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Hot Spot Eifel

erstellt von timo_meyer zuletzt verändert: 17.11.2016 13:36 — abgelaufen

Merapi, Pinatubo, Mayon - allesamt vulkanische Brennpunkte, allesamt weit weg von unserem Alltag. In den Hauptnachrichten begräbt der Ascheregen javanische Dörfer, verschlingen Lavaströme und Glutwolken philippinische Wälder. Was aber, wenn sich die Katastrophe nicht tausende Kilometer entfernt, sondern direkt vor unserer Haustür ereignen würde?

"Dante's Peak" hieß der Katastrophenfilm, in dem Roger Donaldson im Jahre 1997 ein malerisches Bergstädtchen in den Glutwolken eines Vulkanausbruchs untergehen ließ. Ort des Geschehens: die berühmt-berüchtigten Cascade Mountains des US-Bundesstaats Washington. Vor allem dessen Einwohnern dürfte die Handlung recht nahe gegangen sein, hatten viele von ihnen doch 17 Jahre zuvor, von den Vorgärten ihrer Häuser in Longview, Cougar oder Vancouver aus ein fast identisches Szenario live erlebt: die gewaltige Explosion des Mount St. Helens.

Katastrophe im Hintergrund: Familienbild mit dem Aschepilz des Mount St. Helens (1980).

 
Katastrophe im Hintergrund: Familienbild mit dem Aschepilz des Mount St. Helens (1980). Was wäre, wenn ein Vulkanausbruch die bundesdeutsche Idylle erschüttern würde? (c) cameradawktor, Flickr.com

Für uns Mitteleuropäer ist der Schrecken hingegen immer nur bedingt nachvollziehbar. Die geografische Distanz zu den Feuerherden der Erde und nicht zuletzt die Tatsache, dass die letzte vulkanische Aktivität in Deutschland gut 11.000 Jahre zurückliegt, sorgen für einen gewissen emotionalen "Sicherheitsabstand". Was aber, wenn wir uns mitten in Deutschland plötzlich einem Vulkanausbruch gegenüber sehen würden?

Um genau dieses Szenario dreht sich das Buch "Die Flucht der Ameisen" von Ulrich Schreiber - eine nur vordergründig rein fiktive Katastrophengeschichte um einen Vulkanausbruch in der Eifel, die Schreiber in einer Lesung im Rahmen des Internationalen Museumstags und der GEOTECHNOLOGIEN-Wanderausstellung "Unruhige Erde" am 20. Mai im Münchener Museum Mensch und Natur näher vorstellen wird. Während die Ausstellung Naturgefahren rund um den Globus beleuchtet, verlegt der 51-jährige Geologe die zerstörerischen Kräfte der Erde genau dort hin, wo es vielen Ausstellungsbesuchern besonders wehtun dürfte: in ihre eigenen Heimatstädte.

Was, wenn wir uns mitten in Deutschland plötzlich einem Vulkanausbruch gegenüber sehen würden?

Ulrich Schreiber lehrt Allgemeine Geologie an der Universität Essen; zu seinen Arbeitsgebieten zählen die regionale Geologie von Mitteleuropa, die Magmatektonik sowie die Geoökologie. Dementsprechend unterfüttert mit Fachwissen ist sein Buch, das viel mehr sein will als nur fiktive Schauergeschichte. Schreiber versteht seinen Geo-Krimi als Warnung vor der weitgehend unterschätzen Gefahrenzone Vulkaneifel. Hochindustrie, Großstädte und ein dichtes Netz Infrastruktur zieht sich entlang des Rheintals dicht an der einstmals vulkanisch aktiven Eifel vorbei, der Ernstfall einer Eruption wird trotzdem bisher nicht in Notfallplänen, sondern nur in Schreibers Roman durchgespielt. Hier geschieht das Unfassbare: ein Vulkanausbruch erschüttert die Gebiete des Mittelrheins. Im Laufe der Eruption schießen gewaltige Mengen Lava aus einem Steilhang direkt in den Rhein und stauen den Fluss bis in den Oberrheingraben. Lahn- und Moseltal, Mainz und Frankfurt werden überflutet. Doch die wahre Katastrophe steht noch bevor: Als Teile des erkalteten Lavadamms durch Dampfexplosionen weggesprengt werden, droht den Städten Bonn, Köln und Düsseldorf eine vernichtende Flutwelle.

All dies mag im ersten Moment recht unwahrscheinlich klingen, nach Expertenmeinung steckt jedoch mehr als nur ein wahrer Kern in dieser "Geokalypse". Für Wissenschaftler ist ein Wiederaufflammen vulkanischer Aktivitäten in der Eifel durchaus denkbar. Auch Lava-Damm und Flutwelle hat das Rheintal bereits gesehen - nämlich bei einer besonders schweren Eruption vor fast 13.000 Jahren, an deren "Ground Zero" sich später der Laacher-See bildete. Bleibt nur zu hoffen, dass im Ernstfall das von Schreiber beschriebene Frühwarnsystem - hügelbauende Waldameisen statt Sensoren und Messgeräte - auch anschlagen würde. Und dass es jemanden gibt, der die Verhaltensauffälligkeiten der kleinen Krabbeltiere richtig und vor allem rechtzeitig zu deuten vermag.

Lesung "Die Flucht der Ameisen"


Prof. Ulrich Schreiber liest aus seinem Roman und erläutert die geologischen Hintergründe der Handlung um einen Vulkanausbruch in der Eifel. Die Lesung findet statt im Rahmen des Internationalen Museumstags und der Wanderausstellung "Unruhige Erde".
Ort: Museum Mensch und Natur, München
Zeit: Sonntag 20.Mai, 11:00 / 13:00 / 15:00 Uhr

TM, iserundschmidt 05/2007


Das Museum Mensch und Natur in München ist die vierte von insgesamt sechs Stationen der Wanderausstellung "Unruhige Erde", die noch bis zum 19. Januar 2008 durch Deutschland reisen wird. Nach München wird die Ausstellung noch die Städte Bonn und Berlin besuchen. Weitere Informationen zur Wanderausstellung "Unruhige Erde" im Museum Mensch und Natur in München finden Sie hier.

Eine Übersicht zu den weiteren Stationen der Wanderausstellung finden Sie hier.

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