Benutzerspezifische Werkzeuge
Sie sind hier: Startseite News Internationaler Forschertreff in der Antarktis

Internationaler Forschertreff in der Antarktis

erstellt von redaktion zuletzt verändert: 23.08.2007 14:27

Kooperation zwischen Deutschland und Argentinien im Dallmann-Labor in der Antarktis verlängert

Am 5. April 2006 wird auf King George Island in der Antarktis der Folgevertrag über die wissenschaftliche Zusammenarbeit am Dallmann-Labor unterzeichnet. Die Direktoren der beiden Forschungsinstitute, Prof. Dr. Jörn Thiede vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven, und Dr. Mariano Memolli von der Direccíon Nacional del Antartico Buenos Aires, verlängern somit eine seit zwölf Jahren bestehende Kooperation.


Dallmann-Labor auf King-George-Island

Das im Jahre 1994 gegründete Dallmann-Labor ist die erste Forschungseinrichtung mehrerer Nationen in der Antarktis. Es wurde vertraglich eine Zusammenarbeit von Wissenschaftlern aus Deutschland, Argentinien und den Niederlanden vereinbart. In Kooperation mit der argentinischen Station Jubany und deren logistischer Unterstützung schafft das Labor Arbeitsmöglichkeiten für Biologen und Geowissenschaftler. Von März bis Oktober stehen im Dallmann-Labor vierzehn Wohn- und Arbeitsplätze mit insgesamt sieben Laboratorien, einer Werkstatt und einem Lager zur Verfügung. Internetanbindung und modernste Geräte wie eine Stickstoffverflüssigungsanlage zum schonenden Einfrieren von biologischen Proben gehören zur Ausstattung. Eine weitere Besonderheit der Forschungsstation ist die Dekompressionskammer, die den Einsatz von Forschungstauchern nach den strengen deutschen Sicherheitsbestimmungen ermöglicht. Einige Iglu-Hütten ergänzen die Ausstattung. Die gesamten Abwässer der Station Jubany und des Dallmann-Labors werden durch eine vollbiologische Kläranlage gereinigt.


Das Dallmann-Labor an der argentinischen Jubany Station liegt an der Potter Cove auf der antarktischen Halbinsel.
Foto: Katharina Zacher, Alfred-Wegener-Institut


Die Potter Cove

Kernpunkt der biologischen Untersuchungen ist die Erforschung des Ökosystems Potter Cove, die Meeresbucht, an der die Forschungsbasis liegt. Mit Hilfe von Forschungstauchern werden die Struktur und Dynamik der Großalgen- und Tiergemeinschaften, sowie die Lebensweise und Physiologie von Schlüsselarten untersucht. Die Untersuchung von Stoffflüssen im Nahrungsnetz erlaubt eine weitergehende Analyse von Struktur und Funktionsweise dieses Ökosystems. Zusammen mit den physiologischen Daten ist eine Vorhersage über zukünftige Veränderungen angesichts globaler Umweltveränderungen möglich. An Großalgen wird in diesem Zusammenhang besonders die Wirkung der verminderten Ozonschicht und dem damit verbundenen Anstieg der ultravioletten Strahlung auf die Primärproduktion und die marine Biosphäre untersucht.


Das Internationale Polarjahr

Das Dallmann-Labor wird im Internationalen Polarjahr 2007/08 eine Anlaufstelle für internationale Forschungsprojekte sein. In einem der Projekte sollen die Folgen des globalen Klimawandels untersucht werden. In den letzten 50 Jahren ist die Lufttemperatur im Bereich der Antarktischen Halbinsel stark angestiegen. Ein Schwerpunkt ist dabei der erhöhte Eintrag von Schmelzwasser in marine Küstengemeinschaften der Antarktischen Halbinsel. Die damit verbundene Trübung des Wassers führt zu einer drastischen Verschlechterung der Lichtbedingungen für die Algen. Schlechtere Wachstumsbedingungen für diese Primärproduzenten bedeuten geringere Qualität und Quantität der Nahrung für Zooplankton und bodenlebende Organismen, die wiederum auf das Plankton und dessen Abbauprodukte angewiesen sind. Insgesamt wird mit einer deutlichen Veränderung der Struktur und Funktion des Nahrungsnetzes gerechnet.

Das Dallmann-Labor liegt am nördlichen Ende des untersuchten Profils entlang der Antarktischen Halbinsel. Der hier heute vorliegende Zustand des Ökosystems ist wahrscheinlich exemplarisch, und wird in Zukunft auch in weiter südlich gelegenen Gebieten erwartet werden.

Pressemitteilung Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung

Dr Andreas Wohltmann, 30. März 2006