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Der schlafende Schlund

erstellt von timo_meyer zuletzt verändert: 17.11.2016 13:36 — abgelaufen

Krater, Lavagestein und sogar Geysire – all das findet man nicht nur auf Island oder in Italien, sondern auch in Deutschland. Zwar liegen hierzulande die letzten Vulkanausbrüche schon rund 10.000 Jahre zurück, doch viele Vulkane gelten unter Geologen nur als schlafend. Lässt sich ein Ausbruch vorhersagen?

Gasaustritte am Laacher See zeugen von vulkanischer Aktivität im Erdinneren. (Bild: RaSlaMa, Wikimedia Commons)Bilder von heftigen Eruptionen, Lavaströmen oder gewaltigem Ascheregen kennen die Meisten nur aus dem Fernsehen. Doch wer einen Vulkankrater sehen will, muss gar nicht weit reisen. In Deutschland finden sich zahlreiche Regionen, die stark von Vulkanismus geprägt sind: die Vulkaneifel im Westen des Landes, der Kaiserstuhl und das Vulkangebiet Vogelsberg im Süden oder die Oberlausitz im Osten. Experten sind sich uneins, ob diese Vulkane tatsächlich erloschen sind oder noch immer eine Gefahr darstellen. Erdgeschichtlich ist der letzte Ausbruch hierzulande nur einen Wimpernschlag her, ein weiterer also gar nicht so unwahrscheinlich. Folglich beflügeln etwa die Gasaustritte am Laacher See in der Vulkaneifel die Phantasie – sowohl der Schriftsteller als auch der Geowissenschaftler. Während die einen vom drohenden Ausbruch eines Supervulkans dichten (etwa Ulrich C. Schreiber in „Die Flucht der Ameisen. Ein Geo-Thriller“), der im schlimmsten Fall den Rhein aufstauen und riesige Gebiete überfluten könnte, erforschen die anderen die messbaren Anzeichen einer möglichen vulkanischen Aktivität.

Luftaufnahme eines Kraters in der Vulkaneifel, in dem heute der Laacher See liegt. (Bild: USEBlackbird, Wikimedia Commons)Als Vulkanausbruch oder Eruption bezeichnet man einen geologischen Vorgang, bei dem festes, flüssiges und gasförmiges Material aus dem heißen Erdinneren austritt. Vulkanarten gibt es zahlreiche, z.B. Schicht-, Schild- oder Calderavulkane. Im Allgemeinen lassen sich drei Wege ausmachen, auf denen Auswurfmaterialien wie Magma und Gase an die Erdoberfläche gelangen. Erstens durch einen Riss in der Erdkruste, in den tektonischen Platten, der sich durch den immensen Druck einer darunter liegenden prall gefüllten Magmakammer bildet. Zweitens in einer Subduktionszone, in der sich eine tektonische Platte unter eine andere schiebt. Dabei werden beide Platten stellenweise verflüssigt und das Magma kann als Lava nach außen dringen. Drittens kann Magma an sogenannten Hot Spots, den ortsfesten Magmakanälen im Erdmantel, hervorbrechen. Auf der langsam über den Spot hinweg gleitenden tektonischen Platte bilden Eruptionen nacheinander an mehreren Stellen Vulkane – wie eine Perlenkette liegen die nach und nach erloschenen Vulkane aufgereiht und bilden Inselbögen wie Hawaii.

Eruption und Aschewolke beim Ausbruch des Eyjafjallajökull im April 2010. (Bild: Boaworm, Wikimedia Commons)Vulkanausbrüche unter Wasser haben nur geringe Auswirkungen auf den Menschen. Im Fall eines Ausbruchs in dicht besiedelten Gebieten an Land ist die Gefahr hingegen um ein Vielfaches größer. Denn die Eruptionen, von einer gigantischen Kraft aus dem Erdinnern angetrieben, kann der Mensch kaum beeinflussen. Sind Lavastrom, Aschewolke oder der explosionsartige Auswurf von Lockergesteinen erst einmal in Gang, sind sie nicht mehr zu stoppen. Oft gehen  mit Ausbrüchen zudem Erdbeben einher. Frühwarnsysteme sollen immerhin helfen, die Bevölkerung zu warnen und rechtzeitig zu evakuieren. Zudem sind mögliche Folgeschäden keine rein lokale Angelegenheit – das weiß man spätestens, seit der isländische Vulkan Eyjafjallajökull im Sommer 2010 tagelang gewaltige Aschewolken über Europa hinweg trieb und den Flugverkehr zum Erliegen brachte.

Darum forschen Geowissenschaftler weltweit an Frühwarnsystemen, beispielsweise Vulkanforscher aus Deutschland, Portugal und Neuseeland im Projekt EXUPERY. Ziel des vom FuE-Programm GEOTECHNOLOGIEN geförderten Projekts war die Entwicklung eines „Volcano Fast Response System“ (Schnell-Reaktions-Systems), das etablierte Beobachtungstechnologien wie Seismizität und Bodendeformationen um satellitengestützte Beobachtungsdaten, z.B. zu Gasemissionen, ergänzt. Auch das Kommunikationsnetz wurde überarbeitet – die Feldstationen leiten ihre Messdaten nun über ein kabelloses Netz weiter – damit die Entscheidungsträger die Daten schneller erhalten und auswerten können. So sollen sie in die Lage versetzt werden, in Zukunft innerhalb kürzester Zeit auf mögliche Gefahren zu reagieren.

ES, iserundschmidt 06/2013


Näheres zu EXUPERY, von 2006 bis 2010 im Rahmen des GEOTECHNOLOGIEN-Forschungsschwerpunktes "Frühwarnsysteme gegen Naturgefahren" gefördert, finden Sie hier.