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Guter Stoff

erstellt von timo_meyer zuletzt verändert: 17.11.2016 13:36 — abgelaufen

Ohne Stahl keine Autos, ohne Coltan keine Handys. Rohstoffe sind Kernbauteile unseres Alltags. Doch wie sind diese in die Tiefen der Erde gelangt, und wie werden sie wieder zutage gefördert? Jeder Rohstoff hat seine eigene Geschichte. Einige davon erzählt die neue Wanderausstellung „Wertvolle Erde“.

Blättert man im Tagebuch unserer Erde einige Jahrmillionen zurück, so werden nicht nur die gigantischen Veränderungen sichtbar, die jeder Fleck unseres Planeten bisher durchlaufen hat, sondern auch wie unter unseren Füßen praktisch unbemerkt Energieträger und Rohstoffe heranwachsen. So schlummern die riesigen Urwälder, Farne und Baumriesen von vor 300 Millionen Jahren heute als Steinkohle im Boden, ausgebrütet durch Bakterien, Druck und Temperatur über extrem lange Zeiträume. Abgestorbene Wälder, zersetzt von Mikroorganismen, überflutet von Ozeanen, zugedeckt von Gestein und zusammengepresst durch immer weitere Erdschichten sind das, was der Mensch heute als fossilen Brennstoff durch riesige Bagger wieder ans Tageslicht befördert.

Eindrucksvoller Größenvergleich eines Schaufelradbaggers mit einem "normalen" Bagger im Tagebau Cottbus-Nord. (Bild: A. Gutwein, Wikimedia Commons)Rohstoffe wie Kohle oder Erdgas sind konservierte Energie, die, nachdem sie einstmals durch Urpflanzen aufgenommen und gespeichert wurde, nun bei Verbrennung wieder in Wärmeenergie umgewandelt wird. Doch wir Menschen nutzen noch mehr von den Stoffen, die unsere Erde erzeugt bzw. gelagert hat, oftmals ohne dass wir uns dessen bewusst sind. In Gestalt von Flachbildschirmen, Motorgehäusen oder Tabletten sind sie Teil unseres Alltags. Ihre Herkunft sieht man ihnen dabei nicht mehr an. Oder die Umstände ihrer Förderung.

Genau diesen Aspekten soll sich eine neue Wanderausstellung widmen, die am 17. Januar in Dresden eröffnet wird. Ihr Titel: „Wertvolle Erde“. Im Zentrum stehen die Suche, Förderung und Nutzung geologischer Rohstoffe. Insgesamt neun Monate haben die Vorbereitungen in Anspruch genommen. Neun Monate, in denen sich die Ausstellungsmacher, das Forschungs- und Entwicklungsprogramm GEOTECHNOLOGIEN, auch mit der Tatsache auseinandersetzen mussten, das der Abbau von Rohstoffen auch mit Themen wie „Raubbau“ und „Umweltverschmutzung“ verknüpft ist.

„Wir haben uns dem Thema Rohstoffe sehr geowissenschaftlich angenähert, da wir hierzu auch die wissenschaftliche Expertise haben“, erklärt Dr. Ute Münch, Leiterin des Koordinierungsbüros GEOTECHNOLOGIEN die Herangehensweise bei der Ausarbeitung des Konzepts. „Wir erklären, wie Rohstoffe entstanden sind, mit welchen geowissenschaftlichen Methoden sie aufgespürt werden können. Darüber hinaus werden Förder- und Aufbereitungsmethoden anschaulich erläutert.“ Das Problem schwindender Ressourcen wird dabei nicht ausgeklammert. Besucher erfahren etwas über rohstoff- und materialeffiziente Produktion ebenso wie über Recycling und Umweltschutz.

Die Ausstellung will einen objektiven Einblick in die Welt der geologischen Rohstoffe liefern und aufzeigen, welche Schritte die Naturstoffe durchlaufen von der Förderung bis zur Verarbeitung. Dabei fokussiert man insbesondere auf die modernen Methoden und Verfahren der Tomographie der Erdkruste – also jener Durchleuchtung des Erdkörpers, mit der Geologen Erkenntnisse über den Aufbau unseres Planeten gewinnen, Ingenieure beim Tunnelbau unterstützen, Deiche und Baugrund begutachten oder Trinkwasserreservoire kontrollieren. Hier profitieren die Ausstellungsmacher in hohem Maße von der eigenen Expertise. Werden und wurden unter dem Dach des Programms doch etliche Forschungsprojekte gefördert, die sich dem Thema Tomographie verschrieben haben und damit manchmal direkt, manchmal indirekt mit dem Thema Rohstoffsuche verknüpft sind. 

Leiterplatte mit vergoldeten Kontakten. (Bild: Ulfbastel, Wikimedia Commons)Um den Besuchern einen möglichst spannenden Einblick zu ermöglichen, setzen die GEOTECHNOLOGIEN wie auch bei vorangegangen Ausstellungen auf viel Interaktion. Mitmach-Stationen sollen das Thema aktiv vermitteln. So können beispielsweise Materialeigenschaften getestet werden oder der Rohstoffkreislauf von Gold anhand eines "Drehrades" nachvollzogen werden. Wer weiß schon, dass dieses Edelmetall eben nicht nur in Tresoren lagert oder Ringfinger schmückt, sondern auch in Computerchips oder, in Form von Nanopartikeln, als effektiver Katalysator zum Einsatz kommt.

„Wertvolle Erde“ ist die insgesamt vierte Wanderausstellung, die die GEOTECHNOLOGIEN zusammen mit Experten und Partnern auf die Beine gestellt hat. Geowissenschaftliche Themen, die innerhalb des Programms gefördert werden, auf diese Weise einem größeren Publikum näherzubringen, ist mittlerweile ein fester Bestandteil des Programms und seiner Öffentlichkeitsarbeit. Ute Münch: „Die Geowissenschaften beinhalten viele spannende Themen, die gut und anschaulich erklärt werden können. Die Kombination von Text- und Bildinformation, Filmmaterial, Animationen und Exponaten bieten eine ideale Möglichkeit, die Alltagsrelevanz der Geowissenschaften zu erläutern und sowohl Kinder, Jugendliche und Erwachsene für unsere Themen zu begeistern.“

„Die Milch kommt nicht aus dem Regal im Supermarkt“ – ein Kernsatz vieler Kampagnen, die ein neues Bewusstsein im Umgang mit Lebensmitteln erzeugen sollen. Es könnte sich als lohnend erweisen, den gleichen Weg zu beschreiten, wenn es um die Rohstoffe unserer Erde geht und deutlich zu machen, woher die Materialien kommen, ohne die unser Alltag nicht funktionieren würde. Aluminium, Nickel und Kohle wachsen nicht nach. Wollen wir auch in 100 Jahren noch in einer Hightech-Gesellschaft leben, sollten wir bereits heute anfangen, bewusster mit den Dingen des täglichen Lebens umzugehen.

TM, iserundschmidt 12/2012


„Wertvolle Erde“ wird vom 18. Januar bis 20. Mai 2013 im Japanischen Palais in Dresden zu sehen sein. Der Eintritt ist frei. Die nächsten Stationen sind das Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung GEOMAR in Kiel sowie das Museum Mensch und Natur in München. Als weitere Standorte sind das Deutsche Bergbau-Museum in Bochum sowie das TECHNOSEUM in Mannheim im Gespräch. Mehr Informationen zur Ausstellung und viele Hintergrundinformationen zum Thema Geologische Rohstoffe finden Sie hier.

Näheres zum GEOTECHNOLOGIEN-Schwerpunkt „Tomografie der Erdkruste - Von der Durchschallung zum Echtzeitmonitoring“ finden Sie hier.