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Wasser aus dem Höhlennetz - Forschungsministerin Bulmahn besuchte Karlsruher Projekt in Indonesien

erstellt von redaktion zuletzt verändert: 23.08.2007 14:27

Verschmutztes Wasser tötet jeden Tag weltweit 4000 Kinder, da in vielen Ländern verheerender Trinkwassermangel herrscht. Dies machte der Weltwassertag am 22.03.2005 deutlich. Bis zum Jahr 2015 wollen die Vereinten Nationen deshalb den Anteil der Menschen ohne Zugang zu sicherem Trinkwasser halbieren. Auch die Universität Karlsruhe trägt ihren Teil zur Erreichung dieses Ziels bei: In der indonesischen Provinz Yogikarta arbeiten Ingenieure des Instituts für Wasser und Gewässerentwicklung (IWG) an einem Projekt, das Wasservorkommen nutzbar macht, die in Karsthöhlen unter der Erde bisher nur schwer zugänglich sind. Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn besuchte das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert Projekt in der vergangenen Woche vor Ort und würdigte die Leistungen der Wissenschaftler.

Die Menschen im Distrikt Gunung Kidul auf der indonesischen Insel Java leiden an Wassermangel - obwohl sich unter der Erde genügend Wasservorräte ansammeln. Insbesondere in der Trockenperiode versickert jeglicher Niederschlag blitzschnell in dem Karstgestein, das von unterirdischen Höhlen durchzogen ist. Die Wissenschaftler der Universität Karlsruhe wollen in dem interdisziplinären Verbundprojekt unter Leitung von Professor Dr. Franz Nestmann zusammen mit ihren indonesischen Kollegen dem Wassermangel Abhilfe schaffen. Die Idee: Ein unterirdischer Stausee soll das natürliche Gefälle der Höhle ausnutzen und die Energie zum Betrieb von Pumpsystemen liefern, die das Wasser nach oben befördern. "Wir möchten den unterirdischen Fluss bis zu einer Höhe von 10 bis 15 Metern aufstauen. Mittels der verfügbaren Wasserkraft könnte dann auch während der Trockenzeit genügend Wasser gefördert werden, um 80 000 Menschen täglich mit 70 Litern Trinkwasser pro Kopf zu versorgen", erklärt Dr. Peter Oberle vom IWG.

Das BMBF fördert das weltweit einmalige Projekt seit 2001 mit insgesamt 2,3 Millionen Euro. 1,1 Millionen Euro bringt die deutsche Industrie auf, Indonesien leistet ebenfalls einen beachtlichen Beitrag. Buhlmahn zeigte sich beeindruckt von der Innovationskraft: "Dieses Pilotprojekt zeigt, dass Innovationen in der Wasserwirtschaft sowohl den Menschen in den Entwicklungs- und Schwellenländern zugute kommen und gleichzeitig Arbeitsplätze in Deutschland schaffen." An der Umsetzung sind unter anderem die Firmen Herrenknecht AG sowie die KSB AG beteiligt. Herrenknecht hat ein spezielles Vertikalbohrgerät für den Durchbruch eines 100 Meter tiefen Zugangsschachtes entwickelt. Im Dezember vergangenen Jahres war es soweit: Die Schachtbohrung in die Höhle gelang. Mit der KSB AG arbeiten die Wissenschaftler bei der Entwicklung innovativer Pumpen- und Turbinentechnologie zusammen.

Großen Wert legen die Ingenieure auf den Einsatz von Technologien, die den Bedürfnissen von Mensch und Natur in der Region angepasst sind. So werden anstelle von Turbinen sehr robuste Pumpen zur Energiegewinnung eingesetzt, die invers, also im Turbinenbetrieb laufen. Der Grund: "Pumpen sind leichter verfügbar, kostengünstiger und außerdem sehr robust und wartungsfreundlich", erklärt Oberle. Auf diese Weise lasse sich ein Wirkungsgrad zwischen 75 und 80 Prozent erreichen. Um den Betrieb zu optimieren, haben Wissenschaftler des IWG den Einsatz von Pumpen als Turbinen in einer Studie getestet. An einem Versuchsstand prüften sie den Inversbetrieb mit unterschiedlichen Drehzahlen.

Quelle: Universität Karlsruhe (TH)