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Indexlog #3: Die blaue Wüste lebt

erstellt von eschick zuletzt verändert: 05.09.2017 10:37

Seit Tagen ist die Welt zweigeteilt. Unter uns das Meer. Mit seinem tiefen Blau und gekräuselter Oberfläche mit unzähligen glitzernden Lichtreflexen erstreckt es sich weit bis zum Horizont und wird dort scharf abgeschnitten. Darüber leuchtet der Himmel in lichtem Blau. Darin schweben weiße Wattebälle perlenschnurartig.

Silberne fliegende Fische, nicht größer als Heringe, springen bei voller Fahrt des Schiffes seitlich aus den Wellen hervor und gleiten elegant mit ihren flügelähnlichen Flossen über das Wasser, um kurz darauf wieder für immer ins Blau abzutauchen. Dieser Anblick hat bisher jeden Forscher an Bord fasziniert. Aber gibt es da noch mehr Leben in den Tiefen des Meeres? Und wenn ja, wie würde sich eine zukünftige Förderung der Erzvorkommen am Meeresboden auf die Lebewelt auswirken?  Um dies bewerten zu können, müssen die Forscher erst einmal die Bewohner dieses extremen Lebensraums genau kennen. Die Schwierigkeit dabei ist: Die meisten sind nicht mit bloßem Auge erkennbar.

Die Biologen Klaas Gerdes, Dr. Terue Kihara und Katharina Kniesz verpacken Sedimentproben aus 5000 m Tiefe. (Bild: BGR)

Die Biologen Klaas Gerdes, Dr. Terue Kihara und Katharina Kniesz verpacken Sedimentproben aus 5000 Metern Tiefe. (Bild: BGR)

Drei Biologen vom Deutschen Zentrum für marine Biodiversitätsforschung, Wilhelmshaven, inspizieren  seit Tagen akribisch die frischen Wasser- und Sedimentproben. In ihrem geräumigen Schiffslabor hantieren sie geübt mit Ethanol, Pinzette und Mikroskop. Karibische Rhythmen begleiten sie dabei. Beim Durchschreiten der Wasserschleuse in ihr Labor verbreitet die Musik sogleich gute Laune. Das Team begrüßt mich mit einem einladenden und glücklichen Lächeln. "We have found more animals", freut sich Dr. Terue Kihara.  Nur ein geübtes Auge vermag die äußerst winzigen Krebse, Einzeller und Fadenwürmer  in der im Glasbehälter schwankenden Flüssigkeit zu entdecken, selbst bei großer Vergrößerung.

Die Biologin Dr. Terue Kihara ist Spezialistin für die Lebewelt im Explorationsgebiet. (Bild: BGR)

Die Biologin Dr. Terue Kihara ist Spezialistin für die Lebewelt im Explorationsgebiet. (Bild: BGR)

Die Tiefsee wird oft als Wüste bezeichnet. Grund hierfür ist das geringe Nahrungsangebot. Meist handelt es sich nur um totes organisches Material, dem "Meeresschnee". Spannend wird es deshalb, wenn sie mit einem neuen Fund das Labor von BGR-Techniker Christian Wöhrl betritt. Mit geübter Hand legt er den schwarzen centgroßen Objektträger in sein Rasterelektronen-Mikroskop. Wenige Klicks später erscheint ein Ruderfußkrebs auf dem Monitor. Das Gerät zeigt alle Details des klitzekleinen Krustentieres, ebenso gut wie ein Hummer auf einem Teller in einem Sternerestaurant.

Winzige Ruderfußkrebse unter dem 
Rasterelektronen-Mikroskop faszinieren die Forscher immer wieder.
 (Bild: BGR)

Winzige Ruderfußkrebse unter dem Rasterelektronen-Mikroskop faszinieren die Forscher immer wieder. (Bild: BGR)

Dieser Krebs aus der Unterklasse der "Copepoda" ist nicht größer als die schlammigen Sedimentpartikel, zwischen denen er lebt. Auch in den Wasserproben finden ihn die Forscher. Genau genommen machen Copepoden einen Großteil des Planktons in allen Weltmeeren aus und sind Hauptnahrungsquelle für viele Fische und Meeressäuger. Copepoden sind die "Insekten der Meere". Ihre Anzahl übertrifft die der Landinsekten bei weitem. Sie haben deshalb eine große Bedeutung für das Ökosystem der Ozeane. Für die Forscher ist ihre Kenntnis und Beobachtung ein weiterer Baustein bei der zukünftigen Aufgabe, die Erzvorkommen am Meeresboden so umweltverträglich wie möglich abzubauen.

Viele Grüße von der SONNE,

Bettina Landsmann, BGR-Geologin


Das neue Forschungsschiff SONNE trat seinen Dienst im Frühjahr 2014 an. (Bild: M. Hartig/Meyer Werft)Im Rahmen der Ausfahrt SO259 begibt sich ein Forschungsteam mit Fahrtleiter Ulrich Schwarz-Schampera (Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe) in das deutsche Lizenzgebiet im Indischen Ozean. Dort wollen sie Metallsulfidvorkommen an Schwarzen Rauchern aufspüren.

Im Logbuch für planeterde berichtet das Team direkt von Bord der SONNE.

Eine Kooperation mit der BGR.