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Trocknet der Spreewald aus?

erstellt von redaktion zuletzt verändert: 23.08.2007 14:38

Ergebnisse aus der Klimafolgenforschung zur Entwicklung des Wasserhaushaltes im Spreewald bis zum Jahr 2050.

Mit moeglichen Auswirkungen des globalen Wandels auf den Wasserhaushalt, die Oekologie und Nutzung des Spreewaldes beschaeftigte sich unlaengst ein Workshop im brandenburgischen Luebbenau. Vorgestellt wurden Ergebnisse von Untersuchungen im Rahmen des vom Bundesministerium fuer Bildung und Forschung gefoerderten Projektes GLOWA-Elbe, das sich mit den Auswirkungen des globalen Wandels auf den Wasserhaushalt, auf Umwelt und Gesellschaft im gesamten Elbegebiet auseinandergesetzt hat. Mit ca. 60 Teilnehmern aus der Region, die der Einladung der Verwaltung des Biosphaerenreservats Spreewald gefolgt waren, wurden anschliessend die Konsequenzen der Ergebnisse fuer die Nutzung der Wasserressourcen im Spreewald diskutiert.

An dem Verbundforschungsvorhaben waren neben dem Zentrum fuer Agrarlandschaftsforschung Muencheberg (ZALF), der TU Cottbus und dem Potsdamer Institut fuer Klimafolgenforschung (PIK) drei Fachgebiete der TU Berlin beteiligt: Vergleichende Landschaftsoekonomie (Prof. Dr. Volkmar Hartje), Standortkunde und Bodenschutz (Prof. Dr. Gerd Wessolek) sowie Oekosystemkunde/Pflanzenoekologie (Prof. Dr. Ingo Kowarik).


(c) Martin Wittram

Die Forscher haben fuer die Prognosen bis zum Jahr 2050 verschiedene Szenarien der Klimaentwicklung zugrunde gelegt; unter anderem gehen sie in den naechsten 50 Jahren von einem Temperaturanstieg von 1,5 Grad Celsius aus. Alle Modelle ergeben erhebliche Auswirkungen auf das Feuchtgebiet Spreewald. Abnahme von Niederschlaegen und zunehmende Verdunstung in den Sommermonaten sowie damit einhergehend der Rueckgang der Grundwasserneubildung fuehren zu wachsenden Problemen hinsichtlich der Verfuegbarkeit des Wassers. Die durch den Bergbau mit dem Rueckgang der Suempfungswaessereinleitung und der Flutung der Tagebaue verursachten Veraenderungen des Wasserhaushaltes verschaerfen diese Situation. Sie haben einen aehnlich grossen Einfluss wie die sich veraendernden klimatischen Bedingungen.

Die Folge dessen, so die Wissenschaftler, wird eine Zunahme des Wasserdefizits im Spreewald vor allem in den Sommermonaten sein. Insbesondere ist mit tieferen Grundwasserstaenden vorrangig im Norden und Sueden des Spreewaldes sowie in den Bereichen der Niederung zu rechnen, die heute vorzugsweise von den Zufluessen der Malxe versorgt werden. Moegliche Auswirkungen auf Wirtschaft und Oekologie sind dann zum Beispiel Ertragseinbussen bei der Gruenlandnutzung, der Rueckgang spreewaldtypischer Lebensraeume wie Feuchtwiesen oder nasse Erlenwaelder sowie eine massive weitere Schaedigung der wertvollen Niedermoore des Spreewaldes. Nach 2040, wenn die Klimawirkungen zunehmen und sich mit dem Auslaufen des Bergbaus ueberlagern, kann es laut der Prognosen in trockenen Sommermonaten zu extremen Wassermangelsituationen besonders an den Raendern des Spreewaldes kommen. In starkem Masse davon betroffen waeren auch die Zufluesse der Spree nach Berlin. War der Wassermangel im Sommer bisher die Ausnahme, wird sich dieser in den kommenden Jahren haeufen. Das hat zur Folge, dass nicht mehr alle Wasserbeduerfnisse in Landwirtschaft, Tourismus, Naturschutz und Teichwirtschaft gleichbleibend umfangreich gedeckt werden koennen. Dafuer reicht das Wasser nicht mehr.

Wie auf dem Workshop betont wurde, kann und muss der zunehmenden Verschaerfung dieser Konflikte mit der vorausschauenden Planung der Wasserbewirtschaftung in den langfristigen regionalen Entwicklungskonzepten entgegen gewirkt werden. Das Forschungsprojekt und die vorgestellten Ergebnisse stellen dabei einen Anfang dar. Ausgehend von Risikoanalysen fuer verschiedene Entwicklungen sollen nun unter Einbeziehung der Nutzer des Spreewaldes und der Abwaegung der verschiedenen Interessen Handlungsstrategien zur Bewaeltigung des Wassermangels entwickelt werden.

In ersten Modellen wird dabei zum einen auf eine Umverteilung der Wasserressourcen durch geaenderte Prioritaeten der Wasserbereitstellung gesetzt, zum anderen auf eine Zufuehrung von Wasser aus dem Einzugsgebiet der Oder. Waehrend Ersteres Probleme wegen der Bevorzugung bzw. Benachteiligung von Nutzungen aufwirft, ist Letzteres insbesondere aufgrund der hohen Kosten problematisch.

Wie die Entscheidungen ausfallen werden, ist heute noch nicht abzusehen. Unumstoessliche Tatsache aber ist, dass dem globalen Wandel in den langfristigen Planungen der Land- und Forstwirtschaft, des Tourismus und des Naturschutzes staerker als bisher Rechnung getragen werden muss, damit im Konsens der Nutzer notwendige wasserwirtschaftliche Massnahmen realisiert werden.

Weitere Informationen zu diesem Thema erhalten Sie hier.

Pressemitteilung der Technischen Universitaet Berlin, 11.08.2004