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Merianlog #7: Gute Daten, schlechte Daten

erstellt von eschick zuletzt verändert: 06.06.2016 10:35

Das ist nichts Neues: Schlechte Daten sind schlimmer als gar keine Daten! Jeder, der schon einmal mit verdächtig seltsamen oder unsinnigen Werten arbeiten musste, die ihm Instrumente geliefert haben, wird dieser Aussage zustimmen. Umso glücklicher ist Dasha Atamanchuk, Autorin dieses Merianlogs, über ihre Ergebnisse.

Das Team der kanadischen Dalhousie University an Bord der Merian wird von einer starken Motivation getrieben, die die Wissenschaftler rund um die Uhr Wasserproben nehmen und auswerten lässt. Ihr Ziel ist es, qualitativ hochwertige Daten für die Sauerstoffsensoren an der CTD-Rosette, dem von den Kanadiern installierten SeaCycler (vgl. Merianlog #6) sowie anderen Verankerungen zu erhalten.

Arbeitsroutine: Dasha und Kat analysieren Proben gleichzeitig mit zwei unterschiedlichen Winkler-Sauerstoff-Systemen. (Bild: Dasha Atamanchuk)

Arbeitsroutine: Dasha und Kat analysieren Proben gleichzeitig mit zwei unterschiedlichen Winkler-Sauerstoff-Systemen. (Bild: Dasha Atamanchuk)


Allein der SeaCycler ist mit 13 verschiedenen Sensoren ausgestattet, die mit In-Situ-Messwerten kalibriert werden müssen. Einige Wasserproben können bereits direkt im Chemielabor an Bord prozessiert werden. Die übrigen werden gekühlt und zur Analyse nach Dalhousie in Halifax, Kanada, geschickt.

Was wird nun im Labor gemacht?

Das GEOMAR - Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel und die Dalhousie University haben zwei sogenannete Titrationssysteme zur Verfügung gestellt, mit denen die Wasserproben an Bord analysiert werden können. Die Theorie hinter dieser Methode wurde 1888 vom ungarischen Chemiker Lajos Winkler beschrieben. Mit einigen Anpassungen wird sie noch heute, über 100 Jahre später, standardmäßig für die Bestimmung des im Wasser gelösten Sauerstoffes angewendet.

Im Bordlabor haben wir nun also zwei Titrationssysteme, die sich unterschiedliche Methoden zu Nutze machen: Voltammetrie und Colorimetrie. Diese Systeme messen sowohl das Probenvolumen als auch die Konzentration der Reagenzien, also des Stoffes, der den Proben zur Identifikation anderer Stoffe zugesetzt wird. Trotz der unterschiedlichen Methoden stimmen die gemessenen Sauerstoffwerte nahezu perfekt überein. Für beide Teams, GEOMAR und Dalhousie, sind die bisherigen Ergebnisse vielversprechend.

Eine Filterstation für Chlorophyll, CDOM und Nährstoffe wird für die nächste Ladung Wasserproben vorbereitet. (Bild: D. Atamanchuk)

Eine Filterstation für Chlorophyll, CDOM und Nährstoffe wird für die nächste Ladung Wasserproben vorbereitet. (Bild: D. Atamanchuk)

Außerdem werden Proben von Chlorophyll und CDOM (Coloured Dissolved Organic Matter - Eingefärbtes gelöstes organisches Material), die wir in der Labradorsee gewonnen haben, zum Teil bereits an Bord prozessiert und für spätere Analysen aufbewahrt. Ebenso wird mit Nährstoff- und Carbonatproben verfahren.

An die Arbeit der Chemiker schließt sich die Aufgabe an, mithilfe der installierten Geräte aufzudecken, welche Informationen sich im blauen, kalten Wasser der Labradorsee verbergen. Wir sind gespannt auf die weiteren Ergebnisse.

Ihre Dasha Atamanchuk, Wissenschaftscrew MSM54


Blick vom Battery Park auf den Hafen von St. Johns. Im Vordergrund: li. die irische Celtic Explorer, re. die deutsche Maria S. Merian. (Bild: J. Karstensen) Für die Expedition MSM54 macht sich die Maria S. Merian auf den Weg in den Nordatlantik, bis hoch hinauf nach Kanada und Grönland. Das Ziel: Die Wasserbewegungen in der Labrador- und Irminger-See besser zu verstehen. Schließlich beeinflussen die Ströme mit ihrem Weg über die Weltkugel das Klima. Für planeterde berichten die Wissenschaftler um den Kieler Ozeanographen und Fahrtleiter Johannes Karstensen in einem Logbuch von ihrem Alltag an Bord.

Eine Kooperation mit dem GEOMAR Kiel.