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Fjordlogbuch #2: Harry Potters Schnatz

erstellt von eschick zuletzt verändert: 18.07.2016 10:09

Die Ausfahrt MSM56 ist in vollem Gange. Das Team an Bord beprobt nach dem Kongsfjord nun den Scoresby Sund. Abseits dieser Arbeiten erregen in der zweiten Fahrtwoche kleine schwarze Wesen die Aufmerksamkeit der Meeresforscherinnen Mar Fernandez und Helga van der Jagt. Im zweiten Beitrag des Fjordlogbuchs berichten sie davon.




Die Maria S. Merian bei der Einfahrt ins zweite Untersuchungsgebiet. (Quelle: Wünsch/Koch)


Der Scoresby Sund mit seinen 500 Meter hohen Basaltfelsen und zahlreiche Eisbergen. (Foto: B. Koch)
Während eines schönen sonnigen Abends waren wir noch an Deck, um die Sonne zu genießen. Es war ein arbeitsreicher und erfolgreicher Tag, aber den ganzen Tag war uns etwas aufgefallen: Im Wasser waren tausende schwarzer Punkte, die sich schnell bewegten. Wir – natürlich neugierig - hatten gehofft, dass wir vielleicht einige Exemplare mit unserem Multinetz fangen würden, leider erfolglos. Nach der Erlaubnis durch die Brücke haben wir auf ein altbewährtes Mittel zurückgegriffen – die Pütz, an Land auch Eimer mit Seil genannt. Nicht so einfach, die Punkte bewegten sich schnell. Am Ende hat Mar einen Punkt gefangen!

Die Meeresforscherinnen bei der Arbeit: Schwarze Punkte in der schwarzen Pütz. (Bild: D. van de Waal)Und - was waren die mysteriösen schwarzen Punkte? Graziös, mit kleinen Flügeln wie Harry Potters Schnatz? Im Becherglas war es einfacher zu erkennen: eine Flügelschnecke, Pteropod genannt – keine zwei Zentimeter groß! Pteropoden sehen aus wie Schnecken; sie haben ein spiralförmiges Häuschen aus Calciumcarbonat. Deswegen sind sie sehr sensibel gegenüber Änderungen des pH-Wertes im Meerwasser - der sogenannten Ozeanversauerung. Dieser Pteropod ist von der Art Limacina helicina und typisch für polare und nördliche Systeme. Gefressen werden sie durch Tierchen, die aussehen wie unschuldige schwimmende Engel: Ruderschnecken von der Art Clione limacina.

Pteropod-Schnecke von der Art Limacina helicina. (Bild: P. Schmitt-Kopplin)Weil wir Tierfreunde sind, haben wir den schwarzen Punkt wieder vorsichtig ins Meer zurück geworfen. Und am nächsten Tag war das Multinetz voll mit unseren geliebten schwarzen Punkten.

Liebe Grüße aus der Grönlandsee,
Mar Fernandez und Helga van der Jagt, Wissenschaftscrew MSM56


Grönlandmerian (thumb)Das Forschungsschiff Maria S. Merian begibt sich im Juli dorthin, wo der Klimawandel deutlich zutage tritt: in die Arktis. Im Rahmen der Ausfahrt MSM56 untersuchen Geowissenschaftler das Wasser in mehreren Fjorden, um die Auswirkungen steigender Temperaturen und des enormen Süßwassereintrags zu verstehen.
In Kooperation mit dem Alfred-Wegener-Institut berichten die Forscher um Fahrtleiter Boris Koch in einem Logbuch von der Ausfahrt.