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Albert Maucher-Preis 2004 für Hildegard Westphal und Oliver Rauhut

erstellt von Gorgus zuletzt verändert: 23.08.2007 14:22

Dinosaurier und das Klima der Vergangenheit: Mit diesen Themen lässt sich mehr als ein Blumentopf gewinnen. Zum zwölften Mal vergibt die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) in diesem Jahr den Albert-Maucher-Preis. Der mit je 10.000 Euro dotierte Preis an Hildegard Westphal und Oliver Rauhut. Verliehen wird der Preis am 10. Mai im Rahmen einer Festveranstaltung der DFG-Senatskommission für Geowissenschaftliche Gemeinschaftsforschung am GeoForschungsZentrum in Potsdam. Den Preis hatte Albert Maucher 1980 gestiftet, um junge, von der DFG-geförderte Geowissenschaftler zu ehren, die Herausragendes geleistet haben. Der Münchener Geologie-Professor war zu Beginn seiner Laufbahn ebenfalls von der DFG gefördert worden.

Winzige Skelette am Meeresboden
Die Geologin Dr. Hildegard Westphal (35) erforscht so genannte Karbonatsedimente und wie sie sich verändern. Diese Verbindungen aus Kalzium, Kohlenstoff und Sauerstoff kommen am Meeresboden hauptsächlich als Skelett und Schalenreste von winzigen Organismen vor. Unter bestimmten Bedingungen setzt sich Karbonat aber auch ohne organisches Zutun am Meeresboden ab. Die Karbonatablagerungen speichern Informationen über Klimafaktoren der Vergangenheit, in denen Geowissenschaftler lesen wie in einem Buch. Allerdings ist es schwer die Informationen aus diesem Buch richtig zu deuten. Häufig fehlen Seiten oder die Schrift ist unleserlich. Besonders, wenn sich die Kristallstrukturen nach der Ablagerung verändert haben.

Ungewöhnliches Geschichtsbuch
Um dieses Klimageschichtsbuch besser verstehen und interpretieren zu können, hat Westphal eine breite Spanne von verschiedenen Karbonatsedimenten untersucht und kategorisiert. Sie hat sich dabei besonders auf veränderte Karbonate konzentriert. Damit hat sie nicht nur einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der Klimavergangenheit geleistet, sondern auch geholfen, die Entstehung von Karbonaten zu erklären. Ihre Ergebnisse haben damit auch großes wirtschaftliches Interesse, da Karbonate zu den wichtigsten Erdölspeichergesteinen zählen. Frau Westphal ist die erste Wissenschaftlerin, der dieser Preis verliehen wird.

Dinos in Südamerika
Am anderen Ende des Größenspektrums forscht Dr. Oliver Rauhut (34). Der Paläontologe untersucht Dinosaurier als Vertreter der Wirbeltiere. Sie eignen sich besonders gut, da ihre Knochen häufig als Fossilien erhalten sind. Ihn interessieren vor allem Artenvielfalt, Verwandtschaftsverhältnisse, Evolution und geographische Verteilung der Fleisch fressenden Saurier auf der südlichen Halbkugel. Er fand heraus, dass zu Beginn des Erdmittelalters vor etwa 225 Jahren die Dinosaurier auf der Nord- und Südhalbkugel sehr ähnlich waren. Doch bis Ende dieses Zeitalters vor ca. 65 Millionen Jahren hatten sich die Dinosaurier jeweils getrennt entwickelt und sogar unterschiedliche Sauriergruppen ausgebildet. Da bis jetzt nur wenige ausführliche Arbeiten über die Dinosaurier auf der Südhalbkugel existieren, eröffnen Rauhuts Untersuchungen neue Vergleichsmöglichkeiten.

Knochensensation
Über Rauhuts zahlreichen Grabungen in Südamerika berichtete sogar die BBC. Mehr oder weniger nebenbei fand Rauhut eine kleine Sensation: den mit 150 Millionen Jahren ältesten Säugetierknochen, der je in Südamerika gefunden wurde. Dieser Kieferknochen ist ein weiterer Beleg dafür, dass Säugetiere schon zu Zeiten der Dinosaurier weltweit verbreitet waren. In Zukunft möchte Rauhut sich der Frage widmen, welche Bedingungen den Sauriern ermöglichten, ihre gigantische Körpergröße zu erreichen.

Den Preis überreicht der ehemalige Assistent Albert Mauchers, Professor Hubert Miller vom Department für Geo- und Umweltwissenschaften der LMU München. Genaueres über die Lebensläufe und die Arbeiten der Preisträger findet sich auf den Seiten der DFG.