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Der "siebte Zwerg" macht sich auf den Weg - neuer Satellit zur Erdbeobachtung übergeben

erstellt von redaktion zuletzt verändert: 23.08.2007 14:39

TU Berlin übergibt Indonesien neuen Satelliten - Zur TUBSAT-Familie gehören nun sieben Modelle. Am 7. September übergeben ein Forscherteam um Prof. Dr.-Ing. Udo Renner vom Institut für Luft- und Raumfahrt der TU Berlin und TU- Präsident Prof. Dr. Kurt Kutzler den neuen Satelliten LAPAN-TUBSAT der indonesischen Raumfahrtbehörde LAPAN. Sie hatte vor zwei Jahren den jüngsten TU-Forschungssatelliten zum Festpreis von einer Million Euro in Auftrag gegeben. Der neue Satellit soll Video-Aufnahmen von Umweltphänomenen in Indonesien liefern und mit einer indischen Trägerrakete ins All geschossen werden.

Nach dem erfolgreichen Start des ersten Berliner TUBSAT-A vor genau 14 Jahren ist LAPAN-TUBSAT nun bereits das siebte Modell, das Wissenschaftler der TU Berlin entwickelten und fertig stellten. Die TU Berlin war damals die erste Universität Deutschlands, die einen Forschungssatelliten konstruierte und im All erprobte. Sie ist auch diejenige universitäre Einrichtung, die die meisten Satelliten in die Umlaufbahn geschossen hat.


(c) TU Berlin

LAPAN-TUBSAT ist mit 55 Kilogramm Masse ein typischer Mikrosatellit (Klasse bis 100 kg) und hat mit den Maßen 45 x 45 x 27 Zentimetern die Form eines abgeplatteten Würfels. Das Besondere an diesem Projekt ist der Einsatz einer TV-Videokamera anstelle der sonst üblichen Festbildkamera, die den Empfang der Bilder in Echtzeit und damit den interaktiven Eingriff auf die Blickrichtung ermöglicht. Die Beobachtungsstrategie entspricht der eines Astronauten, der sein Auge wandern lässt, bis er etwas Interessantes gefunden hat. Die Kompaktheit eines Mikrosatelliten zusammen mit einer speziell entwickelten Lageregelung ermöglicht dabei schnelle Schwenkmanöver im All. Zusätzlich zu der Normalkamera mit dem Blickwinkel eines Astronauten (50 mm Brennweite) ist noch eine Teleskopkamera mit 20-facher Vergrößerung (1000 mm Brennweite) an Bord, die Gegenstände bis zu sechs Metern Größe auf der Erde erkennen lässt.

Ziel des Suchvorganges ist das Aufspüren zeitlich und lokal veränderlicher Ereignisse, die im indonesischen Alltagsleben eine Rolle spielen, wie zum Beispiel: - Seeverkehr, Fischerei, Wasserverschmutzung, Plankton, - Landwirtschaft, Bewässerungszustand, Hagelschäden, Schädlingsbefall, - Vulkanausbrüche, - Überschwemmungen, Tsunami, - Wetterentwicklung, Sandstürme, - Waldbrände, unerlaubte Brandrodungen.

Die Bahn des Satelliten ist annähernd polar (sonnensynchron) mit einer Bahnneigung von 98° und einer gleichmäßigen Bahnhöhe von 620 Kilometern. Die Umlaufzeit um die Erde beträgt etwa anderthalb Stunden. Da sich die Erde in der Zwischenzeit weiterdreht, überfliegt der Satellit im Laufe von 24 Stunden jeden Ort zweimal (einmal tags und einmal nachts) und kann daher nicht nur in Indonesien nützliche Dienste leisten, sondern überall wo eine entsprechende Empfangsstation steht, wie zum Bei-spiel auf dem Dach des Institutsgebäudes für Luft- und Raumfahrt der TU Berlin.

Pressemitteilung TU Berlin