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Wohin mit dem Treibhausgas?

erstellt von timo_meyer zuletzt verändert: 17.11.2016 13:36 — abgelaufen

Seit Veröffentlichung des jüngsten Weltklimareports ist Klimaschutz in aller Munde. Wie gelingt es der Menschheit, künftig weniger Kohlendioxid und sonstige Treibhausgase in die Luft zu blasen?

Auf der Hand liegen zwei Möglichkeiten: die CO2-Produktion grundsätzlich zu drosseln oder das Treibhausgas abzufangen, bevor es in die Atmosphäre entweicht und die Globale Erwärmung ankurbeln kann. Eine andere Herangehensweise propagierte jüngst Milliardär Richard Branson: 25 Millionen US-Dollar bietet der britische Unternehmer für ein Verfahren, das in der Lage ist, Treibhausgase in großer Menge aus der Atmosphäre zu entfernen. Berühmtestes Mitglied der Preisjury ist der ehemalige US-Vize-Präsident Al Gore, mittlerweile weniger durch seine politische Vergangenheit als vielmehr durch sein Klimaschutz-Engagement berühmt.

Während Bransons Ausschreibung allerdings wohl mehr "eine symbolische Geste sei", wie der britische Umweltexperte und Diplomat Crispin Tickell kürzlich erklärte, arbeiten Forscher schon längst an konkreten Projekten in Sachen CO2-Problematik - allerdings mit einer anderen Herangehensweise. Das bloße Herausfiltern aus der Luft (wie von Branson ins Spiel gebracht) oder aus Kraftwerksdämpfen ehe diese in die Atmosphäre gelangen (was im Trend aktueller Forschungen liegt) ist nämlich nur ein kleiner Teil der Aufgabe. Es bleibt die Gretchenfrage: wohin mit den Treibhausgasen, allen voran dem Kohlendioxid?

Auf eben diese Frage eine Antwort zu finden, das ist das Ziel diverser deutscher Forschungsprojekte, die im Rahmen des GEOTECHNOLOGIEN-Programms gefördert werden. Die Möglichkeiten, die unter dem Motto "Technologien für eine sichere und dauerhafte Speicherung des Treibhausgases CO2" erprobt und erkundet werden, reichen von der Einlagerung des CO2 in Kohlegruben und "Saline Aquifere" bis hin zum Recycling des Kohlendioxids durch biochemische Umwandlung in den fossilen Brennstoff Methan.

Die untersuchten Möglichkeiten im Einzelnen:

•Die Lagerung von Kohlendioxid in ausgedienten Kohlegruben oder unterirdischen Gesteinsschichten - darum geht es beim Projekt CO2-TRAP. Die Idee: CO2 wird entweder von der Kohle gebunden ("adsorbiert") oder gelöst in Wasser in den Untergrund gepumpt, wo es sich als Kalk abscheidet.

•Projekt CSEGR untersucht die Speicherung von Kohlendioxid in tiefliegenden Erdgasreservoirs. Ziel der Geoforscher: Das CO2 soll nicht nur im Untergrund bleiben, es soll sich auch nützlich machen und per "Enhanced Gas Recovery" letzte Kubikmeter Erdgas aus versiegenden Lagerstätten pressen. Hierfür wird CO2 mit Hochdruck in den Untergrund gepumpt und infolgedessen Erdgas zu Tage gefördert.

•"Saline Aquifere" sind poröse, von mineralhaltigem Wasser getränkte Sedimentschichten. Projekt COSMOS geht der Frage nach, ob solche Formationen als CO2-Deponie geeignet sind.

•RECOBIO erforscht die biochemische Umwandlung von Kohlendioxid in Methan. Bewirkt wird dieser Prozess von Mikroorganismen, die in tiefliegenden Erdschichten natürlicherweise vorkommen. Das so entstandene Methan könnte als fossiler Brennstoff genutzt werden. Bei dessen Verbrennung würde Kohlendioxid freigesetzt, das - zurück in den Untergrund geleitet - erneut zu Methan umgesetzt werden könnte. Folge dieses Recyclings wäre ein geschlossener Kohlenstoffkreislauf.

•Das Forschungsprojekt CDEAL kombiniert die CO2-Deponie mit der Entsorgung von Rückständen aus dem Braunkohle-Tagebau. Ziel der Wissenschaftler ist es, mit saurem Wasser geflutete Grubenseen und ätzenden Schlamm mit Kohlendioxid zu neutralisieren. Ergebnis der Behandlung wären Karbonate - insbesondere unbedenkliches Kalziumkarbonat (Kalk).

Auch Sicherheits-Aspekte und Machbarkeitsstudien sind unverzichtbarer Bestandteil des Programmschwerpunkts. Speziell der Überwachung und Kontrolle von zukünftigen CO2-Speicherstätten widmen sich die folgenden Projekte:

•CHEMKIN entwickelt neue Sensoren für extreme chemische und physikalische Umgebungen, die die permanente Überwachung eines Kohlendioxidspeichers ermöglichen sollen.

•Per Druck- und Schallwellen direkt in die CO2-Lager "hineinsehen", das will das Projekt CO2CRS. Ziel ist eine verlässliche Überwachung durch seismische Abtastung.

•BENCHMARKS untersucht die CO2-Speicherung von der virtuellen Seite. So sollen numerische Simulationen die CO2-Ausbreitung im Untergrund nachvollziehen und Speicherkapazitäten von Aquiferen und anderen Lagerstätten schon im Vorfeld berechnen.

•Eine Vielzahl von CO2-Speicheroptionen einer umfassenden Sicherheits- und Risikoanalyse zu unterziehen, diese Aufgabe hat CO2-UGS-RISK. Die Federführung dieses Projekts hat die Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) in Braunschweig.

MN, iserundschmidt 02/2007


Weitere Informationen:

Eine Zusammenfassung des Weltklimaberichts vom Febr. 2007 liefert das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung.

Alle GEOTECHNOLOGIEN-Projekte zum Thema CO2-Speicherung finden Sie hier.

Weitere Einblicke liefern innerhalb des planeterde-Portals die Artikel "Klimakiller in Dunkelhaft? Interview mit Dr. Ludwig Stroink" sowie "Klimaschutz im Untergrund: das Projekt CO2 TRAP".

Mehr zu Richard Bransons Umweltpreis "Virgin Earth Challenge" finden Sie hier.

Verweise
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