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LOGBUCH FS SONNE #1: Lange Anfahrt

erstellt von eschick zuletzt verändert: 12.12.2013 10:32

planeterde-Autor Holger Kroker ist mit dem Forschungsschiff SONNE in See gestochen. Gemeinsam mit Geowissenschaftlern der BGR befindet er sich auf einer Expedition in den Indischen Ozean, um das Auftreten metallreicher Ablagerungen entlang ozeanischer Spreizungszonen zu untersuchen. Für planeterde berichtet Kroker im LOGBUCH FS SONNE über seine Zeit an Bord.

Panorama von Port Louis, Mauritius. (Bild: Holger Kroker)Der erste Tag auf See, inzwischen sind die Vulkanberge von Mauritius hinter dem Horizont versunken, auch Rodrigues, an dem wir im Abstand von rund 100 Seemeilen vorbeifuhren, ist nicht mehr zu sehen. Das Forschungsschiff "Sonne" geht leicht mit der Dünung des Indischen Ozeans, ringsum gibt es nur tiefblaues Wasser, über uns ein leicht bewölkter Himmel. Es ist der Beginn der Monsunzeit, auf Mauritius haben wir die ersten schweren Regenfälle hautnah miterlebt. Hier auf hoher See soll es aber erst einmal trocken bleiben, zumindest so weit die Vorhersage reicht.

"Sonne" am Pier von Port Louis, Mauritius, vor dem Ablegen zu INDEX2013, leg 2. (Bild: Kroker)Es sind noch 545 Seemeilen, rund 1000 Kilometer, bis wir das Zielgebiet erreichen. "Sonne" ist auf dem Weg zu Untersuchungen, die eine deutsche Erkundungslizenz vorbereiten sollen. Anders als bei der schon bestehenden Erkundungslizenz im Pazifischen Ozean geht es aber nicht um Manganknollen, sondern um Massivsulfide - auch als Schwarze Raucher oder Black Smoker bekannt. Sie können sehr reich an Edelmetallen und den Seltenerdmetallen sein, die für sämtliche Hightech-Anwendungen von der Windturbine bis zum Smartphone nötig sind.

Auf diesem zweiten Abschnitt der Index2013-Expedition sind 20 Wissenschaftler und drei Journalisten auf Einladung der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) an Bord. Es geht zu Hydrothermalfeldern am Rodrigues-Tripelpunkt, an dem sich die australische, die afrikanische und die antarktische Krustenplatte treffen. Wo sich solche Platten treffen, sind Hydrothermalfelder häufig. Die am Tripelpunkt erscheinen den Geologen der BGR vielversprechend, deshalb sollen sie näher untersucht werden.

Das ROV Kiel 6000 wird zu einem Probetauchen im Hafen von Port Louis zu Wasser gelassen. (Bild: Kroker)

Deshalb ist ein Star der deutschen Ozeangraphie mit an Bord, das ROV Kiel 6000 des Helmholtz-Zentrums für Meereswissenschaften Geomar. ROV steht für ferngesteuertes Tauchfahrzeug, das über ein 6000-Meter-Kabel von Bord der "Sonne" dirigiert wird. Das Gerät und die zu ihm gehörigen beiden 20-Fuß-Container plus Tiefsee-Kabelwinde sind mit uns in Port Louis auf Mauritius an Bord gegangen. Insgesamt 65 Tonnen Material müssen für das Fahrzeug bewegt werden und das Arbeitsdeck der "Sonne" ist ziemlich eng geworden, als alles an seinem Platz ist. Während das Forschungsschiff klar zum Ablegen gemacht wird, absolviert das kleinwagengroße Gerät seinen ersten Tauchgang und manövriert im Wasser hinter dem "Sonne"-Heck.

Aufmerksam wird es von der ROV-Crew und den BGR-Wissenschaftler beobachtet, eher neugierig von uns Journalisten und ein paar Hafenarbeitern, die sich hinzugesellen. Wie ein Stein versinkt das Fahrzeug im trüben Hafenwasser, um Sekunden später mit wildem Gesprudel wieder aufzutauchen. Ein paar Mal muss der Roboter auf- und abtauchen und Kreise drehen, dann sind die Ingenieure und Wissenschaftler zufrieden: Die Kommunikation funktioniert. Triefend wird er aus dem Wasser gezogen und wieder auf dem "Sonne"-Deck verstaut.

FS Sonne: kontinuierlich auf hoher See. (Foto:Grundmann/GEOMAR)Die Formalitäten sind inzwischen auch erledigt, der Lotse an Bord gekommen, und so kann es losgehen: Langsam löst sich das Schiff von der Pier und fährt an chinesischen Fischerbooten, einer mauritianischen Fähre und einer Luxusjacht vorbei aus dem Hafen. Während Port Louis langsam kleiner wird und wir die Südspitze der Insel umrunden, richtet man sich an Bord ein. Kabinen und Labors werden bezogen und betriebsbereit gemacht. Anschließend nutzt der Sicherheitsoffizier des Schiffes, Jens Göbel, die Zeit, uns Neulingen an Bord einen Rettungs-Schnellkurs zu verpassen: Rettungsanzug anlegen, Rettungswege im Schiff, Besteigen eines Rettungsbootes. Am Nachmittag ist der Sicherheitsdrill angesetzt, bei dem alle mit Rettungswesten antreten und eine Evakuierung üben müssen. 

Dann sind die Formalien für den ersten Tag erledigt. Während die "Sonne" mit zwölf bis 13 Knoten, also 22 bis 24 Stundenkilometern, von Mauritius wegsteuert, setzt die tropische Nacht unvermittelt ein und die Wolken am Horizont verschwinden endgültig. Zweieinhalb Tage werden wir für die Strecke zum Rodrigues-Tripelpunkt brauchen. Doch der Transit ist nicht ausschließlich Fahrtzeit,  auf dem Weg wird der Meeresboden auf einer Breite von 30 Kilometern mit dem Echolot vermessen.