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LOGBUCH FS SONNE #9: Fliegen unter Wasser

erstellt von eschick zuletzt verändert: 16.12.2013 18:02

Das Forschungsschiff Sonne ist inzwischen am inaktiven Gauss-Hydrothermalfeld angekommen. Erneut steht ein Tauchgang an, diesmal mit dem "Unterwasserflugzeug". Was es damit auf sich hat und wonach seine Piloten am Meeresboden suchen, erklärt Holger Kroker im heutigen Logbuch-Eintrag.

Abendstimmung mit "Sonne" (Bild: Kroker)Mittlerweile haben wir mit der "Sonne" das inaktive Gauss-Hydrothermalfeld erreicht. Das BGR-Team, das die deutsche Erkundungslizenz für Massivsulfide im Indischen Ozean vorbereitet, hatte es im vergangenen Jahr mit dem ehemals deutschen Forschungsschiff "Fugro-Gauss" entdeckt. Jetzt will man genauer nachsehen, wie es mit dem Metallgehalt in dem alten Feld steht. Mit dem Tiefseeroboter ROV Kiel 6000 an Bord steht ein hervorragendes Werkzeug für die Erkundung des Feldes bereit.

Abegg und Hennke vom ROV-Team umkreisen den ROV im Schlauchboot. Am Steuer: der 1. Offizier der Sonne, Nils Aden. (Bild: Kroker)Inzwischen hat sich der Wellengang so beruhigt, dass Kapitän Oliver Meyer das Schlauchboot klar machen lässt. Das Aussetzen des Tauchroboters können wir heute von der Wasseroberfläche aus verfolgen. Eine Ehrenrunde um die "Sonne" muss natürlich ebenso sein. Behutsam senkt der mächtige Heckgalgen das 3,5 Tonnen schwere Fahrzeug ab, das im Wasser sofort seine Kreise zieht. Strom und Kommandos erhält das ROV durch das fast zwei Zentimeter dicke und 6500 Meter lange Kabel. Über diesen Strang sendet es auch alle Bildinformationen, die live auf die Mattscheiben des Forschungsschiffes flimmern.

Für uns ist der Fototermin mit dem Roboter beendet, das ROV-Team vom Geomar möchte sein Schmuckstück auch einmal in Aktion filmen. Sie haben eine wasserdichte Kamera dabei und können das ROV beim Probetauchen verfolgen. Insgesamt acht Leute betreuen in Fritz Abeggs Arbeitsgruppe den Tauchroboter. Alle von ihnen können das Gerät fliegen, haben bei dem Hightech-Gerät aber sonst spezialisierte Aufgaben.

Blick in den Steuercontainer von ROV Kiel 6000. (Bild: Kroker)Dann begibt sich das Tauchfahrzeug hinab zu seinem Ziel in 3039 Metern Tiefe. Im Meer verliert ROV Kiel 6000 augenblicklich sein Tonnengewicht, durch die großen gelben Schwimmkörper im oberen Teil ist es sogar leichter als Wasser.  Deshalb muss das Fahrzeug aktiv mit seinen Propellern nach unten tauchen und würde im Fall eines kompletten Ausfalls der Stromversorgung langsam wieder nach oben driften.

Gesteuert wird das ROV aus einem Container auf dem Arbeitsdeck der "Sonne". Darin herrschen frische Temperaturen, für die gut hörbar eine Klimaanlage sorgt. Der Unterschied zu draußen beträgt gut 15 Grad. Pilot und Copilot sitzen vor einer Wand aus Bildschirmen, hinter ihnen haben zwei Wissenschaftler Platz genommen. Sie bestimmen, wo das ROV hinfliegt und was wo gemacht wird. Per Funk besteht eine Verbindung zu den anderen Wissenschaftlern, die ebenfalls zahlreiche Wünsche übermitteln. Heute soll der Roboter die nordöstliche Grenze des inaktiven Gauss-Feldes erkunden. Sollte es Tiefseebergbau auf Massivsulfide geben, wären solche inaktiven Black-Smoker-Felder die Ziele. An ihnen gibt es kaum noch Leben, das durch den Bergbau geschädigt werden könnte.

Das ROV Kiel 6000 setzt Kolonisierungsexperimente von Terue Kihara vom Senckenberg Institut am Meer, Wilhelmshaven, aus. (Bild: Kroker)"Fliegen" ist durchaus wörtlich zu nehmen. Das ROV bewegt sich wie ein Flugzeug durch den Ozean und die Kontrollbildschirme der beiden Piloten haben auch etwas von den Instrumenten moderner Verkehrsflugzeuge. Der Pilot steuert den Roboter mit einem Joystick, der Kopilot bedient die beiden Arme und die zahlreichen Kameras an Bord. Mit den Armen kann der Roboter so gezielt wie kein anderes Instrument Proben nehmen oder Experimente absetzen. Ein Arm ist nur eingeschränkt beweglich, kann dafür sehr schwere Lasten aufnehmen. Das 111 Kilo schwere Kaminfragment, das ROV Kiel 6000 am Kairei-Feld geborgen hat, hat er mit Leichtigkeit bewegt.

ROV Kiel 6000 taucht wieder auf. (Copyright: BGR/Carmen Schimpf)Der zweite Arm ist dagegen sogar beweglicher als ein menschlicher Arm und besitzt eine Greifzange. Er kommt deshalb zum Einsatz, wenn kleine Proben aus schwieriger Umgebung genommen oder Experimente ausgesetzt werden müssen. Gesteuert wird er mit einem kleineren Pendant im Container. Der Copilot macht mit diesem Pendant die gewünschte Bewegung und der Arm unten am Tauchroboter macht sie genau nach. Das ist schwieriger, als es klingt und erfordert viel Übung. Außerdem hat der Bediener an der Wasseroberfläche keine Kontrolle über die Kraft, die er mit dem Arm in der Tiefsee ausübt. Mehr als einmal zerbröckeln daher unter dem festen Griff des Roboterarms die mühsam gepackten Proben aus den Black-Smoker-Schloten.

 


FS Sonne. (Foto: B. Grundmann, GEOMAR)

planeterde-Autor Holger Kroker ist mit dem Forschungsschiff SONNE in See gestochen. Gemeinsam mit Geowissenschaftlern der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe befindet er sich auf einer Expedition in den Indischen Ozean, um das Auftreten metallreicher Ablagerungen entlang ozeanischer Spreizungszonen zu untersuchen. Für planeterde berichtet Kroker im LOGBUCH FS SONNE über seine Zeit an Bord. Zu einem weiteren Fahrt-Tagebuch, betrieben von der BGR, geht es hier.