Benutzerspezifische Werkzeuge
Sie sind hier: Startseite Logbücher FS M.S. MERIAN: Nordatlantik Merianlog #9: Wie im Fluge

Merianlog #9: Wie im Fluge

erstellt von eschick zuletzt verändert: 13.06.2016 09:53

Die letzte Woche der Ausfahrt MSM54 verging wie um Fluge. Da die Arbeiten an Bord aufgrund der günstigen Wetterverhältnisse und ohne nennenswerte technische Probleme überraschend zügig durchgeführt werden konnten, konnte das Schiff bereits drei Tage früher als geplant in Reykjavik einlaufen. Fahrtleiter Johannes Karstensen zieht im Logbuch ein positives Fazit.

Die Maria S. Merian kam auf ihrer Reise vom kanadischen St. Johns nach Reykjavik auf Island schneller voran als geplant. Das frühzeitigere Einlaufen erlaubte es, dringend notwendige Wartungsarbeiten am A-Rahmen, einem markanten Kran am Heck des Schiffes, durchführen zu lassen.

Ziel der Expedition: Der Hafen von Reykjavík, Island. (Bild: Richard Bartz/Wiki Commons)

Ziel der Expedition: Der Hafen von Reykjavík, Island. (Bild: R. Bartz/Wiki Commons)


Die letzte Woche war wissenschaftlich enorm interessant – wie wir bereits in der Labrador-See sahen, war die diesjährige Vermischung der Wasserschichten mit Tiefen von bis zu 1700 Metern so intensiv, wie seit vielen Jahren nicht mehr. Überraschend war jedoch für uns, dass auch in der Irminger-See ähnliche Vermischungstiefen gefunden wurden.

Erste Abschätzungen legen nahe, dass dies dem Import von kaltem Wasser aus der Labrador-See zu verdanken ist, welches sich offensichtlich rasch nach Nordosten ausgebreitet hat. Daraufhin wurde die Schichtung in der Irminger-See von „Innen“ geschwächt und es könnte, selbst bei nur moderater Abkühlung der Oberfläche, zu einem starken Umwälzen der Wassersäule kommen. Diese Abfolge von Ereignissen wird durch die Daten der letzten Verankerung, die wir während unserer Reise aufgenommen haben, unterstützt.

Schiffsmechaniker Karsten Peters beim Bergen der CTD-Sonde nach einer erfolgreichen Vertikalprofilmessung. (Bild: H. Schmidt)

Schiffsmechaniker Karsten Peters beim Bergen der CTD-Sonde. (Bild: H. Schmidt)

Die Zeit vom letzten Arbeitsgebiet zum Endhafen Reykjavik wurde zum Aufräumen und Packen genutzt. Die letzten „Science-Meetings“ wurden der Anfertigung des Fahrtberichtes gewidmet und natürlich der Diskussion der interessanten Beobachtungen, die wir gemacht haben und die uns in der Zukunft sicher noch weiter beschäftigen werden. Zusammenfassend war die Reise ein großer Erfolg, fast alle verankerten Geräte haben in den zwei Jahren, die sie installiert waren, gut gearbeitet und volle Datensätze geliefert. Die Sonden, die wir an Bord genutzt haben, arbeiteten auch zu unserer großen Zufriedenheit.

Nicht zuletzt sollte noch einmal die sehr gute Stimmung an Bord erwähnt werden. Dazu nochmals ein besonderer Dank an Kapitän Ralf Schmidt und seine Mannschaft. Das Wetter in der letzten Woche war eher grau und neblig, aber die See ruhig und es wurden auf dem Weg nach Island endlich auch einige größere Wale gesehen.

Mit Grüßen aus Reykjavik,

Johannes Karstensen für die Fahrtteilnehmer der MSM54


Blick vom Battery Park auf den Hafen von St. Johns. Im Vordergrund: li. die irische Celtic Explorer, re. die deutsche Maria S. Merian. (Bild: J. Karstensen) Für die Expedition MSM54 macht sich die Maria S. Merian auf den Weg in den Nordatlantik, bis hoch hinauf nach Kanada und Grönland. Das Ziel: Die Wasserbewegungen in der Labrador- und Irminger-See besser zu verstehen. Schließlich beeinflussen die Ströme mit ihrem Weg über die Weltkugel das Klima. Für planeterde berichten die Wissenschaftler um den Kieler Ozeanographen und Fahrtleiter Johannes Karstensen in einem Logbuch von ihrem Alltag an Bord.

Eine Kooperation mit dem GEOMAR Kiel.