Benutzerspezifische Werkzeuge
Sie sind hier: Startseite Logbücher FS SONNE: Indischer Ozean II Indexlog #12: Vom Kleinen zum Großen

Indexlog #12: Vom Kleinen zum Großen

erstellt von eschick zuletzt verändert: 12.10.2017 14:52

Der Kran ächzt, als er den Gewichtskopf aus dem Container ziehen soll. Störrisch ruht die Masse im Dunkeln und sträubt sich, ans Tageslicht befördert zu werden. Aber letztlich ist der Kran stärker und das Gewicht rumpelt hinaus, bis es kurz über dem Deck hängt. Vier Matrosen halten ihn an Seilen in Balance, damit er nicht ausschert.

BGR-Mechaniker Oliver Kefel schraubt ein zehn Meter langes Gestänge an den Gewichtskopf des Schwerelots. (Bild: BGR)

BGR-Mechaniker Oliver Kefel schraubt ein zehn Meter langes Gestänge an den Gewichtskopf des Schwerelots. (Bild: BGR)

Zweieinhalb Tonnen wiegt der Gewichtskopf des Schwerelots. Bei diesem Probenahmegerät ist der Name deshalb Programm. BGR-Mechaniker Oliver Kefel schraubt noch ein zehn Meter langes Stahlrohr an den Gewichtskopf, in dessen Inneren sich ein genauso langes Kunststoffrohr befindet, und das Gerät ist für den Einsatz bereit. Nun wird es senkrecht an einem Seil, mit dem schweren Kopf nach oben und dem leichten Gestänge nach unten, mit einem Meter pro Sekunde bis zum Meeresboden geführt. Durch sein hohes Eigengewicht dringt das Stahlrohr dort in das weiche Sediment ein und stanzt eine Probe heraus. Zurück an Bord werden die Sedimentkerne in den grauen Kunststoffröhren aus dem Schwerelot gezogen und  in praktische, ein Meter lange Segmente geschnitten.

BGR-Mitarbeiter Christian Wöhrl und Andreas Heiner sägen die Sediment-Behälter in zwei Hälften. (Bild: BGR)Danach dauert es nicht lange, bis das durchdringende Kreischen einer Säge an Deck ertönt. Die beiden BGR-Mitarbeiter Christian Wöhrl  und Andreas Heiner schneiden die grauen Behälter der Länge nach auf. Hierbei ist auch schon mal ganzer Körpereinsatz gefragt, damit beide Hälften exakt gleich dick durchtrennt werden.  Erst im Hangar klappen ihre Kolleginnen Simone Sturm und Dr. Antje Wittenberg die Hälften auf: Was auf den ersten Blick nur wie bräunlich matschiger Schlamm aussieht, offenbart dem BGR-Paläoozeanographen Dr. Andreas Lückge wertvolle Informationen über gewaltige Klimaänderungen im Laufe der Erdgeschichte über viele Millionen Jahre.

Simone Sturm und Dr. Antje Wittenberg von der BGR bei der Sedimentprobenahme im Hangar. (Bild: BGR)"Das Sediment besteht hier zu ungefähr achtzig Prozent aus den Kalkschalen von nur ein Millimeter großen Einzellern, den Foraminiferen. Sie leben überwiegend in den oberen zwanzig Metern der Wassersäule. Nach ihrem Absterben sinken sie zum Meeresboden und werden dort sedimentiert", erklärt er und steckt dabei routiniert abgeschnittene Spritzen in immer gleichen, sehr kurzen Abständen in das Sediment. Da die Sedimentationsrate hier im Indischen Ozean durchschnittlich einen Zentimeter pro tausend Jahre beträgt, bildet nur eine einzige Spritze diesen Zeitraum ab.

BGR-Paläoozeanograph Dr. Andreas Lückge beprobt das Sediment vom Meeresboden mit Hilfe abgeschnittener Spritzen."Zehn Foraminiferen genügen schon, um die Sauerstoffisotope an den Kalkschalen dieser Tiere zu messen. Sie geben uns Aufschluss über das Alter der Proben. Damit können wir den Rhythmus von Warm- und Kaltzeiten in den letzten Millionen Jahren rekonstruieren", fügt er hinzu. Die Foraminiferengehäuse dienen auch als Ersatz für ein Thermometer. Die Chemie, also das Verhältnis von Magnesium zu Kalzium der sich bildenden Kalkschalen ändert sich in Abhängigkeit von der Meerwassertemperatur und erlaubt damit eine genaue Information über das Milieu, in dem die Foraminiferen gelebt haben. Auch Paläoozeanograph Unyime Umoh von der  Tongji Universität in Shanghai ist bei der Beprobung im Hangar mit dabei. Er erforscht die Rekonstruktion von Temperaturen anhand von organischem Material in Sedimenten und wird einen Teil der Proben mit nach China nehmen.

Paläoozeanograph Unyime Umoh (Tongji Uni Shanghai, mi.) und die Trainees der Int. Meeresbodenbehörde Sumran Praphat (li.) und Alyaa A. M. Zidan (re.) verpacken Sedimentproben. (Bild: BGR)Bei der Suche nach hydrothermalen Quellen ist es sehr hilfreich, zu wissen, welche Metalle sich wie weit über die Zeit in ihrer Umgebung verteilen. Deshalb werden an den Proben in Hannover auch geochemische Untersuchungen durchgeführt. Erhöhte Metallgehalte im Sediment beispielsweise könnten auf einen Schwarzen Raucher in der Nähe hinweisen. Um diese lokalen Anomalien von globalen wirkenden Umweltänderungen auseinander zu halten, ist die Kenntnis der großräumigen Veränderungen ebenso wichtig. Sie helfen auch bei der Einschätzung, wie sich ein künftiger Abbau auf die Umwelt auswirken könnte.

Viele Grüße von der Sonne,

Bettina Landsmann, BGR-Geologin


Das neue Forschungsschiff Sonne trat seinen Dienst im Frühjahr 2014 an. (Bild: M. Hartig/Meyer Werft)Im Rahmen der Ausfahrt SO259 begibt sich ein Forschungsteam mit Fahrtleiter Ulrich Schwarz-Schampera (Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe) in das deutsche Lizenzgebiet im Indischen Ozean. Dort wollen sie Metallsulfidvorkommen an Schwarzen Rauchern aufspüren.

Im Logbuch für planeterde berichtet das Team direkt von Bord der SONNE.

Eine Kooperation mit der BGR.