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Meere voller Energie

erstellt von timo_meyer zuletzt verändert: 17.11.2016 13:36 — abgelaufen

Am und im Meeresboden schlummern vom Menschen noch völlig unangetastete Energiereserven. Riesige Methanhydrat-Vorkommen könnten eine vergleichbare Energieversorgung wie die seit langem intensiv genutzten Erdgasvorkommen sicherstellen. Ihr Abbau ist aber nicht ohne Risiko.

Gefrorene Gase, so genannte Gashydrate, bilden sich vor allem an den Kontinentalrändern. Im flachen Schelf und an den zum Tiefseebecken leicht abfallenden Kontinentalhängen herrschen bei hohem Druck und niedrigen Temperaturen ideale Bedingungen für ihre Entstehung. Ändern sich diese äußeren Einflüsse, drohen dramatische Konsequenzen: „Kommt es zu einem rapiden Klimawechsel, können nach Expertenmeinung Gashydrat-Vorkommen schlagartig freigesetzt werden. Bei einem der bestuntersuchten Ereignisse dieser Art vor 55 Millionen Jahren ist hierbei ein Großteil der in der Bodenzone des Meeres lebenden Tiere ausgestorben“, erklärt Professor Gregor Rehder vom Leibniz-Institut für Ostseeforschung in Warnemünde. Neben Temperatursprüngen können aber auch tektonische Ereignisse die Ursache dafür sein, dass Gashydrate große Mengen Kohlenstoff abrupt in das maritime Kreislaufsystem abgeben.

Nicht nur der Tiefsee-Fauna droht Ungemach, wenn Methanhydrat plötzlich freigesetzt wird. Durch die blitzartige Veränderung der Konsistenz des Meeresbodens können an den Gefällen der Kontinentalränder untermeerische Schlammlawinen ausgelöst werden – Schäden an Seekabeln oder Bohrinseln sind die möglichen Folgen. Im schlimmsten Fall bildet sich, wie in Frank Schätzings Bestseller „Der Schwarm“ beschrieben, ein ausgewachsener Tsunami. Durch eine Konzentration auf ebene (Tiefsee-)Gebiete lässt sich dieses Risiko bei einem angedachten Abbau der Methanhydraten aber minimieren.

Eine wirtschaftliche Nutzung der Gashydrat-Vorkommen, in denen nach Schätzungen von Experten insgesamt mehrere 1.000 Gigatonnen Kohlenstoff gespeichert sein könnten, wird daher intensiv erforscht. Auch in Deutschland, wo es gar keine nennenswerten Gashydrat-Reservoirs gibt,  beschäftigen sich Wissenschaftler mit dieser potenziellen Energieoption. „Es ist sicherlich noch zu früh, um in größerem Umfang über belastbare Ergebnisse zu berichten, die Marschrichtung ist aber klar“, ist sich Gregor Rehder sicher: „Wir wollen Länder wie Indien, Taiwan oder Brasilien, in denen es große Vorkommen von Gashydraten gibt, in Zukunft mit entsprechend ausgereifter Technologie versorgen, die auch Umweltaspekte nicht außer Acht lässt.“

So befasst sich das GEOTECHNOLOGIEN-Projekt SUGAR, dessen Forscherteam auch Rehder angehört, neben dem Abbau von Methan auch mit einer gleichzeitigen Verpressung von Kohlenstoffdioxid in die freiwerdenden Hohlräume des Meeresbodens. Dies würde einerseits die Stabilität der mitunter fragilen submarinen Sedimente sicherstellen können. Den größten Vorteil am angedachten Verfahren sieht Rehder aber bei einen anderen Aspekt: „Durch eine CO2-Sequestrierung in die Lagerstätten sorgen wir für eine verbesserte Umweltbilanz bei der Gewinnung.“

Mit einem möglichen Abbau von Gashydraten, in welchen Meeren man sie in großen Mengen findet und womit sich die Forscher auf diesem Gebiet gerade intensiv beschäftigen, zu diesen Fragen weiß Rehder am 1. Oktober im Rostocker Schiffbau- und Schifffahrtsmuseum Interessantes zu berichten. Auch mögliche Gefahren bei einer Destabilisierung von Gashydratschichten klammert Gregor Rehder in seinem Vortrag im Rahmen der GEOTECHNOLOGIEN-Wanderausstellung „Unruhige Erde“ dabei nicht aus.

Vortrag: „Gashydrate: Vorkommen, Bedeutung im Erdsystem und potentielle Nutzung“

Wo: Schiffbau- und Schifffahrtsmuseum Rostock, auf dem Traditionsschiff, Liegeplatz Schmarl, Industriestraße 15, 18069 Rostock

Wann: 01.10.2009, 17:00 Uhr

RD, iserundschmidt 09/2009


Weitere Informationen zur Station der Ausstellung „Unruhige Erde“ in Rostock finden Sie hier.

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