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Kampf gegen die Fluten

erstellt von timo_meyer zuletzt verändert: 17.11.2016 13:36 — abgelaufen

Die verheerenden Hochwasser im Süden und Osten der Republik belegen aktuell wieder auf eindrückliche Weise, dass der Mensch gewaltigen Naturerscheinungen trotz moderner Technik wenig entgegenzusetzen hat. Auf dem (lebens-)wichtigen Feld der Frühwarnung muss weiter geforscht werden.

Hochwasser in der Passauer Altstadt im Juni 2013. (Bild: Stefan Penninger, Wikimedia Commons)Gibt es im Jahr 2013 bereits das nächste „Jahrhundert-Hochwasser“ in der Geschichte unseres Landes? Die Pegelstände in den Krisenregionen sprechen eine eindeutige Sprache: Für viele Städte wie etwa Passau und Magdeburg markiert das diesjährige Hochwasser den höchsten Wasserstand seit Jahrhunderten. Hauptursache der Überschwemmungen sind heftige Regenfälle in den vergangenen Wochen, deren Wassermassen von Boden und Flussläufen nicht mehr aufgenommen werden konnten. Stark betroffen sind Bayern, Sachsen und Thüringen, aber auch in Teilen Österreichs und Tschechien stiegen die Fluten.

Dabei ist das letzte rekordverdächtige Hochwasser in den Köpfen der Deutschen noch gut präsent: 2002 trat die Elbe über ihre Ufer, kostete allein in Dresden 21 Menschen das Leben und verursachte bundesweit geschätzte Schäden von rund 15 Milliarden Euro. Besonders in Krisenzeiten wird die Frage, ob und wie man sich vor solchen Ereignissen schützen kann und ob ihre effektive Vorhersage möglich ist, intensiv in der Öffentlichkeit diskutiert.

Das Heimtückische an Hochwasser ist naturgemäß, dass es in unregelmäßigen Intervallen und nach jahrelanger, manchmal auch jahrzehntelanger Pause auftreten und so die Bevölkerung überraschen kann. Warnendes Beispiel der Folgen von vernachlässigten Vorkehrungsmaßnahmen und einem stockend anlaufenden Katastrophenmanagement ist die Hamburger Sturmflut im Jahr 1962. Damals starben 340 Menschen und große Teile der Hansestadt und ihrer Umgebung wurden verwüstet.

Die von Hochwasser verursachten Überschwemmungen sind dabei nicht nur eine Gefahr für Menschen und Gebäude; Brücken können von den Fluten mitgerissen und Mure oder Erdrutsche ausgelöst werden. Außerdem waschen die Wassermassen mitunter chemische Substanzen aus den Böden oder zerstörten Industrieanlagen und verteilen deren Gefahrstoffe weitflächig in dem überschwemmten Gebiet.

Vielfältige Ursachen

Wie auch beim Hochwasser in Deutschland 2013 sind häufig starke Regenfälle in Kombination mit an menschliche Bedürfnisse angepasste Flussläufe die Auslöser für einen Anstieg des Wasserpegels: Da in Industrienationen viele Flüsse zu Gunsten der Schifffahrt begradigt und teilweise betoniert sind, erhöht sich die Fließgeschwindigkeit des Wassers und das Ausbreitungsgebiet, die sogenannte Retentionsfläche, verringert sich – das Wasser tritt schneller über die Ufer. Kommt im Frühling dann noch Schmelzwasser hinzu, kann sich die Situation enorm verschärfen.

Lebendige Flussaue an einem Seitenarm der Oder. (Bild: Dellex, Wikimedia Commons)Vielerorts fielen Auenwälder entlang der Flussläufe Begradigungen oder Bebauung zum Opfer. Früher dienten Pflanzen als eine Art Dämpfer bei Hochwasser, da sie das Wasser wie einen Schwamm aufsaugen konnten; in Zeiten mit wenig Niederschlag gaben sie das Wasser langsam wieder an ihre Umgebung ab. Ebenso wurde durch Auwald die Fließgeschwindigkeit des Wassers reduziert. Heute führt die steigende Versiegelung von Land an Flussläufen dazu, dass Regenwasser nicht in den Grund sickert, sondern über Kanäle in die nächsten Flüsse geleitet wird, welche dadurch zusätzlich ansteigen. Ein weiterer Grund, der unter Forschern diskutiert wird, ist die Verbindung zwischen Klimaerwärmung und zunehmenden extremen Wetterphänomenen wie zum Beispiel Starkregen, der das Überschwemmungsrisiko erhöht.

Dennoch liegen die Ursachen für Hochwasser natürlich nicht ausschließlich beim Menschen, schließlich kam es auch lange vor der Industrialisierung schon zu großflächigen Überschwemmungen. Die Wucht dieser Naturphänomene macht ein funktionierendes Risikomanagement zusammen mit Frühwarnsystemen essentiell. Dazu gehören Präventivmaßnahmen, die das steigende Wasser auffangen oder ableiten sollen, wie die Entsiegelung und Renaturierung von Überflutungsflächen und die Konstruktion von Rückhaltebecken für Regenwasser. Darüber hinaus entschleunigen Buhnen und Deiche das Wasser und verringern dadurch das Schadenspotential. Ebenso müssen bautechnische Vorsichtsmaßnahmen ergriffen werden, wie die Kalkulation von Hochwasser in der Nähe von Gewässern oder ein Baustopp in gefährdeten Gebieten.

Die Vorwarnzeit bei steigendem Hochwasser lässt sich durch den Einsatz technischer Methoden wie Satelliten- und Radarüberwachung oder automatischen Pegelmessstationen erhöhen. In Forschungsvorhaben wie dem vom BMBF von 2005–2008 geförderten Projekt RIMAX werden Risikoanalysen und -Managementkonzepte mit vielversprechenden technologischen Entwicklungen kombiniert. Ebenso werden historische Aufzeichnungen von Hochwasserereignissen vergangener Jahrhunderte, langfristige Veränderungen von Hochwasserrisiken durch Klimaveränderungen sowie das Risikobewusstsein der Bevölkerung in von Hochwasser bedrohten Regionen untersucht.

SMM, iserundschmidt 06/2013


Außerhalb Europas, vor allem im pazifischen Raum und im indischen Ozean, ist die Überflutungsgefahr durch Tsunamis besonders hoch. Die GEOTECHNOLOGIEN engagierten sich deshalb mit den Projekten LASTMILE und WeraWarn an der Erforschung von Frühwarnsystemen gegen Naturgefahren.