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Indexlog #7: Schnüffelschlitten jagt Raucher

erstellt von eschick zuletzt verändert: 25.09.2017 14:44

Endlich blauer Himmel! Sonnenstrahlen überfluten das Schiffsdeck. Die meisten Forscher tragen kurze Hosen und dicke Sonnenbrillen. Das Meer nippt sachte am Schiffsbauch. Es leuchtet tiefblau, ohne weiße Gischt. Wir haben Cluster 12 über dem Südostindischen Rücken erreicht: Ein weißer Fleck in der Tiefsee – noch.


Blick vom Achterdeck der Sonne auf den Indischen Ozean. (Bild: BGR)

Blick vom Achterdeck der Sonne auf den Indischen Ozean. (Bild: BGR)

Der Schnüffelschlitten wird an einem Kabel im Wasser hinterhergezogen.
Auf dem Achterdeck der Sonne laufen die Vorbereitungen für die erste Station zur Erkundung dieses südlichsten Clusters auf Hochtouren. Die spannendste Frage soll zuerst geklärt werden: Gibt es Schwarze Raucher im Untergrund? Wenn ja, dann könnten in der Nähe sehr wahrscheinlich auch inaktive Schlote und damit die gesuchten Sulfid-Erzvorkommen liegen. Um diese Frage zu klären, setzt Fahrtleiter Dr. Ulrich Schwarz-Schampera  zuerst das SOPHI ein. Das Gerät wird von ihm liebevoll "Schnüffelschlitten" genannt. Denn SOPHI findet heiße, schwarze Rauchfahnen aktiver Erzschlote im Wasser.

Geochemikerin Jeannette Meima (BGR) trifft Vorbereitungen für die Tauchfahrt des "Schnüffelschlittens". (Bild: BGR)

Jeannette Meima von der BGR legt noch letzte Hand am BGR-"Schnüffelschlitten" SOPHI an. Das Gerät ist mit vielen Sensoren ausgestattet. Sie messen Anomalien der chemischen Zusammensetzung in der Wassersäule. Zudem sammelt das Gerät auch noch Wasserproben mit ein. Besonders hoch schlagen die Herzen der Forscher, wenn SOPHI in bestimmten Tiefen Unregelmäßigkeiten des Oxidationsvermögens und eine Trübung durch eisenhaltige Partikel anzeigt. Der Chemiker Dr. Gary Massoth (Mass-Ex³) spricht dabei von einem "Plume". Er ist seit Jahrzehnten in allen Ozeanen auf der Jagd nach schwarzen Rauchern unterwegs und hat auch schon viele entdeckt. Mit der BGR zuletzt 2015 im Pelagia-Feld in Cluster 8. "The more you look, the more you find", fasst er seine Erfahrungen zusammen.

Chemikerin Cornelia Kriete (BGR) hält einen sogenannten "MAPR". Er wird am Kabel über dem Schnüffelschlitten befestigt. (Bild: BGR)Nun ist es soweit: Der Sensor-Schlitten wird mit einem Kabel ins Wasser getaucht und bis kurz über den Meeresboden versenkt. Danach schleppt ihn das Schiff über 14 Stunden im Tempo eines Spaziergängers hinter sich her, immer entlang der Grabenachse des Südostindischen Rückens. Dabei wird er ständig wie ein Jo-Jo 400 Meter herauf gezogen und wieder herab gelassen. Vor dem Tauchgang hat BGR-Chemikerin Cornelia Kriete noch drei weitere Sensoren am Kabel angebracht, die "MAPR", in Abständen von jeweils 200 Metern. Insgesamt "beschnüffelt" SOPHI damit einen Tiefenbereich von immerhin 1000 Metern.

Chemiker Dr. Gary Massoth (Mass-Ex³) ist Experte für das Auffinden von Schwarzen Rauchern. (Bild: BGR)Die drei Forscher verfolgen die Messwerte des SOPHI gespannt am Monitor mit. Immer wieder schauen neugierige Gesichter ins Labor: "Habt Ihr schon einen 'Plume' gefunden?" Die drei schütteln den Kopf. Ihre Gesichter blicken enttäuscht drein. Nun heißt es geduldig sein. Vielleicht haben die "MAPR"-Sensoren noch etwas aufgezeichnet. Nachdem SOPHI wieder an Deck ist, werden sie sofort ins Visier genommen. Aber Enttäuschung macht sich breit. SOPHI hat keinen schwarzen Raucher gefunden – und die Jagd geht weiter.

Viele Grüße von der Sonne,

Bettina Landsmann, BGR-Geologin


Das neue Forschungsschiff SONNE trat seinen Dienst im Frühjahr 2014 an. (Bild: M. Hartig/Meyer Werft)Im Rahmen der Ausfahrt SO259 begibt sich ein Forschungsteam mit Fahrtleiter Ulrich Schwarz-Schampera (Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe) in das deutsche Lizenzgebiet im Indischen Ozean. Dort wollen sie Metallsulfidvorkommen an Schwarzen Rauchern aufspüren.

Im Logbuch für planeterde berichtet das Team direkt von Bord der SONNE.

Eine Kooperation mit der BGR.