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Geschichten erzählen

erstellt von timo_meyer zuletzt verändert: 17.11.2016 13:36 — abgelaufen

Geoforschung ist mehr als Forschungsergebnisse und Hightech – es sind die Menschen hinter den Monitoren, in den Tauchbooten, im Hubschrauber auf dem Weg zum Vulkangipfel, die die Geowissenschaften vorantreiben. Ihre Geschichten erzählen planeterde und GEOTECHNOLOGIEN nun schon seit 7 Jahren.

200 Artikel sind in der Rubrik GEOTECHNOLOGIEN hier auf planeterde bisher erschienen, 200 Einsichten in die Forschungsarbeit von Geowissenschaftlern. Seit 2005 beleuchten wir hier an dieser Stelle die Projekte, die innerhalb des FuE-Programms GEOTECHNOLOGIEN gefördert werden und zeigen neben der Technik eben auch die Gesichter dahinter. Dabei haben wir als Redakteure eine Menge gelernt und ein ums andere Mal feststellen müssen, wie tiefgreifend Forschungszweige mit der Vorsilbe Geo bereits unseren Alltag beeinflussen. Werfen wir einmal einen Blick auf einige der spektakulärsten Geschichten der letzten Jahre:

Brennendes Eis

Forscher mit einem entzündeten Klumpen Gashydrat (Bild: © DFG Forschungszentrum Ozeanränder)Einer der ersten Artikel, die wir in dieser Rubrik veröffentlichten, hatte mit einer besonderen Ausfahrt des Forschungsschiffes RV PROFESSOR LOGACHEV zu tun. Im Rahmen des Projekts METRO war es ins Schwarze Meer aufgebrochen, dem größten oberflächennahen Methanreservoir weltweit. Die Forscher an Bord unter der Leitung von Prof. Gerhard Bohrmann von der Universität Bremen waren auf der Suche nach den Methanhydraten, auch „Brennendes Eis“ genannt. Doch sie fanden auf ihrer Ausfahrt weitaus mehr. In 1000 Meter Wassertiefe stieß ihr Tauchroboter auf gewaltige Strudel aus Methanbläschen und sogar Ölquellen. Mehr …

 

Am Ende des Tunnels

Durchstich im Gotthard-Tunnel. Geführt werden die Riesenbohrer mittels Vorerkundung. (Bild: © AlpTransit Gotthard AG)Ebenfalls in der Tiefe, nur dieses Mal auf festem Boden – wie Geotechnologien unter unseren Füße unsere Lebenswelten beeinflussen, zeigte ein Einblick in die Welt der Tunnelbohrer. Damit diese millimetergenau ihren Weg durch den Untergrund finden und so passgenaue Verkehrstunnel graben können, ist eine Menge geowissenschaftliche Hightech nötig. Die Vorerkundung, die wir am Beispiel des GEOTECHNOLOGIEN-Projekts AUTOSEIS vorstellten, lässt Ingenieure förmlich in die Wände vor dem Bohrkopf „hineinsehen“ und so noch während des Betriebs Störzonen erkennen. Das Potenzial der Vorerkundung zeigt der 57 Kilometer lange Gotthard-Basistunnel unter dem gleichnamigen Schweizer Bergmassiv. Hier starteten die gigantischen Tunnelbohrer ihre Arbeit an unterschiedlichen Seiten des Gebirges und stießen trotzdem im Jahre 2010 mit einer Abweichung von nur wenigen Zentimetern aufeinander. Mehr …

Ein ungewöhnlicher Erdbebensensor

Ein japanischer Shinkansen-Zug steht nach dem Niigata-Erdbeben im Oktober 2004 neben den Schienen. © GEES, University of Southern California, http://gees.usc.edu/GEESDie Mutter aller Frühwarnsensoren stellten wir 2008 erstmalig vor. Das Projekt EWS Transport verfolgte den kühnen Plan, Eisenbahnschienen nicht nur für den Schienenverkehr, sondern auch als Erdbebensensoren zu nutzen, sozusagen als größter Sensor der Welt. Die Idee stammte von Prof. Eberhard Hohnecker, der, selbst in der Abteilung Eisenbahnwesen des Instituts für Straßen- und Eisenbahnwesen beheimatet, eher durch Zufall auf das fachfremde Themengebiet Erdbebenvorwarnung gestoßen wurde. Seine Idee war simpel wie genial: Die in den meisten Länder vorhandenen Schienennetze böten eine perfekte Abdeckung mit Sensoren. Man müsste sie nur modifizieren und ein System entwickeln, dass die Daten von den Schienen in ein verlässliches Frühwarnsystem umwandelt. Vor allem das erdbebengeplagte Japan bot perfekte Bedingungen. Hier gab es schon damals ein speziell auf Verkehrswege zugeschnittenes Warnsystem, UrEDAS genannt. 2009 trafen sich Hohnecker und sein Team in Japan mit UrEDAS-Schöpfer Yutaka Nakamura und konnten so wichtige Erkenntnisse für ihr eigenes Projekt gewinnen. Mehr …

Langerwartetes GO für einen Satelliten

Satellit GOCE im Orbit (Grafik: © ESA - AOES Medialab)Wohl beim kaum einem anderen Satelliten haben Geowissenschaftler so mit gefiebert wie beim Start des „Gravity Field and Steady-State Ocean Circulation Explorer“, kurz GOCE, im März 2009. Das lag nicht nur an den hohen Erwartungen, die mit dem Satelliten verbunden waren, sondern auch an Schwierigkeiten, die dem Start vorausgegangen waren.  Eigentlich sollte dieser bereits 2006 erfolgen, doch Probleme mit der Trägerrakete und nicht zuletzt die äußerst empfindlichen Messinstrumente des Satelliten bzw. deren Fertigung stellten die Herstellerfirmen immer wieder vor große Probleme. Denn GOCE war kein normaler Satellit. Um seine zentrale Aufgabe, die Vermessung des Erdschwerefelds, zu erfüllen, sollte GOCE auf einem extrem niedrigen Orbit in nur rund 250 Kilometern Höhe die Erde umkreisen, die niedrigste, technisch noch realisierbare Umlaufbahn überhaupt. Außerdem sollte seine Bahn sonnensynchron sein, d.h. er würde der Sonne immer die gleiche Seite zuwenden. Das erforderte einen asymmetrischen Aufbau des Satelliten – die energiespendenden Solarzellen auf der einen, die hitzeempfindlichen Sensoren und lichtempfindlichen Aggregate auf der anderen, kühleren „Nachtseite“. Durch Verschiebungen des Starttermins änderte sich auch die Flugbahn, was wiederum dazu führte, dass die „inneren Organe“ von GOCE von einer zur anderen Körperhälfte verlegt werden mussten.

Am 16. März 2009 waren alle Probleme schließlich beseitigt und GOCE hob ab. Seitdem hat der Satellit die Erwartungen der Geoforscher sogar noch übertroffen. Seine Daten, durch Algorithmen ausgewertet, die z.B. in Programmen wie GOCE GRAND I und II (verlinkt) erstellt wurden, zeigen das Schwerefeld der Erde so präzise wie nie zuvor. Und sowohl Auswertung als auch Vermessung dauern an. Eigentlich ausgelegt auf 20 Monate hat GOCE noch genug Treibstoff, um bis Ende 2013 in seiner jetzigen Flughöhe zu verweilen. Ein Glücksfall sowohl für die Geowissenschaftler als auch für Raketentechniker und -ingenieure, die aus dem Betrieb des Satelliten – beispielsweise seinem Ionentriebwerk – eine Menge nützlicher Erkenntnisse für zukünftige Satellitenmissionen ableiten können. Mehr …

TM, iserundschmidt 09/2012


Weitere Infos zu den Projekten und Forschungsmissionen, die im Rahmen der GEOTECHNOLOGIEN gefördert werden, finden Sie auf den Seiten des FuE-Programms und selbstverständlich auch weiterhin hier auf planeterde.

Verweise
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