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Klimawandel a la Hollywood: Studie zur Wirkung des Kinofilms "The Day After Tomorrow"

erstellt von redaktion zuletzt verändert: 23.08.2007 14:38

Ende Mai 2004 kam in rund 80 Laendern der Klimaschocker "The Day After Tomorrow" des Hollywood-Starregisseurs Roland Emmerich in die Kinos. Wuerde dieser Film die Klimadebatte neu entfachen und den Klimaschutz foerdern? Oder wuerde er dem Klimathema letztlich schaden, weil die Darstellung einer menschgemachten neuen Eiszeit auf der Nordhalbkugel mehr auf Fiktion als auf Wissenschaft beruht? Wissenschaftler des Potsdam-Instituts fuer Klimafolgenforschung untersuchten die Wirkung des Films. Die Ergebnisse der Studie liegen jetzt im aktuellen PIK-Report vor.

Die Soziologen Fritz Reusswig und Julia Schwarzkopf vom Potsdam-Institut fuer Klimafolgenforschung (PIK) sowie Philipp Pohlenz von der Universitaet Potsdam fuehrten die sozialwissenschaftliche Wirkungsstudie zum Film durch, die vom European Climate Forum (ECF) und vom Bundesministerium fuer Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) unterstuetzt wurde.

Die Ergebnisse zeigen: Durch Werbung, Interviews und Medienberichte hat der Film zu einer kleinen Konjunktur des Klimathemas gefuehrt und Menschen erreicht, die sich ansonsten fuer das Thema nicht oder kaum interessieren. Dem Film gelang es auch, dem Kinobesucher ein groesseres Bewusstsein fuer die Komplexitaet und Verwundbarkeit des Weltklimas zu vermitteln. So war zum Beispiel die Rolle der Ozeane den meisten Befragten vor dem Film nicht bekannt. Die "Special Effects" einer hereinbrechenden Klimakatastrophe fuehrten bei den Zuschauern jedoch keineswegs zu Fatalismus oder Fluchtgefuehlen - wie vielleicht zu erwarten waere. Im Gegenteil: Nur knapp zehn Prozent der Befragten nahmen die Botschaft "Wir koennen ohnehin nichts tun" mit nach Hause, 82 Prozent waehlten nach dem Film die Botschaft "Wir muessen den Klimawandel unbedingt aufhalten" als ihr Motto. Die meisten glauben auch, dass es noch moeglich sowie auch wirtschaftlich vernuenftig ist, Klimaschutzpolitik zu betreiben. Die deutsche Klimapolitik, die speziell wegen der Oekosteuer keine allzu guten Noten vor dem Film erhalten hatte, wird nachher deutlich besser bewertet - angesichts der kritischen Haltung des Films gegenueber der Klimapolitik der US-Regierung nicht besonders verwunderlich. Deutschland wird aufgefordert, auch international seine Anstrengungen zu verstaerken.

Neben dem PIK haben sich vier andere Forschungsteams aus den USA, Grossbritannien und Japan mit der Wirkung des Films auf das Publikum beschaeftigt. Diese Teams trafen sich am 21. und 22. Oktober am PIK, um ihre Ergebnisse auszutauschen. Dabei wurde deutlich: Die unterschiedlichen kulturellen und politischen Hintergruende in diesen Laendern fuehren dazu, dass ein und derselbe Film ganz unterschiedliche Wirkungen beim Kinobesucher hervorruft. In den USA etwa, wo Klima und Klimaschutz eine deutlich geringere Rolle in der Oeffentlichkeit spielen als in Europa, hat der Film deutlich zur Sensibilisierung des Themas und der Notwendigkeit von Klimapolitik beigetragen. Und: Wer den Film gesehen hat, ist deutlich staerker bereit, John Kerry zu waehlen als George W. Bush.

Fuer die PIK-Studie wurden 1.118 Kinobesucher aus sechs deutschen Staedten befragt (Berlin, Bremen, Magdeburg, Marburg, Muenchen, Potsdam). In einem schriftlichen Interview beantworteten sie unmittelbar vor und nach dem Kinobesuch Fragen zum Klimawandel und Klimaschutz. Eine weitere Gruppe von 150 Personen wurde vier Wochen spaeter noch einmal telefonisch interviewt, um die Langzeitwirkung des Films zu ueberpruefen.

Die Ergebnisse der Studie liegen als PIK-Report Nr. 92 vor. Die Studie ist im Internet abrufbar...

Das Potsdam-Institut fuer Klimafolgenforschung (PIK) wurde 1992 gegruendet und beschaeftigt rund 120 Wissenschaftler. Seine Forschungen zu Klimawandel, Klimafolgen und nachhaltiger Entwicklung sind international anerkannt. Das PIK gehoert zur Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz (WGL).

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