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Eine Ebene höher
Blitze als Hilfsmeteorologen
Gewitter und auch starke Stürme sind notorisch schwer vorherzusagen, genaue Vorhersagen, wo die Naturgewalten am stärksten wüten und man deshalb Schutzmaßnahmen treffen muss, sind zurzeit Glückssache. Wie es allerdings scheint, werden diese Zentren des Unwetters zuverlässig von Blitzen begleitet. Wer also den Entladungen folgt, findet des Sturmes Kern. Das EU-Projekt "Flashproject" und das deutsche Linet wollen Blitze als Hilfsmeteorologen verpflichten. Die einen, um Hurricanes und Starkregen vorherzusagen, die anderen, um das Zentrum eines Gewitters extrem genau zu prognostizieren. Kunden wie Flughäfen wären für solche Vorhersagen extrem dankbar.
Wegbereiter der Kambrischen Explosion
Für Charles Darwin war es der Knackpunkt seiner Theorie: die „Kambrische Explosion“, das abrupte Auftreten der Tiere vor 542 Millionen Jahren. Wie aus dem Nichts schienen sie aufzutauchen - und das passte so gar nicht zu seiner Idee, dass die Evolution langsam arbeitet, über Anpassungsprozesse von Generation zu Generation. Inzwischen ist die „Kambrische Explosion“ eher ein Schlagwort, denn in den 150 Jahren seit dem Erscheinen von Darwins "Ursprung der Arten" haben die Paläontologen die Spuren unserer Ahnen weiter zurück verfolgen können. Jetzt hat eine Forschergruppe unter Leitung der Universität Poitiers 2,1 Milliarden Jahre alte Fossilien von vielzelligem Leben gefunden.
Zu pessimistisch gewesen
Bei ihren Klimamodellierungen müssen sich die Wissenschaftler häufig mit Schätzungen und angenommenen Werten behelfen, weil allen Messnetzen zum Trotz immer noch viel zu wenig empirische Daten zur Verfügung stehen. Eine dieser mit Annahmen überbrückten Lücken hat jetzt das weltweite Fluxnet-Projekt geschlossen. In zwei in "Science" erschienen Aufsätzen berichten die Forscher über neueste Messergebnisse zum Kohlenstoffkreislauf an Land.
Die ersten Briten
Die britischen Inseln sind doch früher von Urmenschen erkundet worden, als bislang gedacht. An der Nordseeküste Norfolks haben Paläoanthropologen Urmenschen-Werkzeuge gefunden, die mindestens 780.000 Jahre, vermutlich aber sogar fast eine Million Jahre alt sind. In der aktuellen "Nature" stellen sie ihre Funde vor.
Flut im Canyon
Der Colorado ist die Lebensader des amerikanischen Südwesten, und er ist einer der am stärksten durch den Menschen umgestalteten Flüsse der Erde. 22 Stauseen gibt es in seinem Einzugsbereich, die beiden größten sind Lake Powell und Lake Mead ober- und unterhalb des Grand Canyon Nationalparks. Sie wurden lange Jahre vornehmlich als Wasserkraft- und Trinkwasserreservoire betrieben, seit fast 15 Jahren macht man sich auch Gedanken um eine ökologische Erneuerung des Colorado. Spektakuläre Flutungen sollen dem Fluss etwas von seiner ursprünglichen Erscheinung zurückgeben. Zwei Jahre nach dem jüngsten Experiment sind die Ergebnisse allerdings gemischt.
Rauch mit Fernwirkung
Die Brandrodungen, mit denen auf den indonesischen Inseln Platz für weitere Plantagen geschaffen wird, produzieren jedes Jahr mehr oder weniger große Rauch- und Aschewolken. Beeinflusst wird die Intensität dieser Wolken durch das Klimaphänomen El Nino. Doch die Wolken selbst haben ihrerseits auch lokal Auswirkungen auf die Stärke von El Nino.
Herrscherliste bestätigt
Die Ägyptischen Königslisten sind einzigartig im Altertum. Fast lückenlos reiht sich Herrscher an Herrscher, und das kontinuierlich mehr als 2000 Jahre lang. Doch es war schon immer problematisch, diese Pharaonenreihe mit dem allgemeinen Maßstab unserer Zeitrechnung zu vereinbaren. Mit Radiokarbonmethoden ist das einer internationalen Forschergruppe jetzt gelungen. In "Science" ist das Ergebnis nachzulesen.
Ungewöhnlicher Schutzschirm
Eines der vertracktesten Probleme im Zusammenhang mit der frühen Erde ist das sogenannte Paradoxon der schwachen jungen Sonne. Wie, so lautet es, kann eine Sonne, die um 30 Prozent schwächer war als heute, die gleichermaßen junge Erde auf lebensfreundliche Temperaturen aufgeheizt haben: sprich - in den Bereich von Temperaturen, bei denen Wasser flüssig ist. Zwei Atmosphärenphysiker aus den USA haben jetzt in "Science" eine interessante Hypothese vorgestellt und machten dafür Anleihen beim Saturnmond Titan.
Komplexe Bruchzone
Die Plattentektonik ist eine wesentlich turbulentere Veranstaltung, als das bestechend einfache Konzept suggeriert. Der Erdmantel fließt nicht nur so träge vor sich hin wie ein Wintersee, auf dem die Krustenplatten, aus denen die Erdoberfläche besteht, wie Eisschollen dahintreiben, miteinander kollidieren oder sich verhaken. In dem fast 3000 Kilometer dicken Mantel aus plastisch fließendem Gestein gibt es auch unwiderstehliche Aufwallungen, die selbst Dutzende von Kilometer dicke Kontinentalplatten wie Pappendeckel verbiegen. Sie lassen das Festland aufsteigen oder absinken, wo keine Plattengrenze in der Nähe ist.
Wackelnde Sphären
Unser Planet muss immer wieder explosive Attacken der Sonne über sich ergehen lassen. Der Stern stößt dann gewaltige Mengen geladener Teilchen aus, die mit großer Geschwindigkeit in Richtung Erde rasen. Nur das Magnetfeld schützt uns vor diesen Plasmastürmen. Wissenschaftler haben jetzt ein weiteres Phänomen beobachtet, so genannte Weltraumbeben. Auf der Jahrestagung der Europäischen Geowissenschaftlichen Union berichteten sie darüber.
Diffiziler Übergang
Der Ursprung des Lebens ist ein heikler Punkt für die Biologie. Sobald sich die erste Zelle gebildet hat, ist es einfach: Mit den Mechanismen der Evolution kann man die Entwicklung in immer komplexere Lebensformen nachspielen. Aber der Schritt von der unbelebten Materie zu dieser allerersten Zelle ist immens schwierig, solange man nicht einen Schöpfungsakt annimmt. Biologen aus Großbritannien und Deutschland haben jetzt einen Weg vorgeschlagen, der die berühmten, aber ausgetretenen Pfade vermeidet.
Früher Schirm
Die Erde scheint schon vor 3,45 Milliarden Jahren von einem Magnetfeld geschützt worden zu sein. Das berichtete der US-Geophysiker John Tarduno von der Universität Rochester auf der Jahrestagung der Europäischen Geowissenschaftlichen Union in Wien. Damit wäre der älteste Nachweis für das Magnetfeld um weitere 250 Millionen Jahre in die Vergangenheit verschoben, weit genug, um die Ursprünge des Lebens vor den schädlichen Strahlen aus dem All zu schützen.
Kalt erwischt
Spätestens seit dem 15. April kennt die ganze Welt den isländischen Vulkan Eyjafjöll. Damals brachte dessen Aschewolke den europäischen Luftverkehr für Tage zum Erliegen, Behinderungen rings um die Welt waren die Konsequenzen. Die Luftfahrtbranche kam grob kalkulierend auf 1,5 bis zwei Milliarden Euro Schaden, und das kurz nachdem die weltweite Wirtschaftskrise die Branche kräftig durchgeschüttelt hatte. Jetzt sollen Grenzwerte dafür sorgen, dass Flugverbote nur dort, wo es nötig ist, verhängt werden. Doch die dafür nötigen Konzentrationsmessungen in der Atmosphäre sind nicht problemlos machbar.
Umsetzung dringend erwünscht
Das Schicksal Westafrikas hängt vom Monsun ab. Wenn das Windsystem genügend Regen vom Atlantik auf den Kontinent bringt, können die Menschen im Sahel und im tropischen Gürtel entlang der Guineaküste gut leben. Ist der Monsun aber schwach oder bleibt gar ganz aus, stürzt die Region in eine Hungersnot. AMMA, ein von der EU finanziertes Forschungsprojekt mit afrikanischen und europäischen Partnern hat in den vergangenen fünf Jahren das lebensnotwendige Windsystem eingehend erforscht. Die Ergebnisse, die jetzt auf der Jahrestagung der Europäischen Geowissenschaftlichen Union in Wien vorgestellt und diskutiert wurden, müssten allerdings in praktische Wettervorhersageprodukte umgesetzt werden.
Lange Geschichte der Ausbeutung
Die Menschheit begeht Raubbau an einer der wichtigsten Nahrungsquellen, die sie besitzt. Fast 75 Prozent aller kommerziell genutzten Fischbestände sind bis an die ökologisch zumutbaren Grenzen beansprucht, viele sogar darüber hinaus. Das sagt die UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft, FAO, die nicht unbedingt im Ruf besonderer Schwarzmalerei steht. Allerdings ist es nicht erst die industrialisierte Fischereiwirtschaft, die die Meere leert. Ein Ergebnis des internationalen Mammutprojektes "Zensus des Marinen Lebens", das in diesem Jahr zu Ende geht, war: Die Menschen störten das Gleichgewicht in den Ozeanen nachhaltig und veränderten die Ökosysteme dauerhaft, sobald sie aktiv wurden.
Zoo ohne Sauerstoff
Rund 90 Prozent des Lebens in den Weltmeeren kommt in der Tiefsee vor, und das meiste davon kennt die Menschheit vermutlich noch gar nicht. Überraschungen sind daher nicht ungewöhnlich, allerdings ist die Entdeckung eines italienisch-dänischen Teams tatsächlich einzigartig: Sie fanden im L'Atalante-Becken rund 200 Kilometer westlich von Kreta Tiere, die in keiner Phase ihres Lebens Sauerstoff brauchen. Auf der mit Sauerstoff geradezu überschwemmten Erde sind sie die ersten Vielzeller, die darauf komplett verzichten.
Umstrittener Geschwindigkeitsrekord
Die Anden gehören zu den größten Gebirgsketten der Erde. In Sachen Höhe müssen sie sich nur dem Himalaja geschlagen geben, und mit rund 7000 Kilometern Länge sind sie sogar Rekordhalter. Auch was ihr Höhenwachstum angeht, galten sie in den vergangenen Jahren als Nummer 1. Sie sollen innerhalb von gerade einmal 3,5 Millionen Jahren geradezu emporgeschossen sein. Um 2,5 Kilometer nämlich soll sich das bolivianische Zentralplateau der südamerikanischen Bergkette im späten Miozän gehoben haben. Eine Gruppe von US-Geowissenschaftlern zieht diese Vorstellung jetzt in Zweifel: Die zugrunde liegenden Daten seien falsch interpretiert worden, schreiben sie in „Science“.
Geschichtsträchtiges Windsystem
Die Monsune in Asien sind die wichtigsten variablen Wettersysteme der Erde, das zeigt schon ein Blick auf die Verteilung der menschlichen Weltbevölkerung. Mehr als die Hälfte der Menschheit lebt in Ländern, die mehr oder weniger stark vom Monsun abhängen. Umso wichtiger wäre es, das Verhalten dieser feuchtigkeitsträchtigen Windsysteme genauer vorhersagen zu können. In der aktuellen "Science" wird jetzt ein auf Baumring-Informationen beruhender Monsun-Atlas für die vergangenen 700 Jahre vorgestellt.
Umstrittener Zeuge
Aus der Entstehungszeit unserer Gattung sind uns bislang nur sehr spärliche Fossilien überliefert. Der Übergang von den Vormenschen der Gattung Australopithecus zu den Frühmenschen unserer Gattung Homo ist daher ein heftig diskutierter Ablauf, der sich buchstäblich mit jedem neuen Fund ändern kann. In "Science" berichteten Forscher aus Südafrika von einem erstaunlichen neuen Fund, um den sich sofort eine Kontroverse entwickelte.
Verkürzte Wartezeit
Kalifornien ist Erdbebenland, denn entlang der amerikanischen Westküste reiben sich Kontinental- und Ozeanplatten aneinander. Die San-Andreas-Störung ist die wohl bekannteste, doch beileibe nicht die einzige. Das 7,2-Beben, das am Ostersonntag den mexikanischen Bundesstaat Baja California erschütterte, entstand in einem komplexen Gefüge unterschiedlicher Störungen südlich der San-Andreas-Verwerfung. Es war nicht "the big one", auf das Südkalifornien seit Jahren wartet, doch das wird unweigerlich kommen. Der Ballungsraum Los Angeles-San Diego ist jüngsten Untersuchungen der Störung zufolge gefährdeter als bislang gedacht.
Fähre nach Madagaskar
Die madagassische Fauna ist einzigartig auf der Welt, vergleichbar mit Australiens Beuteltieren oder den Bewohnern der Galapagos-Inseln. Die Frage, wie die Lemuren, Tenreks oder Fossas auf die Insel gelangten, hat die Biologen lange beschäftigt. Jetzt haben Geophysiker im Magazin "Nature" eine Lösung nachgewiesen.
Jetzt sind wir schon zu viert
Die Menschheit während der jüngsten Eiszeit wird immer vielfältiger. Neben die traditionell bekannten Arten moderner Mensch und Neandertaler trat 2003 der Hobbit Homo floresiensis und jetzt kommt offenbar noch ein weiterer Mensch hinzu, der bis vor rund 40.000 Jahren den Altai im Süden Sibiriens bewohnte. In der aktuellen "Nature" veröffentlichen Forscher der sibirischen Akademie der Wissenschaften und des Leipziger Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie genetische Indizien für unseren neuen Cousin.
Leuchtende Bänder am Sommerhimmel
Bald kommt wieder die Zeit, da man an wolkenlosen Abenden kurz nach Sonnenuntergang verblüffende Lichterscheinungen am Himmel bewundern kann. In den Sommermonaten sind bis hinab nach Südfrankreich oder Ungarn leuchtende Wolkenbänder zu sehen, die aufflammen, kurz nachdem die Sonne hinter dem Horizont verschwunden ist. Es sind Wolken, die sich in rund 80 Kilometern Höhe in den obersten Stockwerken unserer Atmosphäre bilden und wegen ihrer Flughöhe noch von Sonnenstrahlen erleuchtet werden, wenn der unter ihnen liegende Planet längst im Dunkel liegt.
"Die Welt ist auf dem richtigen Weg"
Im Jahr 2000 setzten sich die Vereinten Nationen das ehrgeizige Ziel, den Entwicklungsstand der Welt auf acht breiten Feldern innerhalb von 15 Jahren drastisch zu verbessern. Zu diesen sogenannten Jahrtausend-Entwicklungszielen gehörte auch, den Anteil der Menschen ohne ausreichende Trinkwasserversorgung zu halbieren. Zehn Jahre nach Verkündung ist die Welt zumindest hierbei auf dem richtigen Weg. Das zeigt der aktuelle Statusbericht. Er wurde pünktlich zum Weltwassertag, der am 22. März veranstaltet wird, veröffentlicht. Allerdings forderten Experten, man müsse gleichzeitig stärker auf die Wasserqualität achten. Diesem Thema ist auch der Schwerpunkt des Weltwassertages gewidmet.
Eisbeobachtung von oben
Die Polargebiete gehören zu den Schlüsselregionen im Klimasystem der Erde. Doch gerade über die gewaltigen Eisflächen ist zu wenig bekannt, um ihr Verhalten wirklich zuverlässig vorhersehen zu können. Neben dem US-amerikanischen Icesat soll jetzt der europäische Cryosat-2 die Lücken verkleinern. Sein Start ist für den 25. Februar vorgesehen. Der Flugkörper ist der zweite seines Namens, nachdem der ursprüngliche Satellit Ende 2005 mitsamt seiner Rakete abstürzte. Sein für den 25. Februar vorgesehener Start wurde verschoben.