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Indexlog #9: Die Schatzkarte

erstellt von eschick zuletzt verändert: 04.10.2017 14:14

"Bitte alle lächeln!" rufe ich laut und blinzele durch den Sucher meiner Kamera. Alle Wissenschaftler stehen oder sitzen in zwei Reihen auf dem Wind umtosten Helikopter-Deck. Jeder hält mir ein DINA-4 Blatt mit einem andersfarbigen Buchstaben entgegen. Nur widerwillig geben die wild flatternden Zettel ihre Botschaft preis.

 

Ein besonderer Geburtstagsgruß vom Helikopter-Deck. (Bild: Landsmann)

Ein besonderer Geburtstagsgruß vom Helikopter-Deck. (Bild: Landsmann)

Alle helfen mit und halten Zettel, um einen Gruß nach Hause zu schicken. Zusammen ergeben sie: A L L E S  G U T E  Z U M… Da türmt das "M" und fegt vor unser aller Augen in Richtung offenes Meer, verfängt sich dann aber wie durch ein Wunder an der Reling und die Botschaft bleibt vollständig: "Alles Gute zum 15. Geburtstag Max", lautet sie und ich drücke den Auslöser. Sie ist nur eine der vielen Grußformen von Bord des Schiffes an die Daheimgebliebenen. Einige Forscher haben Kinder, die ihre Mutter oder ihren Vater über die sieben Wochen, die sie hier an Bord arbeiten, nicht bei sich haben. Aber sie können stolz auf ihre Eltern sein: Denn sie suchen nach Erzvorkommen in der Tiefsee, die obendrein Gold und Silber enthalten, und damit sind sie gleichermaßen Schatzsucher.

BGR-Geologe Dr. Ralf Freitag zeigt seine neue topografische Karte von Cluster 12. (Bild: Landsmann)Die wichtigste Grundlage jeder Schatzsuche ist die richtige Karte. Je mehr Details und Hinweise sie enthält, umso besser. Befindet man sich in völlig unbekanntem Gebiet, wie wir hier in Cluster 12, und hat man den Schatz auch nicht selbst vergraben, was ja bei uns ebenso zutrifft, muss zunächst eine Schatzkarte erstellt werden. Das klingt nun paradox, führt aber in der Regel zum Ziel: Die Forscher erstellen eine Karte von einem Schatz, von dem sie nicht wissen, wo er ist, um ihn damit zu finden. Dabei wird wie folgt vorgegangen: Die Basis bildet eine topografische Karte vom Schiffs-Echolot. Die Lagerstättenkundler studieren diese sehr genau. Störungen zeichnen sie als schwarze Linien und Vulkane als rote Punkte ein. Abhängig von ihrer Position in der Grabenstruktur legen sie mit dem Fahrtleiter die Gebiete für das HOMESIDE-Echolot fest. Das HOMESIDE vermisst die Oberfläche des Meeresboden auf den Dezimeter genau, da es nur 100 Meter darüber gezogen wird.

Hydrographen (v.h.): Eric K. Arthur-Mensah, Dilip Adhikari, Tanja Dufek und Melanie Steffen, HCU Hamburg. (Bild: Landsmann)Doch damit nicht genug. "Die HOMESIDE-Karten müssen noch 'verschönert' werden", bringt Tanja Dufek die Arbeit ihres Teams auf den Punkt. Sie und die drei weiteren Hydrographen Dilip Adhikari, Eric K. Arthur-Mensah  und Melanie Steffen von der HafenCity Universität Hamburg, Fachbereich Hydrographie, sind eigens für diese Aufgabe mit an Bord. Denn es gilt, sehr viele Daten mit viel Erfahrung und noch mehr Fleiß zu korrigieren. "Das GPS funktioniert unter Wasser nicht. Deshalb ermittelt ein Gerät am Schiffsrumpf, das 'Posidonia', mit Hilfe von akustischen Signalen, wo und wie schnell sich das HOMESIDE auf seiner Unterwasser-Fahrt bewegt. Da  die Entfernung zwischen Schiff und HOMESIDE teilweise mehrere Kilometer beträgt, kann es zu Fehlern in der Positionierung kommen, die wir dann nachträglich korrigieren", beschreibt sie einen Teil ihres Tuns.

BGR-Elektroingenieur Henning Wedemeyer hat den Video-Schlitten STROMER konstruiert. (Bild: Landsmann)Tatsächlich hat das HOMESIDE auf seiner zweiten Fahrt in Cluster 12 eine Anomalie in der Wassersäule identifiziert. Der Ort wird in der 'verschönerten' Detailkarte mit einem gelben Stern markiert. Mit dieser Schatzkarte sind wir womöglich einem schwarzen Raucher und damit auch den gesuchten Erzvorkommen schon beträchtlich näher gekommen. Doch der Einsatz des BGR-Videoschlittens STROMER an dieser Stelle zeigt ernüchternde Bilder. Einen schwarzen Raucher gibt es hier nicht und die Zeit drängt: Als nächstes steht Cluster 11 auf dem Programm – ein weiterer weißer Fleck.

Viele Grüße von der Sonne,

Bettina Landsmann


Das neue Forschungsschiff SONNE trat seinen Dienst im Frühjahr 2014 an. (Bild: M. Hartig/Meyer Werft)Im Rahmen der Ausfahrt SO259 begibt sich ein Forschungsteam mit Fahrtleiter Ulrich Schwarz-Schampera (Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe) in das deutsche Lizenzgebiet im Indischen Ozean. Dort wollen sie Metallsulfidvorkommen an Schwarzen Rauchern aufspüren.

Im Logbuch für planeterde berichtet das Team direkt von Bord der SONNE.

Eine Kooperation mit der BGR.