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Auge in Auge mit dem Anwender

erstellt von timo_meyer zuletzt verändert: 17.11.2016 13:36 — abgelaufen

Auf den Umwelt- und Energiefachmessen TerraTec und enertec trafen Ende Januar in Leipzig fast 10.000 Besucher auf über 500 Unternehmen und Institutionen aus 16 Ländern. Unter den Ausstellern war auch das Forschungs- und Entwicklungsprogramm GEOTECHNOLOGIEN.

Immer wieder stellt sich das GEOTECHNOLOGIEN-Programm auf Messen und in Ausstellungen dem Fachpublikum aber auch der Öffentlichkeit vor. In Leipzig ging es vom 25. bis 27. Januar um Innovationen aus den Bereichen Umwelt- und Energietechnik und hier vor allem um Themen wie den erneuerbaren Energien, der Energieeffizienz, Recycling, Wasserversorgung, Bodenschutz und Ressourceneffizienz. Wie die GEOTECHNOLOGIEN in dieses Themenspektrum passten und warum Messeauftritte ein wichtiges Element der Programmarbeit sind, darüber sprachen wir mit Werner Dransch – Geograph und innerhalb des Koordinierungsbüros für den Bereich der Wissenschaft-Wirtschaft-Kooperationen zuständig.

planeterde: Herr Dransch, die TerraTec fand dieses Jahr ja zusammen mit der enertec statt. Auf welchem Teil waren die GEOTECHNOLOGIEN anwesend?

Dransch: Auf der TerraTec, auf der Umweltmesse.

planeterde: Was für Überschneidungen gibt es zwischen einer Umweltmesse und einem Programm wie den GEOTECHNOLOGIEN?

Dransch: Umwelt, das heißt ja immer auch Daten erfassen, Daten analysieren, Daten bewerten. Dazu zählt auch das Erfassen, Analysieren und Bewerten von Veränderungen in der Umwelt wie beispielsweise Hangrutschungen und Felsstürze. Die Entwicklung von Überwachungssystemen, die zur Frühwarnung gegen Naturgefahren eingesetzt werden können, wurde im Rahmen des GEOTECHNOLOGIEN-Programms gefördert. Ein Schwerpunkt der Umweltmesse war dieses Jahr die Mess-, Steuer-, Regel-, Analyse- und Prozessleittechnik (MSR) – das war ein weiterer Aufhänger.

planeterde: Ist das Feedback der Besucher bzw. auch das Publikum selbst anders als, sagen wir mal auf einer Standard-Geomesse? Gibt es da spürbare Unterschiede?

Dransch: Auf jeden Fall. Auf einer Standard-Geomesse – ich setze das mal gleich mit unseren normalen wissenschaftlichen Konferenzen wie etwa der der Deutschen Geophysikalischen Gesellschaft – sind überwiegend Wissenschaftler anwesend. Firmenvertreter sind auch anwesend, aber weniger als Besucher als vielmehr als Aussteller. Auf der TerraTec war das ganz anders. Hier konnten wir auch den Endanwender erreichen.

planeterde: D.h. dort schauen dann nicht nur Leute vorbei, die sich nur umschauen wollen, sondern auch Besucher, die ganz gezielt auf Sie zukommen, Sie auf mögliche Kooperationen ansprechen etc.?

Dransch: Richtig. Und es geht sogar noch einen Schritt weiter. Ich habe mich auf der Umweltmesse natürlich auch selbst umgesehen und geschaut, welche anderen Firmen für uns noch von Interesse wären.

planeterde: Sie sind also nicht nur passiver Präsentator der GEOTECHNOLOGIEN, sondern gehen auch aktiv auf andere Messeteilnehmer zu?

Dransch: Auf jeden Fall. Es geht darum, die von den Wissenschaftlern entwickelte Technologie zu vermarkten, Endanwender und Kunden zu finden, deshalb spreche ich auch die jeweiligen Firmen direkt an.

planeterde: Sie haben eingangs bereits den Bereich Frühwarnung angesprochen – mit welchen Projekten waren Sie denn auf der TerraTec vertreten? Haben Sie dort noch mehr Schwerpunkte aus dem GEOTECHNOLOGIEN-Programm vorgestellt oder nur eine kleine Auswahl?

Dransch: Wir haben uns auf dieser Messe auf die Präsentation eines Sensorsystems, welches von der RWTH Aachen zur frühzeitigen Registrierung von Hangrutschungen entwickelt worden ist, konzentriert. Das Projekt heißt SLEWS – eine Kurzform für "A Sensorbased Landslide Early Warning System“.

Sensorknoten

SLEWS-Sensorknoten mit Energieversorgung durch Solarpanel – Geo-Hightech zum Anfassen auf der TerraTec 2011 (Bild: Werner Dransch)

planeterde: Die Förderung für das Projekt SLEWS ist nach drei Jahren Laufzeit ja im letzten Jahr ausgelaufen. Sind denn jetzt im Rahmen der Messe auch neue Projekte initiiert, neue Schwerpunkte angestoßen worden?

Dransch: Drei Gespräche haben uns gezeigt, dass großes Interesse der Firmen besteht. So kann das System für die Überwachung von Kippenböschungen im Tagebau, aber auch von Deichen und Talsperren eingesetzt werden. Firmen und Kommunen möchten das System gerne nutzen.

planeterde: Wie bereitet man sich auf solche Gespräche oder auch ganz allgemein auf einen Auftritt auf einer Messe vor? Was geschieht im Vorfeld einer solchen Veranstaltung?

Dransch: Zunächst einmal ist die Auswahl der Messe wichtig. Für uns stehen die Fachmessen immer im Vordergrund und weniger Großveranstaltungen wie die CeBIT oder die HANNOVER MESSE. Auch schauen wir immer danach, wo es einen potenziellen Markt für unsere Technologie gibt, wo ein Absatzmarkt sein könnte. Und der dritte Punkt betrifft die Aussteller selbst. Im Vorfeld schaue ich mir die bisherigen Aussteller genauer an, die auf der letzten Messe vertreten waren. Diese kommen ja wahrscheinlich wieder. Ich habe vor der Messe auch eine Art Messeakquise durchgeführt, indem ich potenzielle Interessenten angerufen oder per Email informiert habe, dass ich vor Ort bin mit der Technologie und wo genau unser Stand ist.

planeterde: … dass diese also, wenn sie sich die Technologie live anschauen wollen, dort hinkommen und sich dort auch mit Ihnen treffen können.

Dransch: Mit mir und mit den verantwortlichen Wissenschaftlern, die ihre Technologie vorgestellt haben.

planeterde: Heißt das, dass wenn Sie jetzt ein Projekt auf einer Messe vorstellen, immer auch direkt die Wissenschaftler anfragen, ob Sie vor Ort als Ansprechpartner zur Verfügung stehen wollen?

Dransch: Ganz genau. Eine solche Messepräsentation ist mehr als wünschenswert, da ich ja bereits im Vorfeld der Messe gezielt potenzielle Interessenten angesprochen habe. Wenn ich dann als Interessierter 100 oder auch 200 Kilometer zu einer Messe fahre, dann will ich auch mehr erfahren als mir nochmal den Flyer anzusehen, den ich bereits erhalten habe.

planeterde: Letzte Frage: Können Sie schon sagen, auf welcher Messe Sie als nächstes die GEOTECHNOLOGIEN in dieser Form präsentieren werden?

Dransch: Im Fokus haben wir zurzeit Wasser-/Abwasser-Messen. Schließlich haben wir im Themenschwerpunkt „Mineraloberflächen: Von atomaren Prozessen zur Geotechnik“ ja auch Projekte, die sich mit der Wasseranalyse, Wasseraufbereitung und Wasserreinigung beschäftigen. Bevor wir allerdings sagen können „wir sind auf jeden Fall auf dieser oder auf jener Messe“ müssen wir mit den Wissenschaftlern noch besprechen, ob diese Zeit und Interesse haben, ihre Technologie zu präsentieren.

planeterde: Herr Dransch, vielen Dank für dieses Gespräch.


Die einzelnen Projekte des Schwerpunkts „Mineraloberflächen: Von atomaren Prozessen zur Geotechnik“ sind hier genauer aufgeführt. Mehr Informationen zum Projekt SLEWS finden Sie hier und natürlich auf planeterde.

TM, iserundschmidt 03/2011