechanische Zerstörung der Steine. Sie kletterte vollkommen unerwartet um bis zu 500 Prozent. Sie bereitet den Weg für die chemische Verwitterung – und die stieg bislang bereits um bis zu 50 Prozent an. Gislason: „Manche Elemente wäscht die chemische Verwitterung leicht aus dem Gestein, aber Eisen beispielsweise ist weniger gut löslich. Die höheren Temperaturen haben im Testgebiet die Verwitterung angekurbelt – und wir messen im Wasser tatsächlich sehr viel mehr gelöstes Eisen als noch vor 40 Jahren.“

An Eisen aber herrscht im Meer oft Mangel, so dass Algen sich nicht so gut vermehren können, wie es die sonstige Nährstoffversorgung zuließe. „Die sprunghaft steigende Verwitterungsrate auf dem Festland könnte also die Nährstoffversorgung und damit das Algenwachstum in den Meeren beeinflussen. Das meiste bleibt bestimmt in den Küstenregionen hängen, nur ein Teil könnte die offene See erreichen“, erklärt Gislason. Aber die Klimaanhängigkeit der Verwitterung sorgt dafür, dass dieser Eisenfluss künftig für uns sehr wichtig werden könnte. Mehr Algen im Ozean binden nämlich auch mehr Kohlendioxid. Aber dass die Verwitterung den menschengemachten Treibhauseffekt bewältigt, darauf brauchten wir nicht zu rechnen, betont der Forscher. Sie wird die Kastanien nicht für uns aus dem Feuer holen.

Weil aber Eisen in den Meeren eine große Mangelware ist, waren manche Wissenschaftler auf den Gedanken kamen, den Mangel auf hoher See durch Tanker mit Eisenlösung zu beheben, um so den menschengemachten CO2-Ausstoß zu kompensieren. Doch inzwischen ist klar, dass das zusätzliche Algenwachstum wenn nicht am Eisenmangel, dann am Mangel an anderen Nährstoffen scheitern wird. Außerdem ist die Gefahr groß, die Chemie im Meer noch weiter durcheinander zu bringen, als wir es mit dem Kohlendioxid ohnehin schon tun. Das löst sich nämlich im Wasser auf und ätzt die Kalkschalen vieler Lebewesen an.

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