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Kaltwasserkorallen - bedrohte Juwelen der Tiefe

erstellt von redaktion zuletzt verändert: 23.08.2007 14:30

Das Aquarium des Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) präsentierte am 25.8. weltweit zum ersten Mal riffbildende Kaltwasserkorallen. Die Kieler Meeresforscher stellen die filigrane Steinkoralle Lophelia pertusa im Aquarium Kiel in einem speziell eingerichteten Becken der Öffentlichkeit vor.

Erst vor wenigen Jahren sind die Kaltwasserkorallen in den Blickpunkt der Wissenschaft geraten, denn ihr Lebensraum in der Tiefe ist nur durch aufwendige Technik wie Tauchboote und ferngesteuerte Roboter erschließbar. Forscher, die zum Meeresboden tauchten, staunten über ausgedehnte Korallenriffe in kalten Gewässern. Wie ihre tropischen Verwandten bilden auch die Kaltwasserkorallen eindrucksvolle Riffe, die sich kilometerweit erstrecken. Die Meeresbiologen Prof. Ulf Riebesell und Armin Form vom IFM-GEOMAR sind mit dem Forschungstauchboot JAGO im März dieses Jahres vor der Küste Norwegens getaucht, um Exemplare für die Forschung in Kiel zu sammeln.


(c) IFM-GEOMAR Kiel

Diese besonderen Ökosysteme sind bereits seit Jahren durch Schleppnetzfischerei, Kabel und Öl-Pipelines gefährdet. Seit kurzem schlagen Forscher Alarm, denn die Kalk bildenden Organismen sind auch durch die zunehmende Versauerung der Ozeane bedroht. Durch fortschreitende Kohlendioxid-Emissionen wird das Meerwasser zunehmend saurer und die Bildung der Kalkskelette vieler Lebewesen im Meer, darunter auch die der Korallen, stark beeinträchtigt. In weiten Gebieten des Ozeans werden sie sich sogar ganz auflösen. Da die Riffe als Lebensraum für unzählige Arten dienen, sind nicht nur die Korallen selbst betroffen, sondern mit ihnen auch eines der artenreichsten Ökosysteme der Tiefsee. Mit jeder weiteren Expedition wird den Forschern deutlich, dass die betroffenen Regionen sehr groß sind. Vor der Westküste Europas befindet sich beispielsweise ein über 4500 km langer "Gürtel" von Lophelia-Riffen. Diese Riffsequenz beginnt vor Westafrika im Süden und erstreckt sich bis nach Nordnorwegen.

Nach Studien in ihrem natürlichen Lebensraum beschreiten die Kieler Meeresforscher nun neue Wege, indem sie weltweit erstmalig Kaltwasserkorallen in speziell dafür entwickelten Aquariensystemen experimentell untersuchen. Hier liegt eine Stärke der Kieler Wissenschaftler, die über langjährige Erfahrung in der Haltung von sensiblen Lebewesen aus dem Meer verfügen. Dr. Uwe Waller, wissenschaftlicher Leiter des Aquariums, zu der neuen Herausforderung: "Ein abgetrennter Wasserkreislauf mit entsprechend kälteren Temperaturen sowie die Haltung unter besonderen Licht- und Nährstoffverhältnissen zeigten sehr gute Ergebnisse in den Experimenten. Das ermutigte uns, die Kaltwasserkorallen auch den Besuchern unseres Aquariums zu präsentieren." Mit der einmaligen Ausstellung wollen die Kieler Meeresforscher die Problematik der Ozeanversauerung und deren Erforschung durch Wissenschaftler des IFM-GEOMAR der Öffentlichkeit nahe bringen.


(c) IFM-GEOMAR Kiel

Lophelia pertusa ist zu besichtigen im Aquarium Kiel im Leibniz-Institut für Meereswissenschaften http://www.aquarium-kiel.de