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Power aus dem Entenschnabel

erstellt von timo_meyer zuletzt verändert: 17.11.2016 13:36 — abgelaufen

Die Förderung von Offshore-Erdgas ist in Deutschland im wahrsten Sinne des Wortes einmalig. 400 Millionen Kubikmeter des fossilen Energieträgers strömen derzeit jedes Jahr durch die einzige deutsche Förderplattform A6-A. 300 Kilometer vor der Küste gibt es nun Grund zu feiern: A6-A wird zehn Jahre alt.

Der 19. September 2000 ist in der Geschichte der hiesigen Energieversorgung ein besonderes Datum. Seit diesem Spätsommertag im Milleniumsjahr kann sich Deutschland zum Kreis der Offshore-Erdgasförderer zählen. Nach 18 Monaten Bauzeit nahm damals die Förderanlage A6-A ihren Dienst im so genannten Entenschnabel auf, ein schmaler Ausläufer des deutschen Nordseeterritoriums, der seinen ungewöhnlichen Namen seiner markanten Form verdankt.

Sechs Stelzen halten die Förderplattform seitdem sicher über Wasser. Für die nötige Stabilität wurden diese meterdicken Rohre 150 Meter tief im Grund der Nordsee verankert. Noch weitaus tiefer drangen zwischen 1999 und 2006 fünf Produktionsbohrungen in den Meeresgrund vor. Auf dem Weg zum Erdgasfeld ging es zunächst rund 2000 Meter senkrecht in die Tiefe, dann arbeiteten sich die Bohrmeißel weitere 600 bis 800 Meter nahezu horizontal durchs Erdreich. Durch dieses horizontale Vordringen wurde gewährleistet, dass die Bohrung der anvisierten Trägerschicht folgt und so die Erdgasvorkommen wesentlich ertragreicher angezapft werden können als bei einer vertikalen Erschließung. Heute steuert die Förderanlage im Entenschnabel immerhin rund fünf Prozent zur deutschen Erdgasproduktion bei.

Allein auf weiter Flur

Allein auf weiter Flur: Die Förderplattform A6-A in der deutschen Nordsee (Bild: Wintershall Holding GmbH).


Das Erdgas, auf das erste Probebohrungen bereits 1974 stießen, hat eine lange Entstehungsgeschichte hinter sich. Vor 300 Millionen Jahren erstreckten sich im Gebiet des Entenschnabels noch kein Meer, sondern gewaltige Sumpflandschaften. Biomasse versank im Morast und wandelte sich unter Luftabschluss in langwierigen Prozessen zu Torf. Schließlich drängten überlagernde Sedimente den Torf in tiefere Gesteinsschichten, wo er sich aufgrund des vergrößerten Drucks und den höheren Temperaturen dieser Schichten zunächst in Braun-, später in Steinkohle, dem Erdgas-Muttergestein, wandelte.

Bohrungen wie die im Entenschnabel zeigen, wie lohnend es ist, sich näher mit der Erforschung unseres Untergrunds zu beschäftigen. Im Rahmen des FuE-Programms GEOTECHNOLOGIEN werden entsprechende Projekte deshalb bereits seit vielen Jahren gefördert – sei es in bereits abgeschlossenen Forschungsschwerpunkten wie den „Innovativen Technologien zur Erkundung des Untergrundes“ oder dem gerade gestarteten Kernbereich „Tomografie der Erdkruste – Von der Durchschallung zum Echtzeitmonitoring“.

Letzterer deckt die ganze Bandbreite der Untergrunderkundung ab. So beschäftigt sich beispielsweise das Projekt MIIC mit neuen Abbildungs- und Überwachungsstrategien, die sowohl bei der Inspektion von Untergrundbauwerken Verwendung finden können wie auch bei einer künftigen unterirdischen Verpressung von Kohlendioxid. Und auch zu einer verbesserten Einschätzung von Georisiken wie drohenden Vulkanausbrüchen oder Handrutschungen sollen die Instrumente von MIIC beitragen. Das Projekt TOMOME hat es sich auf die Fahnen geschrieben, für eine nachhaltigere Bewirtschaftung von Grundwasserressourcen zu sorgen, während im Vorhaben MINE neue Verfahren zur Überwachung von Minenregionen, Bergbau und Reservoire entwickelt werden.

Maßnahmen, die zum Teil sicherlich auch seinerzeit bei der Erkundung des Gasfelds tief unter den Wogen der Nordsee einen wertvollen Beitrag hätten liefern können. In dem zehn Quadratkilometer großen Gebiet wurden bei Produktionsbeginn im Jahr 2000 rund 13,5 Milliarden Kubikmeter des Energieträgers vermutet. Zurzeit fördert A6-A davon rund 400 Millionen Kubikmeter im Jahr. Eines Tages aber wird auch das Reservoir im Entenschnabel zur Neige gehen und auf der Förderplattform die letzten Ventile geschlossen werden. Ein Schwimmkran wird die Förderanlage dann Deck für Deck abtragen; die Bohrrohre werden unterhalb des Meeresbodens durchtrennt und mit Betonfüllungen dauerhaft abgedichtet. Wenige Wochen nach ihrem Betriebsende wird an der Spitze des Entenschnabels 300 Kilometer vor der deutschen Küste nichts mehr an die Erdgasförderplattform A6-A erinnern.

RD, iserundschmidt 09/2010


Weitere Informationen zur Förderplattform im Entenschnabel erhalten Sie hier.

Auf den Seiten der GEOTECHNOLOGIEN finden Sie eine genauere Beschreibung der Projekte des abgeschlossenen Förderschwerpunkts „Innovative Technologien zur Erkundung des Untergrundes“ und der neuen Vorhaben des Kernbereichs  „Tomografie der Erdkruste - Von der Durchschallung zum Echtzeitmonitoring“.

 

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