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Auf Tauchstation

erstellt von timo_meyer zuletzt verändert: 17.11.2016 13:36 — abgelaufen

Erzählungen eines Forschungsreisenden: Geoforscher Gerhard Bohrmann berichtet von Reisen zum Grund des Meeres am 13. Februar im Deutschen Technikmuseum Berlin im Rahmen der GEOTECHNOLOGIEN-Ausstellung „Unruhige Erde“.

Wasser über Wasser: nicht ohne Grund wird die Erde gerne als der „Blaue Planet“ bezeichnet. „Rund 70 Prozent der Erde ist von Wasser bedeckt“, erläutert Gerhard Bohrmann (52) vom Bremer Zentrum für Marine Umweltwissenschaften (MARUM). Der Ozean erstreckt sich nicht nur über weite Flächen, unter seiner Oberfläche ist auch noch erstaunlich viel Platz. Ein Vergleich macht es deutlich: Während die Berge unseres Planeten im Mittel 840 Meter hoch in den Himmel ragen, muss man von der Meeresoberfläche bis zum Grund im Durchschnitt 3.800 Meter zurücklegen. Etwa 40 Prozent des Meeres ist sogar mindestens 4.000 Meter tief. „Die Tiefsee ist ausgedehnter, als man denkt“, unterstreicht Bohrmann.

In den noch weitgehend unerforschten Tiefen geht der Bremer Meeresforscher immer wieder auf Forschungsreise. Im Jahr 2007 führten ihn seine Expeditionen unter anderem ins Schwarze Meer und in den Golf von Mexiko. Allerdings bleibt Bohrmann dabei in aller Regel auf dem Trockenen. „Die Zeit der Tauchboote ist vorbei“, erklärt er, „heute setzen wir Roboter ein.“ Bestückt mit Kameras und Greifarmen für Bodenproben bleiben die ferngesteuerten Sonden stundenlang unter Wasser. Per Kabel sind sie stets mit dem Mutterschiff verbunden. Über die Nabelschnur wird der Roboter gesteuert, der wiederum Live-Bilder in die Steuerzentrale zurückschickt. Dort wacht eine Crew aus Forschern, Technikern und Piloten über den Tauchgang.

Die schwimmenden Roboter haben im Laufe der Jahre manche Überraschung zutage gefördert. Denn die Tiefsee galt einst als lebensfeindliche Wüste: immenser Druck, eisige Kälte und ewige Dunkelheit ließen die Meeresforscher nicht gerade eine üppige Tierwelt erwarten. Doch auf dem Meeresgrund gibt es zahlreiche Oasen. In der Umgebung „hydrothermaler Quellen“, an denen mehrere hundert Grad heißes Wasser aus dem Meeresboden tritt, siedeln Bakterien, Würmer und Muscheln. Wie man heute weiß, dienen energiereiche chemische Verbindungen, die im Wasser gelöst sind, solchen Lebensgemeinschaften als Grundlage. Ein Team um Gerhard Bohrmann stellte jüngst fest, dass selbst „kalte Quellen“ reichhaltiges Leben beherbergen. Während einer Expedition in den Gewässern südlich von Pakistan entdeckten die Forscher Tausende von weißen Krabben und ausgedehnte Muschelfelder. „Damit lässt sich das Credo nicht mehr halten, dass an kalten Quellen generell weniger Leben ist als an heißen Quellen“, so Bohrmann. „Hier scheint den Lebewesen ähnlich viel chemische Energie in Form von Methan oder Schwefelwasserstoff zur Verfügung zu stehen, wie an heißen Quellen, so dass sich auch eine hohe Biomasse entwickeln kann.“

Öffentlicher Vortrag: „Unbekannte Erde – geowissenschaftliche Erforschung des Gefahren- und Nutzungspotentials der Tiefsee“


Prof. Dr. Gerhard Bohrmann führt in die Tiefen der Weltmeere. Der Eintritt ist frei.

Ort: Deutsches Technikmuseum, Berlin
Zeit: Mittwoch, 13. Februar, 18.30 Uhr

MN, iserundschmidt 02/2008


Das Deutsche Technikmuseum Berlin ist die sechste Station der Wanderausstellung "Unruhige Erde", die noch bis zum 22. Juni 2008 durch Deutschland touren wird. Weitere Informationen zur Berliner Station der Ausstellung finden Sie hier. Mehr Informationen zur Wanderausstellung „Unruhige Erde“ finden Sie hier.

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