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erstellt von admin zuletzt verändert: 12.04.2012 15:20

Wechsel in der Ahnengalerie
Das jüngst entdeckte Mitglied der menschlichen Gattung sucht noch seinen Platz im Stammbaum. Australische und amerikanische Wissenschaftler haben jetzt im "Journal of Human Evolution" den Homo floresiensis, auch Hobbit genannt, ganz an die Basis der menschlichen Gattung gesetzt. Sie bezeichnen ihn als "Schwesterart" des frühen Homo habilis. Damit käme der Hobbit zum einen auf eine für Menschenarten extrem lange Zeitspanne: Homo habilis ist rund zwei Millionen Jahre alt, die jüngsten Hobbit-Funde etwa 54.000. Er wäre andererseits auch Beleg für eine ganz frühe Migration der Homo-Vertreter aus Afrika in die Welt, die bislang nicht bekannt war.
Gletscherretter im Oberengadin
Weltweit sind die Hochgebirgsgletscher auf dem Rückzug. In den europäischen Alpen schrumpfen die Eisströme im Rekordtempo und stellen absehbar nicht nur die Sommerskigebiete vor Probleme. Am Morteratsch-Gletscher im Schweizer Oberengadin wird in diesem Jahr eine Methode erprobt, dem Gletscher wieder zu mehr Masse zu verhelfen. Auf der Jahrestagung der Europäischen Geowissenschaftlichen Union in Wien stellten die Initiatoren das Projekt vor.
Risiko für tiefe Vorkommen
Gut die Hälfte der Grundwasservorräte auf unserem Planeten bestehen aus sogenannten fossilen Vorräten, also solchen, die in menschlichen Zeiträumen nicht mehr aufgefüllt werden. Bislang gingen Experten davon aus, dass die fossilen Wasservorkommen durch ihre große Tiefe isoliert und damit auch vor den Schadstoffen der Oberfläche besonders geschützt seien. Eine Bestandsaufnahme in "Nature Geoscience", die zeitgleich auch auf der Jahrestagung der Europäischen Geowissenschaftlichen Union in Wien vorgestellt wurde, zieht diese Annahme in Zweifel.
Anspruch mit Sprengwirkung
Um mehr als 100.000 Jahre früher soll nach einem Bericht amerikanischer Paläontologen in "Nature" die Anwesenheit von Menschen auf dem Doppelkontinent anzusetzen sein. Für die Besiedelungsgeschichte Amerikas, in der um wenige Tausend Jahre leidenschaftlich und jahrzehntelang gestritten wird, wäre das eine wahrhaft epochale Umwälzung.
Kollaps mit Ansage
Im Osten der Antarktischen Halbinsel gerät das Schelfeis erneut in Bewegung. Zwei kleinere Teile des auf dem Meer schwimmenden Larsen-Schelfs haben sich dort in den vergangenen 25 Jahren bereits aufgelöst, jetzt scheint die größte Einheit, das mehr als 200 Kilometer weit ins Weddellmeer reichende Larsen-C, an der Reihe zu sein.
Schier unglaubliches Alter
Die Verhältnisse in den frühen Phasen des irdischen Lebens geraten in Bewegung. Nach erstaunlich alten Rotalgen haben Paläontologen um den Schweden Stefan Bengtson jetzt Fossilien von Pilzen vorgestellt, die den Ursprung dieser komplexen Lebewesen gleich um zwei Milliarden Jahre in die Vergangenheit verschieben. Wenn sich der Befund bestätigen lässt, muss der Stammbaum des Lebens ziemlich deutlich umgebaut werden. Doch noch weht den Wissenschaftlern heftiger Gegenwind ins Gesicht.
Polare Stratosphärenwolken als Musen
Der expressionistische Maler Edvard Munch ist vor allem durch sein Gemälde "Der Schrei" weltbekannt geworden. Die zahllosen Nachahmer wurden von der Person angeregt, die sich im Vordergrund angstvoll die Ohren zuhält. Geowissenschaftler dagegen achteten auf den Hintergrund und versuchten zu ergründen, welches Naturphänomen den norwegischen Maler zu der ausdrucksstarken Himmelsdarstellung veranlasst haben könnte. Auf der Jahrestagung der Europäischen Geowissenschaftlichen Union in Wien warteten Meteorologen aus Oslo jetzt mit einer überraschenden Hypothese auf.
Als Großbritannien zur Insel wurde
Seit dem Pleistozän sind die britischen Inseln vom Rest Europas getrennt, doch wie und wann es dazu kam, ist nicht genau bekannt. Zur Wahl steht die stetige Erosion des Gebirgskamms, der einst die Straße von Dover versperrte, oder seine Zerstörung durch katastrophale Überschwemmungen. Ein Team aus britischen, französischen und belgischen Geowissenschaftlern legt jetzt in "Nature Communications" Belege für die katastrophale Version der britischen Abkoppelung vor.
Bindeglied zwischen den Echsen
Die Trias, die früheste Periode des Erdmittelalters, war die Zeit, in der die Karten für die folgenden 140 Millionen Jahre gemischt wurden. Der Grund für die lange Herrschaft der Dinosaurier wurde zu Beginn der Trias gelegt, denn an Land entstanden zwei Gruppen von Reptilien, die Dinosaurierartigen und die Krokodilartigen. Bislang konnten Paläontologen nur spekulieren, wie sich beide Gruppen entwickelten, denn frühe Formen fehlten in der Überlieferung. Ein Fund aus Tansania bringt jetzt etwas Licht in die Entwicklung der Reptilien in der unteren Trias. Veröffentlicht wird er nun in "Nature".
Das lange Schmelzen
Im Jahr 2008 meldete sich eine Expedition an Bord des britischen Forschungsschiffs James Clark Ross mit beunruhigenden Nachrichten von der arktischen Inselgruppe Spitzbergen zurück. Über 250 Gasfahnen, die vom Meeresgrund aufstiegen, hatten die Forscher ausgemacht. Ihre Vermutung: das Gas stammt von Methanhydraten, die sich derzeit im Untergrund auflösen. Das Phänomen wurde seither ausgiebig erforscht - inzwischen scheint ein direkter Zusammenhang mit dem menschengemachten Klimawandel vom Tisch zu sein.
Bruch einer Barriere mit gravierenden Folgen
An einem schönen, klaren und ruhigen Herbsttag des Jahres 2014 erwachte in den japanischen Alpen urplötzlich der Vulkan Ontake zum Leben. Eine phreatische Eruption, angetrieben durch eine Wasserdampfexplosion, kostete insgesamt 63 Menschen das Leben. So viele Opfer hatte zuletzt 1902 der Torishima auf der gleichnamigen Insel südlich von Tokio gekostet. Im Journal for Geophysical Research haben japanische Wissenschaftler jetzt den Ablauf der Ontake-Eruption geklärt.
Gemeinsam stärker
"Geteiltes Leid ist halbes Leid": Nach diesem Motto scheinen auch Mikroben der Tiefen Biosphäre ihr hartes Los anzugehen. Geomikrobiologen der US-Universität Princeton berichten von engen Lebensgemeinschaften, die die schmale Lebensgrundlage in tiefen Gesteinsschichten wesentlich verbreitern. Die Erkenntnisse wurden nun in den Abhandlungen der US-Akademie der Wissenschaften veröffentlicht.
Höhere Sturmfluten in der Nordsee
Auf Europas Küsten kommen stürmische Zeiten zu. Eine Arbeitsgruppe des EU-Forschungszentrums JRC im italienischen Ispra hat verschiedene Modellrechnungen angestellt, wie sich bis zum Jahrhundertende Sturmfluten in Zahl und Stärke verändern werden. Danach werden vor allem die Anrainer der Nord- und Ostsee und des Schwarzen Meeres mit wesentlich mehr und wesentlich höheren Hochwassern rechnen müssen. Geringere Fluthöhen gibt es dagegen im Mittelmeer, die Atlantikküste der Iberischen Halbinsel entlang bis in die Biskaya.
Bedrohung mit vielen Rätseln
Die Campi flegrei im Westen der italienischen Millionenstadt Neapel sind Europas größter Vulkan - und vermutlich sind sie der am dichtesten besiedelte der Welt. Rund 500.000 Menschen wohnen direkt in der Caldera, die durch zwei Mega-Eruptionen vor 39.000 und vor 15.000 Jahren gerissen wurde, im Ballungsraum Neapel sind es Insgesamt 4,4 Millionen. Jetzt warnen italienische Forscher vor einer erneuten Phase erhöhter Aktivität.
Marsgravitation und irdische Plattentektonik
In den Sedimenten der Tiefsee ruht das Gedächtnis der Erde. Die langsam auf den Boden rieselnden Partikel speichern Informationen über Jahrmillionen der Planetengeschichte. Dass sie dabei auch für Astronomen wertvoll sein können, zeigte sich auf dem Statusseminar Tiefbohrung der Deutschen Forschungsgemeinschaft in Braunschweig. Bremer Geowissenschaftler stellten Bohrkernuntersuchungen vor, die den Gravitationseinfluss des Mars auf das irdische Klima und eventuell sogar die Tektonik zeigen.
Aufregendes aus den "Boring Billion"
Rotalgenfossilien, die 400 Millionen Jahre älter sind als die bislang ältesten vielzelligen Lebewesen, werden in PLOS Biology vorgestellt. Mit ihnen würde der Ursprung der höher entwickelten Eukaryoten, die Zellkern und Organellen besitzen und zu denen auch wir Menschen gehören, um eine beträchtliche Zeitspanne vorverlegt.
Grüne Pisten zum Jahrhundertende
Die Wintersportorte in den Alpen waren auch im abgelaufenen Winter 2016/17 das Ziel von Millionen Schneetouristen. Viele, die sich auf prächtigen Pulverschnee gefreut hatten, wurden allerdings enttäuscht. Der Winter war einer der schneeärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen. Schweizer Wissenschaftler prognostizieren in der Fachzeitschrift "The Cryosphere", dass sich die Schneesituation in Europas Hochgebirge in Zukunft noch drastisch verschlechtern wird.
Tonscherben als Magnetfeldsensoren
Das Erdmagnetfeld gehört zu den rätselhaftesten Phänomenen unseres Planeten. Von dem Mechanismus, der es hervorbringt, haben die Wissenschaftler zwar eine grobe Vorstellung, doch die Details sind so ungeklärt, dass viele Phänomene schlichtweg nicht nachvollzogen werden können. Archäologen und Geophysiker aus Israel und den USA berichten jetzt in den Abhandlungen der US-Akademie der Wissenschaften von einer ungewöhnlich starken und raschen Erhöhung der Magnetfeldstärke in der Levante, die dank archäologischer Forschung auf wenige Jahre genau eingegrenzt werden kann.
Sprung ins Säurebad
Ein junger britischer Geologe steht an der Spitze eines Geologenteams, das in "Nature" beansprucht, in einer Formation aus Nordost-Kanada die frühesten Fossilien gefunden zu haben. Der Doktorand hat sich damit eines der umkämpftesten Gebiete der Geowissenschaften ausgesucht und stößt prompt auf zum Teil heftige Kritik. Wie seine Funde dieses Säurebad überstehen, bleibt abzuwarten.
Holpriger Start
Der Wechsel in der irdischen Atmosphäre von Methan zum Sauerstoff als bestimmendes Gas ist einer der wichtigsten Wendepunkte in der Erdgeschichte. Der Durchbruch gelang vor gut 2,3 Milliarden Jahren, als zum ersten Mal molekularer Sauerstoff in deutlichen Mengen in der Lufthülle auftrat. Doch der Wechsel war offenbar eher eine Zeit heftiger Pendelschläge in Richtung Sauerstoff und wieder zurück zu Methan, wie unter anderem eine Untersuchung in den Abhandlungen der US-Akademie der Wissenschaften jetzt zeigt.