Meteor-Logbuch 8. August: Premiere für Eddy: in situ Messung an REGAB
In situ Messungen stellen einen Schwerpunkt der Forschung an Bord der METEOR dar. Heute berichtet Fahrtleiterin Antje Boetius über den ersten Tiefseeeinsatz des Eddy-Systems, mit dem über die Sauerstoffzehrungsrate die Aktivität verschiedener Lebensgemeinschaften gemessen werden kann.
Planeterde Blog
Spielt die Artenvielfalt von Tiefseelebewesen eine Rolle für das Klima unseres Planeten? Fragen rund um das Thema Meeresforschung beantworten direkt von Bord der FS Meteor Fahrtleiterin Prof. Dr. Antje Boetius und ihre Crew. In Kooperation mit dem Geoportal planeterde.de führen sie vom 17.07.08 bis zum 24.08.08 einen Science-Blog zur METEOR Expedition M76/3 GUINECO - MARUM Forschung zu Fluid- und Gasaustritten vor Westafrika. Technischer Mittelpunkt der Expedition ist der ferngesteuerte Unterwasserroboter QUEST4000 des MARUM, mit dem ein umfangreiches Beprobungs- und Messprogramm geplant ist. Tauchen Sie mit ihm an Orte ab, die noch kein Mensch je zuvor gesehen hat: entdecken Sie eine faszinierende Meeresfauna und begleiten Sie die Tiefseeforscher bei ihrer Arbeit an den Gas- und Fluidquellen!
Die Fahrt M76/3b ist ein Gemeinschaftsvorhaben des MARUM - Zentrum für Marine Umweltwissenschaften an der Universität Bremen und seinen Partnerinstituten MPI und AWI sowie dem französischen Forschungsinstitut IFREMER und der Universität Paris.
Mehr Informationen über das aktuelle Meteor-Logbuch, zur Übersicht der Blogs und Expedition M76/3B:
8. August 2008 (Autorin: Antje Boetius)
Premiere für Eddy: in
situ Messung an REGAB
Die Autorin,
Antje Boetius, hat sich im BLOG vom 25 Juli 2008 bereits vorgestellt.
Nach einigen
Verzögerungen wegen weiterer Reparaturarbeiten am ROV konnten wir am Abend des
07.08. den Lift mit einer Reihe von in situ Geräten ausbringen in Vorbereitung
für den Tauchgang 222 des ROV QUEST. Ziel des Tauchgang war es, beide
Profiler-Systeme an verschiedenen Standorten auszubringen, den Mikroprofiler
mit Sensoren für Sulfid- und Sauerstofffluss sowie pH und Temperaturgradienten,
und den xy-Profiler mit ähnlicher Sensorenbestückung, um an einem Standort
viele Profile in Wiederholung aufzunehmen, um die kleinräumige Variabilität zu
erfassen (siehe auch BLOG vom 26 Juli). Außerdem wollen wir ein neues Gerät
einsetzen: Das so genannte Eddy System, mit dem man großflächig die benthische
Sauerstoffzehrung als Anzeiger für die Aktivität verschiedener
Lebensgemeinschaften messen und auch einen Aufschluss über CO2 Flüsse aus dem
Meeresboden gewinnen kann. Aufgabe ist es nicht nur die Tiefseefähigkeit dieses
Gerät zum ersten Mal zu testen, sondern auch eine Kalibration der Messungen
mittels der klassischen Methode der Kammerinkubationen zu erhalten.
Bild 1: Probennahme mit den INSINK Modulen am Muschelfeld
Der heutige Tauchgang
sollte uns auch erste Abschätzungen für die in situ Aktivität benthischer
Mikroorganismen an Gasaustritten bringen, mittels dem in situ Inkubationssystem
INSINK wollen wir die Veratmung von Sulfat an den Muschelbetten des REGAB
Pockmark erfassen (Bild 1). In gasigen Lebensräumen ist die in situ Messung
besonders wichtig, denn bei der Bergung gasiger Sedimentproben an Deck dehnt
sich das Gasvolumen durch die Druckentlastung sehr stark aus und Messergebnisse
werden verfälscht. Das können wir mit dem INSINK System vermeiden.
Bild 2: Das Eddy System wird im Zentrum des Pockmarks auf Muschelbetten ausgesetzt
Bild 3: Eine zweite
Messung mit Eddy auf den vesicomyiden Muschelfeldern
Das Eddy
System konnten wir an drei Stellen ausbringen: 1) Auf den mit Gashydrat
assoziierten Muschelbetten im karbonatreichen, hügeligen Zentrum des Pockmarks
(Bild 2), 2) auf den flachen Meeresboden im Süden des Zentrums in der Nähe des
vesicomyiden Muschel Habitats (Bild 3) und an den Muschelbetten über gasreichem
Sediment. Diese interessanten Muschelbetten aus denen fortwährend freies Gas
aufsteigt, konnten wir auch mit einem Netz beproben, um weitere Exemplare für
die Untersuchungen zur Diversität und Verteilung der Muschel-Symbionten zu
erhalten (siehe auch BLOG vom 4. August).
Bild 4: Probennahme von
Pushcorern am Muschelbett in gasigen Sedimentem
Dann konnten wir auch noch Sedimentproben aus der Nähe der Muschelbetten nehmen (Bild 4), sowie die liegen gebliebenen Kerne des vorherigen Tauchgangs ab bergen. Es war eine Freude zu sehen wie gut diesmal die Navigation funktionierte – wir hätten eigentlich nicht damit gerechnet, diese Proben wieder zu finden, nachdem am Vortag die Probennahme wegen eines Fehlers des Roboterarms aufgegeben werden musste. Es hatte also so ziemlich alles sehr gut geklappt, nur leider wollte unser xy-Profiler nicht so richtig – er ließ sich nicht starten, und wurde daher vorzeitig wieder in den Lift verfrachtet, der bis obenhin mit Instrumenten voll gestopft wurde bevor wir ihn ausgelöst haben (Bild 5). Das war wirklich ein gelungener Tauchgang und der erste mit 10.5 Stunden Bodenzeit, da das Problem mit der Ölleckage nun behoben zu sein scheint. Wir hoffen also weiterhin auf etwas mehr Glück mit der Technik und auf noch einige gute Tauchgängen in den nächsten 10 Tagen, bevor es nach Walvisbay zurückgeht.
Mit vielen Grüssen
Antje Boetius
Bild 5: Der Lift ist
voll und wird geschlossen – Ende des Tauchgangs 222








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