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Treffen der Superlative

erstellt von timo_meyer zuletzt verändert: 17.11.2016 13:36 — abgelaufen

Mehr als 800.000 Einwohner hat die US-amerikanische Westküstenmetropole San Francisco – vom 5. bis 9. Dezember kamen noch einmal 22.500 Geoforscher hinzu. Sie alle waren der Einladung der American Geophysical Union zu ihrer Herbsttagung gefolgt, dem größten geowissenschaftlichen Treffen weltweit. Wir sprachen mit Simon Schneider, innerhalb des FuE-Programms GEOTECHNOLOGIEN für die Bereiche Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie Internet verantwortlich, über seine Eindrücke vor Ort, die wachsende Bedeutung der Bereiche Bildung und Öffentlichkeitsarbeit sowie die Zusammenarbeit mit Übersee.

Moscone Center in San Francisco

Moscone Center in San Francisco - hier trafen sich Anfang Dezember mehr als 22.000 Geoforscher aus aller Welt. (Bild: © Moscone Center)

 

planeterde: Herr Schneider, Sie waren vor knapp zwei Wochen im Namen der GEOTECHNOLOGIEN auf den Fall Meetings der AGU. Wie international ist die Konferenz? Wie viele deutsche Kollegen konnte man dort antreffen?

Schneider: Meiner Einschätzung nach bilden deutsche Geowissenschaftler die größte internationale Gruppe - ich denke, dass wohl über 10 Prozent der Teilnehmer aus Deutschland stammen.

planeterde: Die Session „Earth Science Communication in a Changing Media Landscape” ist von den GEOTECHNONOLOGIEN mit geplant und organisiert worden. Wer war sonst noch daran beteiligt?

Schneider: Es war für uns ein Anliegen, die Veränderten Rahmenbedingungen in der Wissenschaftskommunikation zum Thema einer Session zu machen. Gemeinsam mit Randy Richardson von der University of Arizona haben wir daher das Konzept dieser Session entworfen.

planeterde: Wie muss man sich die Vorbereitungen einer solchen Session vorstellen? Wann fingen die Vorarbeiten an?

Schneider: Für eine eher nicht-wissenschaftliche Session im Rahmen des AGU Fall Meetings ist die Vorbereitung etwas umfangreicher als für einen wissenschaftlichen Vortragsblock. Dies liegt besonders daran, dass wir mit unserem Thema – wie mit den weiteren Sessions im sogenannten Public Affairs Track, also dem Programmteil mit eher kommunikativen Inhalten – eine deutlich größere Gruppe potenzieller Vortragender ansprechen. Es war uns wichtig, möglichst viele Facetten der Wissenschaftskommunikation in eine solche Session einbinden zu können. Daher ist es im Vorfeld notwendig, viele themenrelevante Experten anzusprechen, oft auch solche, die nicht Mitglied der AGU selbst sind oder sogar überhaupt nicht aus den Geowissenschaften kommen. Um zum Beispiel Kommunikationswissenschaftler in eine solche Session einbinden zu können, sind umfangreiche Gespräche über Inhalte, Ziele und Präsentationsformen notwendig. Wir konnten im Vorfeld der Tagung aber einige sehr interessante Redner einladen, so die Autorin eines der bekanntesten Geo-Blogs (Jessica Ball von Magma Cum Laude) und den Ozeanographen Hiroshi Ichikawa, der sich für die stärkere Einbindung von Geothemen in die schulische Bildung in Japan einsetzt.

planeterde: Wie sieht Ihre Arbeit vor Ort aus? Was kam in San Francisco auf Sie zu?

Schneider: Vor Ort ist die meiste Arbeit bereits getan. Die Redner werden im Vorfeld der Tagung über den Ablauf sehr detailliert informiert. So werden Sie darauf hingewiesen, welche technischen Möglichkeiten bestehen und wo sie frühzeitig Ihre Beiträge auf den zentralen Präsentations-Datenbanken hinterlegen können. Etwa eine halbe Stunde vor dem Beginn der eigentlichen Session trifft man als „Session Chair" dann im Vortragsraum ein und hält nach den Rednern Ausschau. Randy und ich haben uns mit den sieben Rednern vorab kurz abgestimmt, wie wir Sie den Zuhörern vorstellen sollen. Zu Beginn der Session haben wir dann eine kurze Einführung in die Thematik präsentiert und schließlich zu den Vorträgen übergeleitet.

planeterde: Auch 2010 waren die GEOTECHNOLOGIEN auf der AGU vertreten. Was hat sich im Vergleich zum letzten Jahr verändert?

Schneider: Seit Jahren ist das AGU Fall Meeting außerordentlich gut organisiert. Aufgrund der immer größeren Teilnehmerzahlen wurden in den letzten Jahren aber einige räumliche Änderungen notwendig. So wurde der Bereich der Firmenausstellung in das sogenannte „West Building" transferiert und die Halle für die Posterpräsentationen deutlich vergrößert. Eine weitere, sehr positive Neuerung ist die Einführung der ePoster. Posterpräsentationen können nun auf die Datenserver des Fall Meetings überspielt werden und so bereits vorab von den Teilnehmern angesehen werden. Dies erlaubt es, deutlich gezielter die entsprechenden Autoren in der Posterhalle aufzusuchen und intensivere Gespräche zu bestimmten Themen zu führen.

planeterde: Über 60 Sessions gibt es allein in den beiden Themenbereichen Education und Public Affairs. Ein Beweis für die wachsende Bedeutung der Öffentlichkeitsarbeit?

Schneider: Ja, das kann man mit gutem Gewissen so interpretieren. Eine Verbesserungen der Rahmenbedingungen im Bereich Education, also der Bildung sowohl in der Schule als auch außerschulisch und in der Universität, ist seit langem ein wesentliches Anliegen der AGU. Das sich in den letzten Jahren auch der Bereich „Public Affairs" als ein wichtiges Element der AGU Tagung etabliert hat, zeigt zudem, dass die hohe gesellschaftliche Relevanz der Geowissenschaften immer stärker wahrgenommen wird. Im Rahmen des AGU Fall Meetings können Wissenschaftler daher auch neben Ihrem wissenschaftlichen Beitrag (denn nur ein Beitrag ist pro Autor erlaubt) einen zweiten Beitrag in Education oder Public Affairs einreichen.

planeterde: Welche Vorteile bringt die aktive Teilnahme an der weltgrößten jährlichen Geo-Tagung mit sich? Welche Auswirkungen hat sie auf die Arbeit des Programms?

Schneider: Uns geht es dabei vor allem um zwei Effekte. Zum einen wollen wir durch unser Engagement die Deutschen Geowissenschaften sichtbarer machen und zur Profilschärfe der deutschen Geoforschung beitragen. Dies zeigt sich auch darin, dass wir in diesem Jahr gemeinsam mit der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Initiative „Research in Germany" einen Informationsstand im Rahmen der Ausstellungen organisieren konnten. Internationale Forscher auf die Chancen und Möglichkeiten wissenschaftlichen Arbeitens in Deutschland hinzuweisen ist dabei ein wichtiges Ziel. Zum anderen wollen wir unseren Projektpartnern und dem internationalen Publikum Erfahrungen und Best Practice Beispiele für die Öffentlichkeitsarbeit geben. Neben der Session zur Wissenschaftskommunikation haben wir daher in diesem Jahr auch eine Posterpräsentation zum Thema "Communicating Complex Science" gezeigt. Hier haben wir Anregungen und Tipps zur Organisation von Ausstellungsprojekten mit geowissenschaftlichen Inhalten gegeben.

planeterde: Die Planung der AGU-Session ist ja nur ein Teil ihrer Zusammenarbeit mit der American Geophysical Union. So gehören Sie ja bereits seit 2008 zum Team des Public Information Committee der AGU, das die Öffentlichkeitsarbeit der Gesellschaft übernimmt. Ist ein weiterer Ausbau dieser engen Beziehungen geplant? Wie sieht hier die weitere Planung für 2012 aus?

Schneider: Für die diesjährige Tagung war ich zudem Mitglied des Programm Committees des AGU Fall Meetings. Unsere Zusammenarbeit mit der AGU ist dabei darauf angelegt, die deutschen Geowissenschaften als wertvollen und engagierten Partner zu promoten. Dies äußert sich zum Beispiel darin, dass wir Deutschland – in Form des US-Büros der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Deutschen Botschaft in Washington – als einen Partner des Science Policy Meetings im April 2012 ins Spiel bringen konnten. Mittelfristig stehen bilaterale Gespräche zu gesellschaftsrelevanten Themen wie Rohstoffmanagement oder der Beobachtung des Systems Erde aus dem Weltraum auf unserer Projektliste. Welche dieser Projektideen realisiert werden, können wir aber erst in einigen Monaten sagen.

planeterde: Herr Schneider, vielen Dank für dieses Gespräch.


Aktuelle Informationen zu den Aktivitäten des FuE-Programms GEOTECHNOLOGIEN finden Sie hier.

TM, iserundschmidt 12/2011