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Marines Allround-Talent in der Ostsee auf Rueckzug?

erstellt von redaktion zuletzt verändert: 23.08.2007 14:35

Lebensraum einer wichtigen Plankton-Art reduziert sich auf schmale Wasserschicht

In der Juni - Ausgabe der Fachzeitschrift Journal of Plankton Research berichten der Warnemuender Meeresbiologe Frank Hansen und seine Kollegen Christian Moellmann, Ulrike Schuetz und Hans-Harald Hinrichsen von Untersuchungen, die sie zu bestimmten Aspekten der Nahrungssituation wichtiger Ostseefische durchgefuehrt hatten.

Gegenstand ihrer Studien war das so genannte Naehr-Plankton - mikroskopisch kleine Krebse, die die Nahrungsgrundlage von Fischlarven darstellen. Einem Vertreter dieser Gruppe, dem Ruderfusskrebs Oithona similis, wird seit einigen Jahren nachgesagt, dass seine Bedeutung auf Grund methodischer Mess-Fehler jahrzehntelang weltweit stark unterschaetzt wurde. Generell gehoeren Ruderfusskrebse zu den haeufigsten und am weitesten verbreiteten Meerestieren. Ihr Vertreter Oithona kommt in allen Meeren vor - ein marines Allround-Talent, dem, wenn die aktuellen Vermutungen stimmen, eine wichtige Rolle bei der Ernaehrung von Fischlarven zukommt. Fuer die Autoren war dies Grund genug, sich den Lebensraum dieser vermeindlich reichen Nahrungsquelle fuer den Fisch-Nachwuchs in der Ostsee einmal genauer anzusehen.

Die hier lebenden Fischbestaende sind durch Ueberfischung und Milieuveraenderungen bereits stark reduziert. Will man durch gezieltes Fischereimanagement zu einer Staerkung der Bestaende kommen, so muss man die Ernaehrungssituation aber genau kennen.

Die Autoren fanden heraus, dass sich der Lebensraum von Oithona similis in der Bornholmsee auf eine Wasserschicht zwischen 50 und 80 m Wassertiefe beschraenkt, mit einem klar umrissenen Haeufigkeitsmaximum zwischen 60 und 70 m. In dieser Tiefe liegt in den Ostseebecken die so genannte Salzgehaltssprungschicht, die den Wechsel von sauerstoffarmem aber salzreichem Wasser in der Tiefe zu dem darueber liegenden gut durchluefteten aber brackigen Wasser beschreibt. Dass der Ruderfusskrebs nicht noch tiefer abtaucht, war fuer die Meeresbiologen nicht verwunderlich, denn hier herrschen Dunkelheit und schlechtes Nahrungsangebot, vor allem aber Sauerstoffmangel vor. Dass sich sein Hauptverbreitungsgebiet jedoch auf eine nur 10 Meter dicke Wasserschicht beschraenkt, erstaunte sie. Als Ursache nehmen sie die geringen Salzgehalte an, die in der Ostsee in den hoeheren Wasserschichten herrschen und in den letzten Jahren bedingt durch klimatische Veraenderungen kontinuierlich abgenommen haben. Weil Oithona aber das Salz braucht, wie wir die Luft zum Leben, muss er sich in die Salz reicheren Tiefe zurueckziehen und zwar gerade so weit, dass er noch genug Sauerstoff im Wasser vorfindet. Solche Bedingungen findet er in der zentralen Ostsee aber nur noch in einer 10 m-dicken Wasserschicht vor.

Sollte die Klima bedingte "Aussuessung" der Ostsee weiter fortschreiten, so ist zu befuerchten, dass der in allen Meeren beheimatete Tausendsassa Oithona similis hier keinen Lebensraum mehr findet.

Die Untersuchungen wurden im Rahmen des europaeischen Forschungsprojektes STORE (Environmental and fisheries influences on fish stock recruitment in the Baltic Sea) zur Verbesserung der wissenschaftlichen Basis des Fischereimanagements durchfuehrt.

Pressemitteilung Institut fuer Ostseeforschung Warnemuende, 21.07.2004