Benutzerspezifische Werkzeuge
Sie sind hier: Startseite Archiv Aktuell Verheerende Kettenreaktion

Verheerende Kettenreaktion

erstellt von timo_meyer zuletzt verändert: 17.11.2016 13:36 — abgelaufen

Immer wieder werden wir von Erdrutschen überrascht und oft, wie beim Unglück am Concordiasee, ist es schwierig, die genauen Ursachen festzustellen. Wird es in der Zukunft möglich sein, Bewegungen des Erdreichs frühzeitig vorauszusehen und Katastrophen mit rechtzeitigen Evakuierungen zuvorzukommen?

Hangrutsch auf die California State Route 140 im Juli 2006. (Bild: Eeekster, Wikimedia Commons)Zunehmend geraten Hänge durch Erdrutsche in Bewegung und bedrohen Wohngebiete und Infrastruktur. So ließ ein plötzlicher Erdrutsch in Nachterstedt in Sachsen-Anhalt ein Haus mit Bewohnern komplett verschwinden, ein zweites wurde zur Hälfte abgerissen und hing als Mahnmal der Unberechenbarkeit der Naturgewalten am Abgrund des Concordiasees. Auch Metropolen wie Rio de Janeiro bleiben nach heftigen Regenfällen von solchen Phänomenen nicht verschont.

Was Erdrutsche auslöst, hat oft mehrere Ursachen. Häufig wird der Untergrund an Hängen oder steilen Bergen durch Unterspülungen oder Eindringen von Regen- oder Schmelzwasser gelockert – bei starken Regenfällen oder leichten tektonischen Bewegungen kann der Untergrund dann sehr schnell nachgeben. Eine Ursache in den Bergen kann zudem in Erosion durch Abholzung liegen, da in der Folge das stabilisierende Wurzelwerk der Bäume fehlt. Auch die Klimaerwärmung trägt einen Teil zu vermehrten Hangrutschungen bei. Das Schmelzen der Permafrostböden und Blockgletscher in den Bergen setzt immer mehr Schmelzwasser und lockeres Material frei. Das ehemals vom Frost zusammengehaltene Material stürzt ungebremst den Berg hinab in Richtung Tal und hinterlässt eine Schneise der Verwüstung.

Schnelle Warnung beim Hangrutsch

Es ist ein kompliziertes Zusammenspiel aus Hangneigung, Bewuchs, Zusammensetzung des Untergrundes und Niederschlagsmengen sowie menschlichen Eingriffen in die Natur, zum Beispiel durch Tagebau, das die die Stabilität des Bodens und das Hangrutschrisiko beeinflusst. Von daher ist es wichtig, Frühwarnsysteme zu entwickeln, die möglichst viele Faktoren einbeziehen, um diese komplexe Kettenrektion aus verschiedenen Umständen besser zu begreifen. Forscher arbeiten mit Hochdruck daran, entsprechende Systeme zu entwickeln, zu verbessern und stetig auszubauen: Sie messen Bewegungen des Erdreichs mit Hilfe von Sensoren, werten Satellitendaten und Niederschlagsmessungen aus. Diese Daten werden mit historischen Berichten von Erdrutschen und ähnlichen Ereignissen verglichen und analysiert.

Ist ein Hang einmal in Gang gesetzt, bleibt oft wenig Zeit für Warnungen und eine eventuelle Evakuierung des Gebietes. Daher ist es wichtig, Messdaten aus möglichst verschiedenen Quellen zusammenzubringen, um Prognosen über gefährdete Gebiete zu erstellen. Ebenso wichtig ist, dass ein funktionierendes Kommunikationssystem in den betroffenen Gebieten vorhanden ist, damit Informationen im Ernstfall schnell an die Bevölkerung weitergeleitet werden können. So werden etwa in den Alpen Abhänge mit erhöhter Felssturzgefahr bereits permanent durch Radargeräte überwacht. Registrieren die empfindlichen Geräte eine verdächtige Bewegung an der überwachten Felswand, senden sie eine Nachricht an Geologen, die ohne Zeitverzug Evakuierungsmaßnahmen und Straßensperrungen einleiten können.

SMM, iserundschmidt 06/2013


Im Rahmen des GEOTECHNOLOGIEN-Forschungsschwerpunktes „Frühwarnsysteme gegen Naturgefahren“ wurden bereits 2006–2010 verschiedene Projekte zum Thema „Hangrutschungen“ gefördert: Das Projekt EGIFF beschäftigte sich mit der „Entwicklung geeigneter Informationssysteme für Frühwarnsysteme“, die Entwicklung eines „3D-Frühwarnsystems für alpine instabile Hänge“ war der Forschungsgegenstand von AlpEWAS, ILEWS arbeitete an einem „Integrativen Frühwarnsystem für reaktivierte Hangrutschungen und Muren“ und SLEWS an der „Entwicklung einer Geodateninfrastruktur als Grundlage von Frühwarnsystemen“.