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Weiße Flecken

erstellt von eschick zuletzt verändert: 17.11.2016 13:36 — abgelaufen

Weite Teile der Arktis sind noch immer unerforscht. Darum ziehen Geowissenschaftler wie Dr. Karsten Piepjohn von der BGR regelmäßig in das Polargebiet. In ihrem Fokus stehen nicht nur die weißen Flecken auf der Landkarte – bislang unbekannte Gebiete –, sondern auch die Welt unter dem Eis.

Der Arktische Ozean. (Bild: NOAA/Dr. Pablo Clemente-Colon)„Auf der Landkarte der Arktis finden Sie immer noch erstaunlich viele weiße Flecken, es gibt noch viel zu entdecken“, so Polarforscher Piepjohn von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR). Die schier endlosen Weiten und die Temperaturen stellen schwierige Bedingungen für die Wissenschaftler und ihr technisches Equipment dar. Während der Expeditionen leben sie bei eisigen Minustemperaturen in provisorischen Zeltlagern oder in engen Kabinen an Bord von Forschungsschiffen. Trotzdem zieht es Forscher wie Piepjohn immer wieder dorthin.

Bodennahe Schichten sind recht einfach zu untersuchen. „An manchen Stellen können wir oberflächliche Gesteine mit dem Geologenhammer untersuchen“, so Piepjohn. Dort fahndet er nach Antworten auf die Frage, wie der Arktische Ozean vor hunderten von Millionen Jahren entstanden ist. Andere Geowissenschaftler streben in die Tiefe, sie erforschen den Ozeanboden. Einen Blick in tief liegende Schichten ermöglichen geophysikalische Methoden wie die Geoelektrik, Seismik, Magnetik und Gravimetrie. Dazu werden elektrischer Strom, Schallwellen und Magnetfelder in den Boden geleitet. Abhängig davon, auf welches Gas, Metall, Gestein oder welche Flüssigkeit es trifft, verändert sich das eingespeiste Signal. So leiten etwa bestimmte Flüssigkeiten Strom besser als Gesteine. Lockere und feste Gesteine wiederum lassen sich unterscheiden, da sie Schallwellen unterschiedlich reflektieren. An der oberirdischen Messstation lässt sich dann ablesen, wie der Untergrund beschaffen ist. Neben wissenschaftlichen Fragestellungen wie die Entstehungsgeschichte des Arktischen Ozeans sind diese Verfahren auch bei der Suche nach Bodenschätzen unverzichtbar geworden.

Ressourcen gehen zur Neige


Seismometer im Einsatz. (Bild: Hannes Grobe/AWI) In einer hochtechnisierten Welt ist der Mensch mehr denn je auf die Verfügbarkeit von geologischen Rohstoffen angewiesen. Unterhaltungselektronik, Alltagsgegenstände, aber auch unsere Mobilität und Energieversorgung fußt zu einem Großteil auf Bodenschätzen, die wir aufspüren und aus der Erde bergen müssen. Doch viele Ressourcen gehen zur Neige. Daher rücken auch zunehmend Gebiete in den Fokus, die noch bis vor nicht allzu langer Zeit als wenig lukrativ galten. So auch die Arktis: „Man vermutet dort viele mineralische Rohstoffe“, so Piepjohn. Experten und die Industrie hoffen auf große Öl- und Gasvorkommen. Bislang waren diese Ressourcen unter einem dicken Eispanzer gesichert, doch dieser zieht sich als Folge des Klimawandels immer weiter zurück. Eine wirtschaftlich rentable Förderung könnte schon bald möglich sein.

Forschungsinstitute wie das Alfred-Wegener-Institut für Polarforschung und Geowissenschaftler des BGR sind indes schon seit langem mit der Erforschung der Arktis beschäftigt. Seit Jahrzehnten beteiligen sich ihre Wissenschaftler an Expeditionen, um die Entstehung der Polarregion und ihren heutigen Zustand zu untersuchen. Für sie spielt die Vereinbarkeit von wirtschaftlichen Interessen mit dem Umweltschutz in der Polarregion eine wichtige Rolle. Die Anrainerstaaten haben zwar das Recht an den vermuteten Ressourcen, doch die internationalen Forscherteams unter Beteiligung der deutschen Wissenschaftler werden aufgrund ihres langjährigen Engagements als wichtige Experten geschätzt. Das könnte der Umwelt zugutekommen.

Über seine Forschung in der Arktis berichtet Dr. Karsten Piepjohn am Sonntag, 16. Februar 2014 ab 10:30 Uhr im Vortrag „Polargeologie. Eisige Rohstoffe“ im Deutschen Bergbau-Museum Bochum. Eine Veranstaltung der „Nachgefragt“-Vortragsreihe im Rahmen der GEOTECHNOLOGIEN-Wanderausstellung „Wertvolle Erde“.

ES, iserundschmidt 02/2014


Im Mittelpunkt der Wanderausstellung „Wertvolle Erde“ stehen das Suchen, Finden und Fördern geologischer Rohstoffe. Auch auf die Rolle geophysikalischer Verfahren zur Fahndung nach Rohstoffen geht die Ausstellung ein und begleitet somit den Forschungsschwerpunkt „Tomografie der Erdkruste“ des GEOTECHNOLOGIEN-Programms. Die Ausstellung ist noch bis zum 16. März 2014 im Deutschen Bergbau-Museum Bochum zu sehen. Nächste Station: 23. März bis 2. November 2014, Museum König, Bonn.