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Eine Enzyklopaedie der Entdeckungsreisen

erstellt von redaktion zuletzt verändert: 23.08.2007 14:25

Ein Jahrhundertwerk komplett: Fuenfter und letzter Band der "Enzyklopaedie der Entdecker und Erforscher der Erde" liegt jetzt vor. VolkswagenStiftung unterstuetzte das langjaehrige Projekt des Geographen Dr. Dietmar Henze mit rund 380.000 Euro.

In der Kindheit traeumen wir oft davon, andere Welten zu entdecken, und versinken in Filmen wie zum Beispiel "1492 - Die Eroberung des Paradieses" ueber die Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus. Gerne moechten wir wie die Protagonisten in fremde Laender fahren und Neues, Spannendes erleben. Doch da in der Realitaet solche Traeume selten wahr werden, bewundern wir die Entdecker und Erforscher frueherer Zeiten umso mehr. Dies jedoch zumeist, ohne eigentlich sonderlich viel ueber sie zu wissen.


(c) State Library of Tasmania

"Marco Polo, Christoph Kolumbus oder James Cook kennt heute jeder, doch es gibt auch viele solcher Lichtgestalten, die in Vergessenheit geraten sind.", sagt Dr. Dietmar Henze, Autor der fuenfbaendigen "Enzyklopaedie der Entdecker und Erforscher der Erde". Denn wer weiss schon, wer Pater F. Samuel Mancini, George Robertson oder William Stanley Sharland waren? Henze, der in der Kindheit ebenfalls die Reiseberichte von Sven Hedin und anderen verschlang, moechte hier mit seinem ueber 3600 Seiten umfassenden Nachschlagewerk Abhilfe schaffen. 1970 begann er mit der Enzyklopaedie, jetzt, im Juli 2004, erschien der fuenfte und letzte Band frisch aus dem Druck (veroeffentlicht in Akademische Druck- und Verlagsanstalt, Graz/Austria). Ein Jahrhundertwerk findet so seinen Abschluss. Die VolkswagenStiftung unterstuetzte (neben weiteren Foerderern) die Arbeiten mit insgesamt 382.000 Euro.

Dietmar Henze befasst sich in seinem Werk ausschliesslich mit Reisenden, die bis zum Ende des 19. Jahrhunderts unbekannte Gebiete erschlossen haben. Aus diesem Grund werden Persoenlichkeiten wie der franzoesische Schriftsteller Chateaubriand oder die Schweizer Adolphe F. Bandelier und Karl Bodmer nicht erwaehnt. Doch viele andere hat er dem Vergessen entrissen. Dabei hat ihn vor allem eines immer interessiert: Was und wie sah ein Reisender? Und: Welchen Zuwachs an Erkenntnis brachten seine Entdeckungen, seine Forschungen? Deutlich wird: Ganz unterschiedliche Motive trieben den Einzelnen an. "Bei einigen war es reine Neugierde, bei jenen Geldgier, bei anderen wiederum lag ein religioeser Hintergrund vor", beschreibt Henze. Und manche wollten schlicht militaerisch unterwerfen. "Wir haben es mit grausamen und verbrecherischen Entdeckern zu tun und mit Leuten, die die von ihnen entdeckten Laender in eine neue Zukunft fuehrten. Sie alle beeinflussten den Lauf der Geschichte".

Forschungsreisen, das wird ebenso klar, waren frueher reine Maennersache. Daher waren die meisten Entdecker Maenner - oder sahen zumindest wie solche aus. Denn es waren durchaus auch immer wieder Frauen "an Bord" - jedoch oft als Maenner verkleidet und daher mehr oder weniger als solche erkannt. Auch hierfuer finden sich schoene Beispiele. So wuerdigt die Enzyklopaedie die Verdienste einer gewissen Natalia Prontschischtschew, die vor 250 Jahren gemeinsam mit ihrem Ehemann Wasilij Sibirien erkundete.

Henze belaesst es jedoch nicht nur bei der reinen Beschreibung der Reisenden in Sachen Neuentdeckung. Am Ende eines jeden - alphabetisch nach den einzelnen Personen geordneten - Artikels zeigt er durch eine Zusammenfassung die Bedeutung der Entdeckung fuer die jeweilige forschungshistorische Situation auf. Zudem hat der Autor seine Artikel mit Querbezuegen zu den Vor- und Nachlaeufern der jeweiligen Entdecker angereichert. Grossen Wert legte er auf Reichhaltigkeit und Zuverlaessigkeit der einzelnen Schriften und Literaturverzeichnisse. Das alles erleichtert es dem Leser und Nutzer, die Ereignisse in den geschichtlichen Gesamtzusammenhang einzuordnen.

Schon in den vergangenen dreissig Jahren konnte Henze bei der Vorlage der ersten Baende immer wieder viel Lob fuer seine Arbeit ernten. So bezeichnete beispielsweise der Bayerische Rundfunk die Baende als "wahrlich beeindruckendes Unternehmen" und "Lebenswerk". Die Neue Zuercher Zeitung schrieb: "Dietmar Henzes Enzyklopaedie der Entdecker und Erforscher der Erde wird zweifellos ... zu einem Standardwerk werden." Und die Welt am Sonntag sprach von einem "Jahrhundertwerk". Dass Henze diese fuenf Baende allein, ohne ein Team von Forscherkollegen und Hilfskraeften, verfasst hat, mag man in Zeiten vielkoepfiger Kooperationsprojekte kaum mehr glauben.

Ach ja ... fast waere darueber in Vergessenheit geraten, dass noch eine kurze Aufloesung aussteht: Pater F. Samuel Mancini befuhr 1864 den Rio Madre de Dios in Bolivien und fertigte eine Karte der Flussregion an. George Robertson nahm an Samuel Wallis Weltumseglung (1766 - 68) teil, die zur Entdeckung Tahitis fuehrte. Er bereicherte diese Segeltour mit vielen kleinen selbststaendigen Unternehmungen; dazu zaehlt beispielsweise die Bootsfahrt in die Magalhes-Strasse. Durch Robertsons Tagebuch wurde Wallis' Bericht der Weltumseglung ethnographisch ergaenzt. William Stanley Sharland war britischer Vermessungshelfer. Er machte sich Mitte des 19. Jahrhunderts um die Erschliessung Inner-Tasmaniens verdient und entdeckte den Nive-River und den Lake St. Clair.

Pressemitteilung der VolkswagenStiftung 03.08.2004